Ein mühsames Handwerk: Beerensträucher müssen sorgfältig hochgebunden werden, damit sie gut tragen (Fotos: Lukas Börsen/Bio Renner)

Der Beeren-Bändiger

Mit reiner Handarbeit zur perfekten Frucht

13.07.2020

Ob rot, pink oder schwarz - Dieter Renner liebt alle seine Beeren. Auf dem Bioland-Hof Renner in der Pfalz baut der Landwirt neben Spargel auch die süßen Sommerfrüchte an und weiß sie zu zähmen. Im Interview verrät er, wie er den perfekten Geschmack aus den Früchtchen kitzelt und warum die unterschätzte Aroniabeere DER Geheimtipp für den heimischen Garten ist.

Von Marta Fröhlich

Herr Renner, eigentlich kennt man Sie in der Region als "Spargel-Renner". Wie sind Sie denn zu Beeren gekommen?
Dieter Renner: Wir sind tatsächlich eigentlich ein klassischer Spargelbetrieb. 2012 war jedoch die Kundennachfrage nach Erdbeeren so groß, dass wir auf etwa 800 Quadratmetern damit angefangen haben und uns mittlerweile auf 5000 ausgedehnt haben. Wie unser Spargel sitzen die Erdbeeren auch auf Erddämmen und dazu unter Wandertunneln. Diese Anbauform hat sich besonders im Bioanbau bewährt.

Wieso?
Renner:
Unter den Wandertunneln, die wir beliebig versetzen können, sind die empfindlichen Beeren vor Spätfrost, Starkregen, heftigem Wind und zu intensiver Sonneneinstrahlung geschützt. Außerdem können wir so auf Pflanzenschutzmittel verzichten und trotzdem tolle Früchte ernten.

Die Erdbeere hat jedoch nur kurz Saison. Dafür machen die Wandertunnel aber ganz schön viel Arbeit.
Renner:
Das stimmt. Man muss sie immer auf- und abbauen, und im Grunde würden sie ab Juni, wenn die Erdbeeren abgeerntet sind, leer rumliegen. So kam uns die Idee, Himbeeren anzubauen. Denn auch sie brauchen vor allem aufgrund ihrer empfindlichen Früchte, die schnell Sonnenbrand bekommen, den Schutz des Tunnels.


Foto: Biohof Renner

Der Betrieb: Biohof Renner

Dieter Renner, 53, hat mit seiner Frau Gabi 2001 den Betrieb von seinem Vater übernommen und will seitdem "naturverträgliche Landwirtschaft demonstrieren, Lebensgrundlagen erhalten, unseren Beitrag für die gesunde, regionale Lebensmittelversorgung leisten".

Auf dem Betrieb in Böbingen in der Pfalz baut Renner Spargel und Beeren nach Bioland-Richtlinien für den Hofverkauf und den Handel an. Mit auf dem Hof arbeiten Lukas und Anne, die eines Tages den Hof von Renners übernehmen und die ökologische Landwirtschaft weitertragen wollen.

Wer den Renners, Lukas und Anne bei der Arbeit über die Schulter schauen will, folgt ihnen am besten auf ihrem Instagram-Account "Das Grüne vom Ei".

 


Hobbygärtner wissen, dass Himbeeren nicht nur anfällig für Sonnenbrand, sondern auch für Schädlinge sind. Stimmt's?
Renner:
Richtig, besonders die Kirschessigfliege setzt ihr zu. Da hilft aber auch der Tunnel sehr gut. Schattierung und Insektenschutz- Netze sind immer aufgelegt und schützen die Früchte. Ansonsten siedeln sich gern Spinnmilben und Blattläuse an. Dagegen setzen wir natürliche Helfer ein. Aktuell sind zum Beispiel Marienkäfer in unseren Sträuchern unterwegs, die die Blattläuse abfressen. Aber auch Raubmilben und Gallmücken sind hilfreiche Nützlinge, die wir bei Bedarf in die Pflanzen aussetzen.

Das klingt, als seien Himbeeren recht anspruchsvoll.
Renner:
Auf jeden Fall. Himbeeren muss man auch immer hinterherlaufen. Wir setzen Jungpflanzen, also wirklich noch kleiner als handgroß, in die Erde, und dann beginnt die Fleißarbeit. Die Himbeerpflanzen müssen gerade im ersten Jahr stetig hochgebunden und gut bewässert werden, wir machen das per Tröpfchenbewässerung. Trockenheit mögen sie nämlich gar nicht, Staunässe aber auch nicht. Erst im zweiten Jahr tragen die Sommerhimbeeren endlich Früchte. Wenn man entsprechende Sorten dann jedoch mit der richtigen Technik schneidet, tragen sie sogar zweimal im Jahr. Wir nennen das dann Sommer- und Herbsthimbeeren.

Und wie funktioniert das?
Renner:
Die "Herbsthimbeere" treibt bereits im Frühjahr einen frischen grünen Trieb am Boden aus, der bis zu zwei Meter hoch wird, deshalb muss man ihn stets hochbinden. Von oben her bildet sich im oberen Drittel der sogenannte Fruchtstand mit Himbeeren, die im Herbst abgeerntet werden. Danach wird dieses Drittel abgeschnitten, die Rute selbst bleibt stehen. Denn aus dieser Vorjahresrute treiben im nächsten Jahr frische Seitentriebe, die im Sommer Früchte tragen. Und parallel wachsen aus dem Boden die neuen Jungruten die im Herbst Früchte bringen.

Puh, das klingt nach vielen Handgriffen bis zur Ernte.
Renner:
Das stimmt. Himbeeren baut man nicht so nebenbei an.


Mut zur Lücke: Brombeeren müssen gut ausgedünnt werden, damit die Früchte genug Licht bekommen (Foto: Börsen)

 

Ist die Brombeere denn etwas gefälliger?
Renner:
Tja, auch die Brombeere macht das ganze Jahr Arbeit. Und sie wächst wie Bolle. Das fängt im Frühjahr an und geht bis in den Oktober. Bis Mitte Mai-Juni müssen die Jung-Ruten gut zurückgeschnitten werden, damit sie nicht so verbuschen und die Früchte viel Licht bekommen. Auch nach der Ernte Mitte August geht es wieder an die Rutenpflege. Natürlich kann man einen Brombeerstrauch auch wuchern lassen. Aber wenn der Behang zu groß wird, schmecken die Früchte nicht mehr. Deshalb sollte man die Rutenzahl pro Meter begrenzen, damit die Früchte groß und lecker werden. Es gilt also: Mut zur Lücke! Und man wird mit prallen schwarzen Früchten belohnt. 

 

Wann ist denn der beste Zeitpunkt zum Naschen?
Renner:
Bei Brombeeren kann man sich an den besten Erntezeitpunkt herantasten, denn anders als die Himbeere, die reif ist, wenn sie rot ist, ist ein tiefes Schwarz bei der Brombeere noch lange kein Zeichen für die Vollreife. Grundsätzlich sollte die Fruchthaut rund und prall sein, dann heißt es Probieren. Wenn sie noch nicht süß ist, noch mal einen Tag warten. Wir haben im geschützten Anbau den Vorteil, dass wir uns besser an die Endreife heranpflücken können. Das ist im offenen Garten, wo die Früchte Wind und Wetter ausgesetzt sind, etwas riskanter. Aber es lohnt sich!

Eine andere Beere, die gerade einen Hype erlebt und die auch bei Ihnen auf dem Betrieb zu finden ist, ist die Aroniafrucht. Macht eine vierte Beerensorte nicht noch mehr Arbeit?
Renner:
Nicht wirklich, denn die Aronia ist ziemlich anspruchslos im Anbau. Wir haben sie vor vier Jahren mit ins Programm genommen, weil wir eine Kultur gesucht haben, die wir auch mit der Maschine ernten können. Erd-, Brom- und Himbeeren sind reine Handarbeit. Außerdem kann sie dort wachsen, wo wir den Spargel gerodet haben. Sie ist unproblematisch in der Standortwahl und zieht wenige Schädlinge an. Das macht sie für den Bioanbau perfekt.
 


Eine unterschätzte Beere: Die Aronia vereint alles, was Beeren ausmacht (Foto: Biohof Renner)

 

Ist sie denn auch was für Hobbygärtner? Oder eher nur für Profis?
Renner:
Die Aronia ist ein super Strauch für den heimischen Garten. Bisher wird sie in vielen Baumärkten und Gärtnereien eher als Zierstrauch verkauft, denn sie blüht toll und braucht bis auf regelmäßiges Wässern nicht viel Pflege. Sie wird wirklich unterschätzt, denn ihre Beeren vereinen all das, was die anderen Beeren auszeichnet. Sie enthält viele wichtige Vitamine und Antioxidantien. So etwas wie heimisches Super Food.

Und warum bekommt man sie dann so selten?
Renner:
Selbst eine vollreife Beere ist frisch eher etwas für Liebhaber. Sie hat diese adstringierende Wirkung im Mund. Das heißt, man schmeckt erst eine kräftige Süße, und dann kommt die trockene Säure, die alles im Mund zusammenzieht. Deshalb ist sie besser als Saft denn als Beere geeignet. Und man kann wunderbare Marmelade draus kochen. Wer also eine unkomplizierte, seltene Beerensorte für seinen Garten sucht, ist bei der Aronia genau richtig. Wer nur mal probieren will, bekommt im Handel oder online mittlerweile auch ein großes Angebot an Aronia-Produkten.

 

 

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