Biotier Schwein
Komfort: Auslauf und Abwechslung
Hausschweine haben, wie Wildschweine, einen großen Bewegungsdrang, sind reinlich und sehr neugierig. Eingestreutes Stroh können die Ferkel als Spielzeug und Muttersauen zum Nestbau und Wühlen nutzen. Liege- und Kotplätze sind in den Ställen getrennt. Spaltenböden dürfen nur im Kotbereich eingesetzt werden. Bioschweinen steht ein großzügiger Auslauf zu, in dem sie Regen, Sonne, Wind und Gerüche wahrnehmen können. Manche Biobauern halten ihre Sauen und Mastschweine ganzjährig auf der Weide (Freilandhaltung) und bieten zum Schutz vor Kälte und Regen sowie für die Zeit des Abferkelns Hütten an. Dort können die Schweine auch ihren Wühltrieb ausleben. Schmerzende Krampen im Rüssel der Tiere oder eingezogene Nasenringe, die ein zu starkes Wühlen verhindern sollen, sind bei Bioland verboten.
Herausforderung: Biofutter und Tiergesundheit
Bioschweine bekommen täglich ballaststoffreiches „Raufutter“ wie Stroh, Heu oder frisches Gras, das für das Sättigungsgefühl sorgt. Zusätzlich erhalten sie Kraftfutter aus Getreideschrot und eiweißreichen Leguminosen wie Erbsen, Bohnen und Lupinen. Säugende Muttersauen und Ferkel benötigen eine spezielle Eiweißzusammensetzung. Nach der EG-Öko-Verordnung darf das Futter bis 2011 geringe Anteile konventioneller Bestandteile enthalten. Bioland lässt als konventionelle Komponente nur Kartoffeleiweiß zu. Bioland-Ziel: ab 2008 nur noch reines Biofutter. Daher müssen entsprechende Futterrationen entwickelt und neue Eiweißquellen erschlossen werden. Zudem machen hohe Ferkelverluste und Gesundheitsprobleme manchen Betrieben zu schaffen. Weit verbreitet ist ein hoher Spulwurmbefall der Schweine, verbunden mit einem hohen Futterbedarf und geringen Körpergewichtszunahmen. Nur mit größter Sorgfalt bei der Hygiene ist hier Abhilfe möglich.
Alte Rassen und neue Kreuzungen: Mehr als eine Modeerscheinung
Früher wurden robuste, vitale und genügsame Schweinerassen mit schmackhaftem Fleisch wegen ihres Fettanteils durch magere, schnell wachsende Rassen ersetzt. Diese Schweine sind häufig kreislaufschwach, nervös und stressanfällig und liefern oft auch fade schmeckendes Fleisch mit geringem intramuskulären Fettanteil. Doch nach wie vor bevorzugen die Verbraucher mageres Schweinefleisch. Daher suchen Biobauern nach einem Kompromiss: Nach Schweinerassen und verschiedenen Kreuzungen, die die Vorzüge alter Rassen wie Geschmacksintensität, Farbstabilität und Wasserhaltevermögen mit einem geringen Fettanteil und besserem Leistungsvermögen verbinden und sich besonders für den Biolandbau eignen.
Unterschiede im Überblick
| Bio-Schweinehaltung | Konventionelle Schweinehaltung* | Darum handelt der Biobauer so |
|---|---|---|
| Auslauf: Vorgeschrieben | Auslauf: Ausschließliche Stallhaltung üblich. | Die Schweine werden robuster, bekommen ein stärkeres Immunsystem und können ihr arteigenes Verhalten und ihre Neugierde besser ausleben. |
| Stallboden: Stroheinstreu, Vollspaltenböden nicht erlaubt (mind. 50 % der Fläche ohne Spalten). | Stallboden: Vollspalten erlaubt (im Liegebereich bis höchstens 10 %). | Vollspaltenböden sind strohlos, bergen eine erhöhte Verletzungsgefahr, sind extrem reizarm und verhindern jegliches Wühlen. |
| Stallfläche: Pro Mastschwein 1,1 bis 1,3 m² (gewichtsabhängig) vor-geschrieben, zusätzlich 0,8 bzw. 1 m² Auslauffläche. | Stallfläche: Pro Mastschwein 0,65 bis 1 m² (gewichtsabhängig) vorgeschrieben. | Ausreichender Platz ermöglicht natürliches Sozialverhalten. Getrennte Liege- und Aktivitätsbereiche bieten Rückzugsmöglichkeiten. Die schwächeren Tiere können den stärkeren ausweichen. |
| Stallfläche: Für säugende Sauen mit Ferkeln sind 7,5 m² je Sau und zusätzlich 2,5 m² Auslauffläche vorgeschrieben. | Stallfläche:Für Sauen im Abferkelbereich sind 4 m² vorgeschrieben. | |
| Anbindung der Sauen und Schwanzkupieren sind unzulässig. Abkneifen oder Abschleifen der Zähne bei Ferkeln nur im Notfall. | Anbindung der Sauen z.T. erlaubt. Ebenfalls zulässig ist das Abschleifen der Zähne und Kupieren des hinteren Schwanzteils. |
Es soll eine Mutter-Kind-Beziehung ermöglicht werden. Amputationen werden generell abgelehnt und sind nur im Notfall zulässig, z.B. wenn die Ferkel aggressiv sind und das Gesäuge verbeißen. |
| Raufutter: Für Mast- und Zuchtschweine vorgeschrieben. | Raufutter: Für Mast- und Zuchtschweine nicht vorgeschrieben. | Raufutter sättigt die Tiere, erfüllt deren Erkundungsdrang und führt zu einem langsameren Wachstum. |
| Gruppenhaltung: Für Sauen vorgeschrieben. | Gruppenhaltung: Einzelhaltung aggressiver Sauen möglich, wenn sie täglich freie Bewegung haben. | Schweine sind Gruppentiere, die den Kontakt zu Artgenossen benötigen. |
| Ferkel bekommen mindestens 40 Tage natürliche Milch von der Muttersau. | Ferkel dürfen bereits nach 21 Tagen von der Sau getrennt werden. | Milch ist das natürlichste Futtermittel und erfüllt den Nährstoffbedarf der Ferkel am Besten. |
( *Beispiel Schweinehaltungsverordnung Schleswig-Holstein)
Extrainfo
Biobauern mischen dem Futter keine Antibiotika und Hormone zur Krankheitsvorsorge oder Wachstumsförderung bei. Kranke Tiere behandeln sie mit pflanzlichen Heilmitteln und Homöopathie. Nur einem schwer erkrankten Tier lassen sie durch ihren Tierarzt auch herkömmliche Medikamente verabreichen, damit es nicht unnötig leidet. Zur Arbeitserleichterung ist es notwendig, die Sauen im selben Zeitraum vom Eber decken bzw. besamen zu lassen. Dadurch bekommen die Sauen nach knapp vier Monaten gleichzeitig ihre Ferkel. Die hierzu notwendige Brunstsynchronisation wird nicht wie sonst üblich mit Hormonen, sondern durch zeitgleiches Absetzen der Ferkel von der Mutter und Gruppenhaltung der Sauen erzielt. Mindestens 40 Tage lang säugen Bioland-Sauen ihre Ferkel. Erst nach sechs bis acht Wochen kommen die Kleinen kommen in eigene Aufzuchtställe.
Bitte wenden Sie sich an unsere Pressestelle, wenn Sie Adressen von Bioland-Schweinehaltern und Fotos benötigen: presse @ bioland.de







