Jonathan Kern (links) ist Bioland Ackerbauberater in Baden-Württemberg (Foto: Sonja Herpich)

Die Intuition macht den Unterschied

Ein Plädoyer für Technik und Verstand

05.11.2019

Landwirtschaft 4.0 oder Ackerbau 1.0? Bioland-Ackerbauberater Jonathan Kern sieht neben dem Potenzial und Reiz der Digitalisierung auch die Problempunkte. Wie so oft ist eine gesunde Mischung eine gute Entscheidung. Ein Kommentar.

Von Jonathan Kern

Die Begriffe Digitale Landwirtschaft und Smart Farming machen auch vor dem Ökolandbau nicht halt. Viele Bio-Landwirt*innen sind technikaffin und an neuen Entwicklungen durchaus interessiert, die Arbeiten erleichtern oder beschleunigen sollen.

Beim Blick auf technische Neuerungen im Ackerbau in den vergangenen Jahren sind immer mehr Ansätze zu sehen, die Maschineneinstellungen vereinfachen oder Arbeitsgeräte gar automatisch an die Gegebenheiten auf dem Feld anpassen. Zum Beispiel die Kreiselegge, die die Saatbettqualität erkennt und dementsprechend nachregelt, Striegel, die sich automatisch einstellen oder die Spurführung bei Pflegearbeiten sind keine Zukunftsmusik mehr.

Ein weiterer wichtiger Einsatzbereich der Digitalisierung ist die Dokumentation. Ertragskartierung, Kartierung verschiedener Bodenparameter, Elektronische Ackerschlagkarteien – das sind Innovationen, die dem Landwirt beim Management unter die Arme greifen. Ganz zu schweigen von automatischer Aufzeichnung und Bilanzierung, um die Anforderungen der neuen Düngeverordnung zu erfüllen. Die händische Dokumentation kostet die Landwirt*innen viel Zeit, die sie sowieso nicht haben.

Doch abgesehen vom Potenzial und Reiz der Digitalisierung im Ökolandbau darf man die Problempunkte nicht vergessen. Die Kosten für die Techniken sind das eine. Ein anderes Problem ist die Datensicherheit, gerade bei der digitalen Erfassung von Betriebsdaten. Hier muss man sich Gedanken machen, was mit den Daten geschieht, wer darauf zugreifen könnte und wem diese im Zweifelsfall überhaupt gehören.
Ein ebenso gewichtiger Punkt ist die Gefahr, vor lauter Sensorik und, weil einem Entscheidungen abgenommen werden, das eigene Gespür einzubüßen. Gut erkennen kann man das heute bereits am Wetter: Die meisten Landwirt*innen schauen eher in die Wetter-App als zum Himmel. Viele Wetterregeln sind kaum mehr bekannt. Aber wie oft hat auch die beste Wetter-App in den vergangenen Jahren eine falsche Vorhersage gemacht?

Die eigene ackerbauliche Intuition, wann welche Tätigkeit in welcher Weise auf dem Acker ausgeführt werden soll, macht häufig den gewissen Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg im Ökolandbau aus. Selbst nahe am Boden zu bleiben und bestimmte Entscheidungen zu treffen, kann das smarteste Farming nicht ersetzen. Dazu habe ich mal eine treffende Aussage gehört: Wir brauchen weniger Landwirtschaft 4.0, sondern wieder mehr Ackerbau 1.0.


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