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Zart und schützenswert: Die Acker-Witwenblume wächst am liebsten an nicht zu stark gedüngten und gemähten Wiesen und Ackerrändern. Wenn man sie denn lässt (Foto: Sonja Herpich/Bioland)

Bunt ist Trumpf

Wie Bioland-Betriebe die Biodiversität fördern

18.10.2021

Ohne Vielfalt kein Leben. Der Erhalt von möglichst vielen Pflanzen- und  Tierarten ist nicht nur eine Frage der Ethik, sondern gerade in der Landwirtschaft ein überlebenswichtiges Ziel. Deshalb fördern wir die biologische Vielfalt in besonderem Maße - zum Beispiel mit einer verbindlichen Richtlinie. Der fünfte Teil unserer Reihe "die Bioland-Prinzipien".

Von Marta Fröhlich

Biodiversität - was ist das?

Fruchtbare Böden, gedeihende Lebensmittel, Holz und andere Rohstoffe - die Natur erbringt Leistungen, die uns am Leben erhalten. Und das geht nur mit intakten Ökosystemen, die Großes leisten: Sie beeinflussen auch wesentlich das Klima und schützen vor Überschwemmungen und Erosion. Besonders wichtig ist dabei die Biodiversität. Darunter versteht man einerseits die genetische Vielfalt der Arten - zum Beispiel von Pflanzen oder Vögeln -, andererseits die Vielfalt der Ökosysteme, in denen die verschiedenen Pflanzen und Tiere leben, also auch ganze Biotope.


Mit den Zusammenhängen dieser Systeme beschäftigt sich seit 30 Jahren Karin Stein-Bachinger vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). "Wir kennen noch lange nicht alle Abhängigkeiten zwischen Pflanzen und Tieren und wissen nicht, welche Auswirkungen Ungleichgewichte in Ökosystemen vor allem langfristig haben können", sagt sie.
Fakt ist: Die Biodiversität geht stark zurück. Der TEEB-Interimsreport für Landwirtschaft und Ernährung, der unter anderem von der EU-Kommission und den Vereinten Nationen angestoßen wurde, zeigt, dass die weltweite Landwirtschaft für etwa 70 Prozent des Verlustes der Biodiversität verantwortlich ist. "Natürlich dient die landwirtschaftliche Praxis in erster Linie der Produktion von Lebensmitteln. Dabei soll der Erhalt der Artenvielfalt aber einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Die ökologische Landwirtschaft bietet nachweislich eine sehr gute Möglichkeit, das Ökosystem vielfältiger zu gestalten und zu schützen", sagt die Forscherin.

Vielfalt fördern: Was wir tun

Bioland-Betriebe erhalten die Artenvielfalt, indem sie ...

  • Nützlinge für natürliche Schädlingsregulierung einsetzen
  • Unkräuter mechanisch regulieren statt mit chemisch-synthetischen Pestiziden
  • Fruchtfolgen auf dem Acker, Blühstreifen und Hecken am Rand nutzen
  • Grünland bewahren durch Weidehaltung von Nutztieren
  • die Anzahl der Tiere an die Fläche anpassen, um Nährstoffüberschuss zu vermeiden   
  • seltene und alte Tierrassen und Pflanzensorten kultivieren

Ein gutes Beispiel dafür ist das Gut Krauscha im östlichen Sachsen. Der Bioland-Landwirt Joachim Mautschke hat seinen Hof dem Naturschutz gewidmet. Getreide, Eiweißpflanzen, die Stickstoff binden, Kleegras, Buchweizen, Leindotter, Koriander - schon allein auf dem Acker herrscht Kulturvielfalt.

"Es geht immer um die unaufgeräumten Ecken"
Bioland-Bauer Joachim Mautschke

Am Ackerrand stehen die Früchte etwas lichter, Feldränder bleiben stehen, Hecken und Feldgehölze werden gepflanzt und gepflegt. Dazu Blühstreifen und -brachen und vieles mehr. Das Ergebnis: viele seltene und gefährdete Vogelarten, 60 Wildbienenarten, unzählige Ackerwildkräuter, darunter welche, die als verschollen galten.

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Die Biodiversitäts-Richtlinie

Unser Verband bekennt sich ganz offensiv zum Thema Biodiversität, deshalb trat dieses jahr für alle Mitglieder verpflichtend die Biodiversitäts-Richtlinie in Kraft. Bioland ist in Deutschland der erste Anbauverband, der eine  solche Richtlinie eingeführt hat. Damit setzen wir im Ökolandbau - und letztlich auch für den konventionellen Bereich - neue Maßstäbe.

"Wir haben im Ökolandbau unter den Betrieben den starken Wunsch, im Einklang mit der Natur zu wirtschaften."
Naturschutzberaterin Katharina Schertler

Die Biodiversitäts-Richtlinie wird in einem Punktesystem umgesetzt. Bioland-Betriebe müssen 100 Biodiversitäts-Punkte sammeln. Zum Sammeln dieser Punkte gibt es verschiedene Kataloge, zum Beispiel für Acker-, Grünland- oder Obstbauflächen. Die Betriebe können dann selbst auswählen, welche Maßnahmen sie umsetzen, um die Punkte zu erreichen. Wichtig ist außerdem: Es wird immer alles relativ zur Betriebsfläche bewertet. Die Landwirte tragen in eine App ein, welche Maßnahmen sie umgesetzt haben, und bekommen dann entsprechend ihrer Fläche die Punkte dafür. Geprüft wird das Ganze über unsere Kontrollstellen, die ab 2022 jedes Jahr 5 Prozent der Betriebe stichprobenartig kontrollieren.

Mit der Richtlinie wurde auch eine verlässliche Größe geschaffen: Bestehende Betriebe können sichergehen, dass Neumitglieder mitziehen, Bioland-Verarbeiter wissen, welche Naturschutz-Qualität ihre Rohwaren haben, und auch die Kunden schätzen, dass wir Regeln haben, die nicht verhandelbar sind. So können sie sich darauf verlassen, dass ein Produkt gewisse Anforderungen erfüllt.
>>Mer dazu

Vielfalt im Kleinen: Was du tun kannst

Ob im großen heimischen Garten oder dem kleinen Stadtbalkon - auch du kannst die biologische Vielfalt fördern und die Ökosysteme in deiner Umwelt stärken. Hier ein paar Tipps für die grüne Oase bei dir zu Hause:
Lass es blühen: Insekten und Vögel suchen Futter das ganze Jahr über. Wenn du schon beim Anlagen von Beet und Blumenkasten die Blühzeiten beachtest, schaffst du ein buntes Büfett für alle Jahreszeiten.


Im Garten kannst du besonders mit einheimischen Wildpflanzen punkten, die Schmetterling, Biene und Spatz rund ums Jahr nützlichen Lebensraum bieten. Wie das auch im Kleinen auf dem Balkon geht, liest du >>hier.

"Wer wirklich Tiere unterstützen will, der braucht einheimische Pflanzenvielfalt."
Bioland-Gärtner Friedhelm Strickler

Wild und bunt statt ordentlich und sauber: Verzichte auf chemisch-synthetische Spritzmittel und schaffe Lebensräume wie Totholz, Steinhaufen, Trockenmauern, Reisighaufen, Wiesen oder Wildblumensäume. So wird dein Garten auch viel pflegeleichter und du kannst schon bald Igel, Blindschleichen und Wildbienen beim Wuseln beobachten.

Biete Wasserstellen an. Es muss nicht gleich ein Teich sein, auch eine Vogeltränke reicht vollkommen aus. Wenn du einen Stein als Erhöhung reinlegst, können Insekten nicht ertrinken.
Mehr Tipps für einen naturnahen Garten gibt Bioland-Gärtner Friedhelm Strickler >>hier

Dein Einkauf entscheidet: Saisonale und regionale Produkte sparen Transportwege ein und fördern die natürliche Vielfalt. Kaufe gezielt Produkte ein, die Biodiversität erhalten wie Streuobstapfelsaft oder Fleisch von Beweidungsprojekten. Und es gilt: bio statt konventionell. Denn Biobetriebe schonen und fördern per se durch ihre Wirtschaftsweise die biologische Vielfalt. Du willst wissen, was gerade Saison hat? >>Hier geht es zu unserem Saisonkalender.

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