Süß und aromatisch - aber auch ein bisschen zimperlich. Erbeeren anzubauen ist nicht so einfach. (Fotos: Sonja Herpich/Bioland)

Erdbeeren: Die Prinzessinnen unter den Früchten

Bioland-Bauer gibt Tipps zu Anbau, Lagerung und Co.

11.05.2020

Erdbeeren läuten mit ihrem süßen Aroma endlich den Frühsommer ein. Doch kaum einer weiß, wie viel Arbeit in einer Schale der roten Früchtchen steckt. "Das sind richtige kleine Prinzessinnen", sagt Bioland-Bauer Swen Seemann, dessen Familie seit Jahrzehnten Erdbeeren anbaut. Warum, erzählt er im Interview.

Von Marta Fröhlich

Herr Seemann, Ihre Familie baut seit 1965 in Eberdingen Erdbeeren an. Was macht die Früchte so anspruchsvoll?
Swen Seemann: Da gibt es mehrere Besonderheiten. Die Erdbeere ist das erste Obst im Jahresverlauf und daher auch sehr frostempfindlich. Auch sind die Früchte nicht lagerfähig und müssen innerhalb von ein paar Tagen verzehrt werden. Außerdem brauchen Erdbeeren viel Humus und Wasser.


 

Die Leidenschaft für Erdbeeren teilt Swen Seemann auch mit seiner Frau Simone und den beiden Töchtern.

 

 

Beim Erbeeranbau und der Ernte ist echte Handarbeit gefragt.

 

 

Einmal gepflückt, müssen die Erdbeeren schnell verzehrt oder verarbeitet werden.

 

Seit 2004 bauen Sie Erdbeeren nach den strengen Bioland-Richtlinien an. Was müssen Sie dabei besonders beachten?
Seemann: Zum einen eignen sich nicht alle Sorten für den biologischen Anbau. Die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten spielt eine große Rolle. Man muss auch deutlich mehr Handarbeit leisten, um das Unkraut zu beseitigen. Erdbeeren sind im Beet immer das schwächste Glied, sie können sich allein nicht gegen Beikräuter durchsetzen. Wenn man da nicht aufpasst, "dankt" die Pflanze es einem mit kleinen oder gar keinen Früchten. Des Weiteren hat sich mit der Zeit gezeigt, dass Erdbeeren besonders eigenwillig sind. Man kann sie zum Beispiel nicht zwei Jahre hintereinander an ein und derselben Stelle pflanzen, sondern muss sie mit anderen Kulturen abwechseln, das nennt man Fruchtfolge.

Woran liegt das?
Seemann: Das ist nicht so einfach zu beantworten. Es könnte daran liegen, dass sie sich mit ihren Rhizomen, also unterirdischen Sprossen, die im Boden zurückbleiben, selbst in die Quere kommen. Viel hängt aber auch von der Art des Bodens ab. Eigentlich brauchen Erdbeerpflanzen leichte, sandige Böden, um richtig viel zu tragen. Wir haben hingegen schweren lehmigen Boden. Der bringt zwar weniger Ertrag, dafür aber deutlich aromatischere Früchte.


Diese Sorten empfiehlt der Profi


Für Hobbygärtner eignen sich eher pflegeleichte, zuverlässig tragende Selbstpflückersorten wie Korona, Sonata oder Clery.
Schon was für Profis wie Familie Seemann ist die Sorte Malvina - sie kommt erst dann, wenn alle anderen Sorten schon abgeerntet sind, ist aber extrem anspruchsvoll im Anbau.


Könnten Sie uns eine Herausforderung nennen, vor die Sie speziell der Bioanbau stellt?
Seemann: Ein luftiger Bestand ist im Bioanbau sehr wichtig, damit die Erdbeeren nicht schimmeln. Wir können und wollen keine synthetischen Pflanzenschutzmittel einsetzen. Daneben gibt's aber natürlich noch viele weitere Herausforderungen.

Wenn Sie keine Pestizide einsetzen dürfen - wie gehen Sie mit Schädlingen um?
Seemann: Wir setzen Nützlinge ein, die uns helfen, Schädlinge zu dezimieren. Doch bei gewissen Schädlingen wie zum Beispiel dem Blütenstecher, der hauptsächlich unsere späten Sorten befällt, haben wir keine Chance. Dort bleibt nur eine gute Vorbeugung, und das geht am besten in der Wahl des Standorts. Der Blütenstecher bewohnt am liebsten Hecken. Wenn man das Erdbeerfeld davon fernhält, ist das schon ein Teil der Lösung.

Hobbygärtner kämpfen ja häufig mit Schnecken, die die Erdbeerbeete verwüsten. Was kann man in seinem eigenen Garten tun?
Seemann: Das liegt häufig an zu großer Nähe zu Gras und Wiesen. Wer genügend Abstand hält, reduziert das Risiko, dass sich Schnecken über die Erdbeeren hermachen. Außerdem kann man gerne Knoblauch zwischen die Erdbeeren stecken. Das hält so manch andere Schädlinge ab.


 

Wenn der Boden mit Stroh bedeckt ist, bleibt er länger feucht. Die empfindlichen Früchte sind derweil im Trockenen.

 

 

Aus ihren Früchten stellt die Familie Seemann auch selbst Fruchtaufstriche her.

 

Haben Sie weitere gute Tipps für den Hobbygärtner und seine Erdbeeren zu Hause?
Seemann: Erdbeeren mögen einen luftigen, fruchtbaren Boden. Außerdem ist es wichtig, dass die Erdbeere nach dem Pflanzen und zur Ernte gut mit Wasser versorgt wird. Täglich wässern, am besten morgens und abends, bei heißen Tagen auch mittags ist dann das A und O, aber keine Staunässe und nicht über die Blüte gießen. Das könnte zu Schimmel führen.

Und wann ist die Erdbeere richtig reif?
Seemann: Die Ernte im Hausgarten beginnt in der Regel Ende Mai. Man sollte Erdbeeren ernten, wenn sie ganz rot sind. Dann schmecken sie am besten.

Wie sollte ich die empfindlichen Früchte zu Hause lagern?
Seemann: Erdbeeren halten sich nur wenige Tage, deshalb ist es ratsam, sie so schnell wie möglich zu verarbeiten. Bis dahin lagern sie am besten mit den Kelchblättern im Kühlschrank. Erst  direkt vor dem Verzehr werden sie gewaschen und die Kelchblätter entfernt. Für den vollen Geschmack sollte man die Früchte eine kurze Zeit in der Wohnung liegen lassen, damit sie bei steigender Temperatur wieder an Aroma gewinnen.


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