Kräuter, Wurzeln und Harze sollen beim Räuchern das Haus reinigen (Foto: Marta Fröhlich)

Zeit der Rituale

Das hat es mit unseren Weihnachtsbräuchen auf sich

10.12.2019

Die Zeit rund um Weihnachten und den Jahreswechsel ist bestimmt von Bräuchen und Ritualen. Dabei ist manches stark regional geprägt, andere Traditionen wiederum teilen Menschen aus verschiedensten Ecken Mitteleuropas. Fünf Beispiele.

Von Marta Fröhlich

Kräuter, Wurzeln und Harze sollen beim Räuchern das Haus reinigen (Foto: Marta Fröhlich)

Rauhnächte

Die zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar gelten als Rauhnächte. Woher ihr Name stammt, darüber ist man sich nicht so ganz einig. Viele sagen, der Begriff käme von "rauh" im Sinne von haarig oder gefährlich. Früher glaubte man, in der Zeit zwischen den Jahren seien die Wände zwischen den Welten besonders dünn. So hätten die Dämonen und Geister leichtes Spiel, in unsere Welt einzudringen. Einer alten Sage nach herrscht in der Zeit sogar die wilde Jagd. Ein Heer aus Dämonen und Halbtoten stürmt über den Himmel.


Während etwa das im Schwäbischen verbreitete Birnenbrot einen größeren Teiganteil hat und entsprechend fester ist, enthält das bayerische Kletzenbrot mehr und unterschiedlichere Trockenfrüchte. Auch mit dem Brot einhergehende Bräuche variieren. Frauen verschenkten Endstücke des Früchtebrotes an ihre Liebhaber. Hatte das Gebäck eine glatte Schnittkante, war die Dame heiratswillig, raue Schnittkanten bedeuteten nichts Gutes. Dann wollte man die Beziehung beenden.
Als klassischer Weihnachtsbrauch wird in Südtirol traditionell am 21. Dezember, dem Thomastag, der Zelten gebacken und das noch heiße Früchtebrot mit Weihwasser besprengt. Auch die Tiere im Stall bekommen etwas von dem Gebäck, damit das Glück fürs neue Jahr bis unters Stodldach, also das Stalldach kommt. Ein schönes Rezept zur Herstellung traditioneller Südtiroler Zelten findest du hier.


Früchtebrot fiel je nach Einkommen mal mehr, mal weniger üppig aus (Foto: Imago)

Früchtebrot

Das Backen eines Früchtebrots gehört vor allem im süddeutschen Raum fest zum Advent dazu. Typische Zutaten sind Nüsse, Mandeln und Dörrobst in allen Variationen. In Schwaben ist zum Beispiel Ende November Zeit für das sogenannte Hutzelbrot, das die Hutzeln, also getrocknete Birnen enthält. Denn dann beginnen auch die Klöpfelnächte, ein Fruchtbarkeitsbrauch, bei dem maskierte junge Männer mit Gedichten um Gaben, darunter auch Früchtebrot, betteln. Je nach Stand und Einkommen fiel das Früchtebrot mal mehr, mal weniger üppig aus. Teigzutaten und Dörrobstanteil variieren auch von Region zu Region.


Während etwa das im Schwäbischen verbreitete Birnenbrot einen größeren Teiganteil hat und entsprechend fester ist, enthält das bayerische Kletzenbrot mehr und unterschiedlichere Trockenfrüchte. Auch mit dem Brot einhergehende Bräuche variieren. Frauen verschenkten Endstücke des Früchtebrotes an ihre Liebhaber. Hatte das Gebäck eine glatte Schnittkante, war die Dame heiratswillig, raue Schnittkanten bedeuteten nichts Gutes. Dann wollte man die Beziehung beenden.
Als klassischer Weihnachtsbrauch wird in Südtirol traditionell am 21. Dezember, dem Thomastag, der Zelten gebacken und das noch heiße Früchtebrot mit Weihwasser besprengt. Auch die Tiere im Stall bekommen etwas von dem Gebäck, damit das Glück fürs neue Jahr bis unters Stodldach, also das Stalldach kommt. Ein schönes Rezept zur Herstellung traditioneller Südtiroler Zelten findest du hier.


Fleißige Christbaumlober bekommen Schnaps zur Belohnung (Foto: Imago)

Christbaumloben

Das Christbaumloben sorgt noch heute in vielen Regionen Deutschlands für große Heiterkeit. Dabei werden in der Nachweihnachtszeit die Häuser von Freunden und Bekannten besucht und deren Christbäume ausgiebig bestaunt und über alle Maßen gelobt. Als Dank wartet ein Schnäpschen.
Ursprünglich wollte man mit dem Christbaumloben, das sich Ende des 19. Jahrhunderts im Süden Baden-Württembergs entwickelte und bis ins Allgäu ausbreitete, alte Bekannte und Freunde wiedertreffen, von denen man manche das ganze Jahr nicht gesehen hat. Noch heute variiert das Christbaumloben von Dorf zu Dorf.


Der Adventskranz ist als Brauch jünger, als viele denken (Foto: Imago)

Adventskranz und -kalender

Was viele nicht vermuten: Der Brauch, einen Adventskranz zu binden, ist noch gar nicht so alt. 1839 baute der Hamburger Erzieher Johann Hinrich Wichern einen Holzkranz mit 23 Kerzen, um seinen Zöglingen im "Rauhen Haus", einem Internat für verhaltensauffällige Kinder, das Warten auf Weihnachten zu verkürzen. Jeden Morgen wurde ein neues Licht angezündet. Erst um 1900 hatte sich der Kranz – jetzt nur noch mit vier Kerzen und in der klassischen Variante aus grünen Zweigen hergestellt – in ganz Deutschland verbreitet.


Noch jünger ist der Adventskalender. Ein Münchner Unternehmer druckte 1903 den ersten Adventskalender mit 24 Feldern, auf die Kinder bunte Bilder kleben konnten. Jahrzehnte später bekam der Kalender Türchen mit Schokolade dahinter. Heute gibt es Kalenderbücher, -spiele, Bierkalender, Online-Adventskalender und unzählige weitere Varianten.


Für viele Kinder an Weihnachten kaum wegzudenken: die Bescherung und der Weihnachtsmann (Foto: Imago)

Bescherung

Das Christkind und die in Deutschland übliche Bescherung an Heiligabend haben wir übrigens Martin Luther zu verdanken. Dieser hat nämlich die vorher übliche Bescherung am Nikolaustag auf den Heiligabend verlegt, da die evangelische Kirche keine Heiligenverehrung kennt. Evangelischer Gabenbringer war nun nicht mehr Nikolaus, sondern der "Heilige Christ", wie Luther das Jesuskind nannte. Aus dieser Abstraktion entstand zuerst in Thüringen das Christkind.


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