Jeder Bürger zahlt in den großen EU-Agrartopf ein - jetzt soll es mehr Geld für Öko geben (Foto: Imago)

Farm-to-Fork - die neue Strategie für mehr Öko in der EU

Worum es geht und warum das jeden was angeht

25.05.2020

Die EU-Kommision hat zwei wichtige Strategien in den Green Deal aufgenommen, die die europäische Agrarpolitik revolutionieren könnten. Der Ökolandbau soll in den EU-Mitgliedsstaaten bis 2030 auf 25 Prozent ausgeweitet und der Pestizid- und Antibiotikaeinsatz halbiert werden. Das steckt hinter Farm-to-Fork.

Von Susanne Rihm

Was ist der New Green Deal?

Beim Green Deal handelt es sich um ein von der EU-Kommission erstelltes Konzept. Hauptziel ist, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen. Gelingen soll dies mit einer Reihe von Maßnahmen in Bezug auf Finanzierung, Energieversorgung, Verkehr, Handel, Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft. Für die Landwirtschaft besonders im Fokus: Klimagase aus der Viehhaltung. Deshalb wurden für den Bereich der Landwirtschaft zwei Strategien erarbeitet, die auf das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 einzahlen sollen: die Farm-to-Fork-Strategie und die Biodiversitätsstrategie.

Was ist die Farm-to-Fork Strategie?

Die Farm-to-Fork-Strategie (F2F) ist das Herzstück des New Green Deal. Zusammen mit der Biodiversitätsstrategie stellt sie ein Maßnahmenpaket dar, das die Wechselwirkung zwischen gesunden Menschen, gesunden Gesellschaften und einem gesunden Planeten anerkennt. Mithilfe der Strategie sollen die Klimakrise eingedämmt, das Artensterben umgekehrt und die Ernährungsversorgung gewährleistet werden.
Mit den Maßnahmen der F2F-Strategie sollen die Ernährung und alle Stationen, "vom Acker bis auf die Gabel" der Verbraucher*innen nachhaltig gestaltet werden, sodass unsere Lebensgrundlagen wie Wasser, Böden und die Luft zum Atmen erhalten bleiben und Tierschutz gewährleistet ist.
Um wirksam zu werden, müssen die Maßnahmen in Gesetzesvorlagen gegossen werden. Das ist nun Aufgabe des EU-Parlaments und der EU-Mitgliedsstaaten. Ergänzend setzt die EU-Kommission auf eine Biodiversitäts-Strategie, die sich besonders dem Erhalt der Artenvielfalt und der Ökosysteme widmet.

Welche Maßnahmen wurden in der Farm-to-Fork-Strategie beschlossen?

Die Strategie beinhaltet gemeinsam mit der Biodiversitäts-Strategie viele Maßnahmen. Eine sehr konkrete und bedeutende Maßnahme besteht darin, den Ökolandbau in allen EU-Mitgliedsstaaten auf 25 Prozent auszuweiten. Ein ambitioniertes Ziel, das auch Deutschland zum Nachbessern des Klimaziels von 20 Prozent bis 2030 bewegen wird.


Eine vielfältige Landschaft mit Blühflächen und Hecken fördert die Biodiversität (Foto: Sonja Herpich/Bioland)

 

Ein weiterer wichtiger Punkt plädiert für eine Reduzierung des Pestizid- und Antibiotikaeinsatzes um 50 Prozent bis 2030. Außerdem sollen mindestens 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen mit Elementen ausgestattet sein, die Artenvielfalt fördern, darunter Blühstreifen, Hecken, Teiche oder Trockenmauern.  
Darüber hinaus sollen Konzepte gegen Lebensmittelverschwendung eingeführt werden, der Anteil von Bio-Essen in öffentlichen Kantinen erhöht und Verpackungen nachhaltiger gestaltet werden. Auch ein Nährwertkennzeichen soll europaweit eingeführt werden, sodass die Verbraucher*innen in allen EU-Mitgliedsstaaten auf einen Blick erkennen, wie nährreich das Lebensmittel ist.

 

Welchen Einfluss hat die Farm-to-Fork-Strategie auf mich als Verbraucher*in?

Zunächst werden Verbraucher*innen noch nichts von den Maßnahmen spüren, da es sich bei der Strategie erst mal nur um einen Empfehlungsrahmen handelt. Wenn die Strategie greift, werden im nächsten Schritt die EU-Mitgliedstaaten die Inhalte in Gesetzesvorlagen einarbeiten. Eine der wichtigsten, da größten Gesetzesvorlagen ist die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP), die bis Herbst neu ausgestaltet werden soll. Die F2F-Strategie soll hier als Grundlage dienen und beschreiben, wozu das Steuergeld der Verbraucher*innen idealerweise eingesetzt wird. Denn rund 120 Euro jedes steuerzahlenden EU-Bürgers wandern pro Jahr in den Topf der GAP.
Langfristig, also bis 2030, werden Verbraucher*innen merken, dass sich das Bio-Angebot weiter ausweiten wird. Der Bio-Anteil wird in den nächsten zehn Jahren auch in Restaurants, Kantinen und anderen Großküchen ansteigen. Auch werden sich die Maßnahmen in der Umwelt widerspiegeln, was man bei genauem Hinschauen selbst beobachten kann.


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