Die Nachfrage nach Fleisch ist groß. Zu groß für Klima und Umwelt? (Foto: Pixabay)

Ohne Preis kein Fleisch

So können Fleischliebhaber aufs Klima achten

31.01.2020

Mehr als ein Kilo Fleisch isst der Durchschnittsdeutsche jede Woche. Ein Luxus, der unter anderem den Klimawandel erheblich anheizt. Was tun also, wenn die Lust auf Fleisch so groß ist?

Von Dominik Baur

Tierhaltung und Ackerbau verursachen unweigerlich Umweltschäden, die aber nicht in den Marktpreis der Lebensmittel einfließen. Die entsprechenden Produkte werden also zu billig verkauft. Von einem "Marktversagen" sprechen Ökonomen. Eine Studie der Universität Augsburg sollte nun zeigen, um wie viel der Preis der Lebensmittel höher sein müsste, wenn die Erzeuger für den verursachten Schaden aufkommen müssten. Auch wenn die tatsächlich errechneten Beträge nur als Mindestangaben gesehen werden können, ist ein Fazit der Studie eindeutig: Die sogenannten externalisierten Kosten sind bei tierischen Produkten deutlich höher als bei pflanzlichen, am höchsten sind sie bei Fleischprodukten. Darf also, wer Umweltfolgeschäden vermeiden will, kein Fleisch mehr essen?


Weniger Fleisch für ein besseres Klima

Etwas weniger Fleisch wäre zumindest schon mal keine schlechte Idee. Rund 60 Kilo Fleisch isst der Deutsche im Durchschnitt jährlich, also mehr als ein Kilo pro Woche. Den größten Anteil macht Schweinefleisch aus (knapp 35 Kilo) Geflügel und Rind schlagen mit rund 13 und zehn Kilo zu Buche. Wenn die Deutschen ihren Fleisch- und Milchkonsum um lediglich ein Viertel reduzieren würden, ergab etwa eine Studie des Öko-Instituts im vergangenen Jahr, würde das zu einer jährlichen Einsparung von mehr als sieben Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen führen.


Tobias Gaugler (Foto: privat)

 

Auch Tobias Gaugler, einer der Autoren der Augsburger Studie, plädiert dafür, weniger Fleisch zu essen. Vielleicht, so schlägt er vor, könnte ja das als Richtschnur dienen, was die Deutsche Gesellschaft für Ernährung als das Maximum des Gesundheitsförderlichen erachtet: ein um die Hälfte reduzierter Fleischkonsum. Von einer pauschalen Fleischsteuer, wie sie zuletzt mehrfach gefordert wurde, hält Gaugler allerdings recht wenig. Die könnte zwar die Nachfrage nach Fleisch reduzieren, aber auch Verbraucher auf billigeres Fleisch umsteigen lassen.

 

Fleischkonsum ja, aber richtig?

Eine generelle CO2-Steuer hält er für wirksamer, da sie zumindest einen Teil der externen Kosten einpreise und indirekt ebenfalls zu einem höheren Fleischpreis führe. Um zusätzliche soziale Benachteiligungen zu vermeiden, könnte man beispielsweise das eingenommene Geld in Gänze wieder an die Bürger auszahlen - allerdings in gleichen Teilen. So gäbe es einerseits zwar durch die Steuer einen Anreiz, den eigenen Fleischkonsum zu senken, andererseits würde aber verhindert, dass künftig nur noch Fleisch essen kann, wer es sich leisten kann.
Noch billiger, so Gaugler, wäre es aber, nicht zu schauen, wie man das Kind aus dem Brunnen kriegt, sondern es gar nicht erst hineinfallen zu lassen. Und dass es möglich ist, die Schäden bei der Fleischproduktion zu minimieren, zeigt der Ökolandbau. Je höher dort die Standards, desto niedriger die Umweltfolgekosten. Dieser Meinung ist auch der Landwirt Karl Schweisfurth. Auch er plädiert für einen geringeren Fleischkonsum, würde aber deshalb nicht ganz auf Tierhaltung verzichten wollen. Denn: "60 Prozent unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche weltweit sind Grasland. Das produziert Sauerstoff und verbraucht CO2. Bei guter Weidewirtschaft lagert es sogar noch CO2 im Boden ein."


Tiere als Resteverwerter

Und da der Mensch Gras nicht essen und auf Grasland keinen Ackerbau betreiben könne, wäre es geradezu Verschwendung es nicht für die Fleischproduktion zu verwenden, indem man dort Kühe und Schafe hält, die dem Menschen nichts wegfressen. "Wenn wir uns jetzt nur noch vegan ernähren, müssten wir alles von den übrigen 40 Prozent runterholen." Schweisfurths Argumentation funktioniert natürlich nur, solange die Tiere größtenteils auf der Weide gehalten werden und nicht mit Mais, Getreide und Soja gefüttert würden. Auch Schweine und Hühner sollten seiner Meinung nach vor allem als Resteverwerter und damit auch in wesentlich geringerer Zahl gehalten werden. Sein schlichtes Fazit daher: "Es kommt darauf an, wie wir es machen."


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