Um Mohn ranken sich einige Mythen. Aber was steckt wirklich in den Samen? (Fotos: imago)

Samen mit Suchtpotenzial?

Fragen und Antworten rund um das Thema Mohn

23.11.2020

Dass die saftige Mohnschnecke von der Lieblingsbäckerei ein gewisses Suchtpotenzial mit sich bringt, kann man nicht bestreiten. Aber wie ist das mit den Mythen um die kleinen dunklen Körner? Wirkt Mohn wirklich wie eine Droge? Und was steckt sonst in den Samen?

Von Désirée Thorn

Klatschmohn blüht knallrot, Schlafmohn hingegen eher rosa bis violett oder sogar weiß

Klatschmohn oder Schlafmohn – wo liegt der Unterschied?

Mohn ist nicht gleich Mohn. Die satt-roten Blüten, die man im Sommer in vielen Gärten, Feldern oder am Wegesrand sieht, gehören zum Klatschmohn. Der gilt als Ackerwildkraut und ist in Deutschland heimisch. Klatschmohn enthält nur sehr geringe Mengen an Alkaloiden, also giftigen Stoffen mit einer meist berauschenden Wirkung. Die Samen sind jedoch winzig klein und damit nicht verwertbar. Ganz im Gegensatz zu dem Mohn, den wir von unseren Brötchen kennen: Schlafmohn. Der blüht rosa bis violett oder auch weiß und liefert größere Körner, die schon seit Jahrtausenden auf unterschiedliche Art und Weise eingesetzt werden: Für Gebäck und Öl, als Tierfutter oder aber – und da macht der Schlafmohn seinem Namen alle Ehre – als Arznei- oder Rauschmittel.


Klatschmohn ist im Sommer in vielen Gärten ein echter Hingucker

Darf ich Mohn selbst anbauen?

Klatschmohn darf im eigenen Garten sprießen. Das tut er oft sogar ganz ohne Zutun der Gärtner*innen, da die Samen vom Wind oder von vorbeistreifenden Tieren weitergetragen werden. Wer hingegen einfach so Schlafmohn in seinem Garten aussät, macht sich strafbar. Denn der fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und darf nur mit Sondergenehmigung der Bundesopiumstelle angebaut werden. Ritzt man die unreifen Kapseln des Schlafmohns an, tritt ein weißer Milchsaft aus. Dieser enthält über 30 Alkaloide, darunter Codein und Morphin. Im getrockneten Zustand sind diese Stoffe als Opium bekannt. Ihr Konsum kann berauschend wirken und bei einer Überdosierung sogar zum Tod führen.


Auf vielen Backwaren finden sich die kleinen blau-grauen Körner

Kann man von einem Mohnbrötchen high werden?

Den Speisemohn, der auf unseren Brötchen oder im Kuchen landet, kann man ohne Bedenken genießen. Mohn und Mohnprodukte werden regelmäßig getestet und der Morphingehalt darin ist nachweislich verschwindend gering. Zum einen liegt das daran, dass die berauschenden Wirkstoffe vor allem in der Kapsel, nicht aber in den Samen der Pflanze stecken. Dennoch bleibt es nicht aus, dass die Körner bei der Ernte mit dem Milchsaft in Kontakt kommen. Aber auch das ist nicht weiter schlimm. Denn die Sorten, die hierzulande für den Anbau zugelassen sind, enthalten generell kaum berauschende Wirkstoffe. Mohn aus anderen Anbauorten, zum Beispiel aus Asien oder der Türkei, kann hingegen durchaus höhere Morphinwerte aufweisen. Durch verschiedene Verarbeitungsschritte wie Mahlen, Dämpfen, Trocknen oder Backen wird aber auch aus diesem Mohn ein sicheres Lebensmittel. Das Bundesamt für Risikobewertung empfiehlt außerdem, rohen Mohn in heißem Wasser zu waschen. Wer auf Nummer sicher gehen will, greift aber am besten gleich zum streng kontrollierten deutschen Bio-Mohn.


Kleine Samen, großer Mehrwert: In Mohn stecken viele wichtige Nährstoffe

Was steckt sonst im Mohn?

Mohn gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und wurde schon im Jungsteinzeitalter für seine nahrhaften Eigenschaften geschätzt. In den Samen steckt jede Menge Calcium. Mit einem Anteil von 2,5 Prozent zählt der Mohn gar zu den calciumreichsten Lebensmitteln überhaupt. Den Hauptanteil der Mohnsamen macht übrigens Öl aus, das durch einen hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren punktet.


Mohnsamen sollte man in geschlossenen Behältern aufbewahren

Wie lagere ich Mohn am besten?

Ganze Mohnsamen werden am besten in geschlossenen Behältern aufbewahrt. So halten sie sich mehrere Monate. Bereits gemahlene Mohnsamen sollten schneller verbraucht werden. Durch den hohen Öl-Anteil können sie schnell ranzig werden. Deshalb: Besser nur in kleinen Mengen kaufen oder einfach selbst nach Bedarf mahlen. 


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