Wer seine Tomatenpflanzen richtig pflegt, wird mit aromatischen Früchten belohnt (Foto: Sonja Herpich/Bioland)

Wasserscheue Sonnenanbeterinnen

So klappt's mit dem Tomaten-Anbau

17.08.2020

Tomaten schmecken nach Sommer. Kein Wunder also, dass das Fruchtgemüse zu den beliebtesten Gemüsearten in Deutschland zählt und auch von etlichen Hobbygärtnern selbst angebaut werden. Dabei gilt es aber einiges zu beachten. Wo sich die Pflanze besonders wohl fühlt, wie man Pilze fernhält und warum es Mitte August "Kopf ab!" heißt, erklärt Sabine Kabath, Geschäftsführerin der Bioland-Gärtnerei Watzkendorf in Blankensee, im Interview.

Von Désirée Thorn

Groß, klein, rund, länglich, rot, gelb, grün oder sogar schwarz – Tomaten gibt's in besonders vielen Variationen. Auf was sollten Hobbygärtner bei der großen Auswahl achten?
Sabine Kabath: Entscheidend ist die Frage, wo man die Tomate hinpflanzen will. Es gibt richtig verwöhnte Sorten, die zwingend ins Gewächshaus müssen, weil sie Wind nicht abhaben können oder ganz verschnupft reagieren, wenn es mal kalt ist. Wer kein Gewächshaus hat, sollte darauf achten, dass die Tomatenpflanzen fürs Freiland geeignet sind. Diese robusteren Sorten sind auch toleranter gegenüber der Krautfäule. Das ist eine Krankheit, die von einem feuchtigkeitsliebenden Pilz ausgelöst wird.


Zur Person

Nicht nur Fachfrau für Tomaten, sondern auch für viele andere Pflanzenarten: Sabine Kabath (Foto: Annemarie Gerlach)




Sabine Kabath führt die Geschäfte der Bioland-Gärtnerei Watzkendorf in Blankensee. Dort wird schon seit 1961 Gemüse angebaut - seit 1996 ist die Gärtnerei Mitglied des Bioland-Verbandes. Inzwischen werden auf circa 21 Hektar Freiland, in Gewächshäusern mit einer zusammengenommenen Fläche von 6.300 Quadratmetern, in insgesamt 5.100 Quadratmeter großen Folientunneln und 4.500 Quadratmetern fassenden Folienhäusern fast alle Gemüsearten angebaut, die man pflanzen kann. Die Jungpflanzen wurden schon immer selbst produziert. Mit ihnen beliefert die Gärtnerei Watzkendorf auch viele Gärtnerkollegen zwischen der Insel Rügen und Dresden. Saisonbedingt arbeiten 25 bis 35 Menschen in der Gärtnerei.


Wie hält man die Krautfäule am besten fern?
Kabath: Zunächst befällt der Pilz auch Kartoffeln, weshalb man Kartoffel und Tomate nie in direkter Nachbarschaft pflanzen sollte. Außerdem brauchen die Pilzsporen, die auf den Blättern auskeimen, Blattfeuchtigkeit. Deshalb sollte man Tomaten nur von unten gießen und das am besten morgens. Dann ist die Pflanze über den Tag trocken, und man kann der Krautfäule relativ gut entgegenwirken. Ganz fleißige geben ihren Tomaten sogar ein Dach, damit sie auch bei Regen im Trockenen stehen.


Im Topf oder im Beet, in der Sonne oder im Schatten? Wo fühlt sich die Tomate generell denn besonders wohl?
Kabath: Wenn der eigene Garten so groß ist, dass man eine Fruchtfolge einhalten, also die Standorte für die Nutzpflanzen abwechseln kann, dann darf die Tomate ruhig ins Beet. In der Regel ist sie aber in kleineren Gärten besser im Topf aufgehoben. Generell sind Tomaten Sonnenanbeter – je mehr Sonne, desto aromatischer die Frucht. Außerdem stehen die Pflanzen gern im Wind – das brauchen die Blüten auch, um bestäubt zu werden. Clever ist es, die Pflanzen an die Hauswand zu stellen. Dort sind sie vor Regen geschützt und profitieren von der Wärme, die die Wand speichert. So richtig heiß wollen es die Tomaten aber auch nicht haben. Wenn man die Wahl hat, sollte man sie auf die Westseite des Hauses stellen.

Wie befestige ich die wackeligen Pflanzen am besten?
Kabath: Tomaten brauchen auf jeden Fall einen Stab. Zum Anbinden nimmt man am besten ein dickeres Band und überkreuzt das Band zwischen Stab und Pflanze einmal, sodass eine 8 entsteht. Das hält die Pflanze nicht nur stabiler, sondern verhindert auch, dass das Band einschneidet oder reibt. Offene Wunden an der Pflanze sind schließlich auch immer eine Angriffsfläche. Man kann zum Beispiel alte Lappen oder Shirts aus Naturmaterialien in Streifen reißen oder breites Geschenkband recyclen.


Die zarten Triebe, die in den Blattachseln wachsen, müssen herausgebrochen werden (Foto: imago)

 

Worauf sollte ich bei der Pflege meiner Tomatenpflanzen achten?
Kabath: Ganz wichtig ist es natürlich, regelmäßig auszugeizen. Das bedeutet, dass man die kleinen Triebe, die in den Blattachseln wachsen, herausbricht. Wer richtig früh dran ist, kann diese Triebe in einem Glas mit Wasser Wurzeln ziehen lassen und als weitere Pflanzen heranziehen. Außerdem sollte man immer die untersten Blätter entfernen. Und gerade jetzt Mitte August heißt es auch: Kopf ab! Sobald die Pflanze fünf bis sechs Blütenstände oder Rispen trägt, sollte man sie köpfen. Selbst wenn dann noch weitere Früchte kämen – sie würden nicht mehr reif werden.

 

Wie oft und wie viel sollte man gießen?
Kabath: Am besten gießt man jeden Tag einmal pro Pflanze circa zwei Liter Wasser. Da muss man sich natürlich nach dem Wetter richten. Wenn es trüb ist und weniger Wasser verdunstet, muss auch weniger gegossen werden. Bei extremer Hitze braucht die Pflanze entsprechend mehr Wasser. Bei Kübelpflanzen ist es aber wichtig, dass das Wasser durch ein Loch abfließen kann. Nasse Füße mag ja keiner…

Brauchen Tomatenpflanzen auch unbedingt Dünger?
Kabath: Beim Pflanzen ist die Zugabe von Kompost schon absolut sinnvoll. Wenn ich dann anschließend regelmäßig mulche, brauche ich keinen weiteren Dünger. Dazu kann man ganz wunderbar den Grünschnitt vom Rasenmähen verwenden und um die Pflanze herum verteilen. Dann ist auch der Pilz, der die Krautfäule verursacht, im Boden "eingesperrt". Und durch den weichen Grund spritzt das Wasser beim Gießen nicht hoch an die Blätter.

Wann kann geerntet werden?
Kabath: Das ist bei Tomaten ziemlich gut an der satt-roten Farbe zu erkennen. Aber selbst bei gelben, schwarzen oder sogar grünen Sorten kann man gut auf die Färbung achten. Dabei muss man sich gar nicht zu sehr beeilen. Die Tomaten sind auch im reifen Zustand noch etwa eine Woche lang an der Pflanze haltbar.


 

An einer Tomatenpflanzen sollten nicht mehr als fünf oder sechs Rispen hängen (Foto: Sonja Herpich/Bioland)

 

Wie sollten Tomaten aufbewahrt werden?
Kabath: Niemals im Kühlschrank! In unserer Gärtnerei lagern wir Tomaten bei 12 bis 14 Grad. Zuhause sind sie also am besten im Keller aufgehoben. Die letzte, meist noch grüne Ernte kann man übrigens leicht in Papier einschlagen und nachreifen lassen.

Auf was sollte man achten, wenn man selbst Saatgut aus seinen Tomaten gewinnen will?
Kabath: Dazu muss man auf jeden Fall eine richtig reife Tomate einer samenfesten Sorte nehmen. Die Kerne trocknet man auf Krepppapier, verpackt sie anschließend luftdicht und lagert sie am besten im Kühlschrank. So sind sie auf jeden Fall vier bis fünf Jahre lang haltbar. 


Wer selbst Jungpflanzen zieht, sollte sie erst Mitte Mai ins Freie setzen (Foto: imago)

 

Und wann dürfen die selbst gezogenen oder gekauften Jungpflanzen dann ins Freie?
Kabath: Bei unter 8 Grad fängt die Tomate richtig an zu maulen. Ins Freiland sollte man sie also frühestens Mitte Mai setzen. Im Gewächshaus kann man auch schon Ende April starten. Wer so früh dran ist, muss bei der Bestäubung aber wahrscheinlich selbst mit einem Pinsel nachhelfen. Die Blüten der Tomate sind nämlich wenig lukrativ für Insekten. Solange Rapsfelder und ähnliche Pflanzen blühen, statten der Tomate nur wenige Bestäuber einen Besuch ab.

 

Ein kulinarischer Tipp zum Schluss: Wie isst du deine Tomaten am liebsten?
Kabath: Eigentlich völlig unkompliziert: Einmal kurz in heißem Olivenöl geschwenkt, Salz und Pfeffer dazu – fertig.


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