Wissenschaftler forschen daran, Fleisch im Labor zu züchten (Foto: imago)

Fleisch aus dem Labor braucht kein Mensch!

Wieso In-vitro-Fleisch keine Alternative ist

24.11.2016

Wir Deutschen lieben Fleisch - 60 Kilo im Jahr verzehrt jeder im Schnitt. Und global wird eine starke Zunahme prognostiziert, mit fatalen Folgen für Umwelt und Klima. Start-ups präsentieren deshalb In-vitro-Fleisch als ökologische, gesunde und ethische Alternative. Doch der Klon-Burger wird die Welt nicht retten.

Von Gerald Wehde

Derzeit herrscht eine Art Kulturkampf um die richtige Ernährung im Allgemeinen und um den Fleischkonsum im Speziellen. Ich bin davon überzeugt, dass die Bevölkerung Kunst-Fleisch nicht akzeptieren wird. 80 Prozent der Deutschen lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel und 70 Prozent das Klonen von Nutztieren ab. Weshalb sollten sie dann genetisch identisches Fleisch, also geklonte Burger kaufen? Und Verbraucher, die jegliche Nutztierhaltung für ethisch inakzeptabel halten, brauchen erst recht kein Kunstfleisch. Die leben besser vegan.
Und was ist mit anderen tierischen Produkten? Schließlich brauchen wir auch für die Milcherzeugung Kühe - und diese werden nach der Milchproduktion zu Rindfleisch verwertet. Das ist  eine durchaus sinnvolle Koppelproduktion.

Befürworter von In-vitro-Fleisch argumentieren nicht nur mit Tierwohl. Sie wollen mit der neuen Technologie die Welternährung sichern. Aber zwei Drittel der globalen Agrarfläche sind Grünland. Rinder, Schafe und Ziegen nutzen diese Weideflächen und produzieren wertvolle Milch und Fleisch. Und dies ohne Nahrungskonkurrenz zum Menschen, der Grünland nicht verdauen kann. Warum sollten wir diese sinnvolle Verwertung durch In-vitro-Fleisch in Frage stellen und diese Flächen nicht mehr für die Lebensmittelproduktion nutzen? Die meisten eigenen sich nicht für den Ackerbau. Außerdem setzt jeder Umwandlung von Grünland in Ackerland viel klimaschädliches CO2 frei.


Übermäßigen Fleischkonsum einschränken

Sowieso werden wir die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung nicht mit Fleisch allein sichern können. Und schon gar nicht mit mehr Fleischkonsum. So wie es regional unterschiedliche Esskulturen und Ausgangsbedingungen für die Landwirtschaft gibt, wird es auch unterschiedliche Wege der Eiweißversorgung geben. Je nach Weltregion und Kultur werden die einen mehr eiweißreiche Leguminosen essen, während man woanders mehr Insekten verzehren wird. Und in der westlichen Welt müssen wir den übermäßigen Fleischkonsum einschränken und uns überwiegend mit pflanzlichen Lebensmitteln versorgen – der Sonntagsbraten lässt grüßen.

Das ist schon aus gesundheitlichen Gründen dringend nötig: In westlichen Kulturen aber auch in Schwellenländern nehmen die Probleme durch Fehlernährung durch zu viel Fleisch zu, zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen und Darmkrebs. Die Folgekosten ernährungsbedingter Krankheiten werden allein in Deutschland auf 140 Milliarden Euro geschätzt. Die Menschheit muss also deutlich weniger Fleisch essen, nicht nur in Amerika und Europa, sondern auch in China. In-vitro-Fleisch würde dagegen einen noch höheren Fleischverzehr ankurbeln, wenn es als Billigfleisch noch günstiger angeboten werden könnte als echtes Fleisch. Unsere Krankenkassenbeiträge würden steigen.


Artgerechte Haltung fördern

Die Zukunft kann deshalb nur eine ethisch vertretbare Nutztierhaltung sein - und zwar global. Wir müssen unsere Tiere artgerecht halten und weg von der Überzüchtung auf Höchstleistung. Eine Kuh könnte zwölf Jahre leben - statt der heute vier bis fünf Jahre - und in dieser Zeit Milch geben. Am Lebensende wird sie geschlachtet und zu leckeren Burgern verwertet. Das wäre nicht nur ethisch das Richtige, sondern auch ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Das würde auch die Akzeptanz für Tierhaltung wieder erhöhen.


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