Prinzipien der Bio-Tierhaltung
Wo steht der Biobauer?
Leitbild: Artgerechtes Verhalten der Tiere
Leitbild des Biolandbaus ist eine artgemäße Tierhaltung. Die Bedürfnisse der Tiere werden insbesondere beim Stallbau, bei der Auslaufgestaltung und der Fütterung berücksichtigt.
Mistmanagement: Flächengebundene Tierhaltung
Die EG-Öko-Verordnung und darüber hinaus die Richtlinien der Bioanbauverbände begrenzen den Tierbestand in Bezug auf die landwirtschaftliche Fläche eines Betriebes. Werden nämlich zu viele Tiere gehalten, kann der Boden den entstehenden organischen Dünger nicht mehr aufnehmen. Bestandteile des Düngers können ins Grundwasser oder in die Atmosphäre gelangen. Die EG-Verordnung und die Richtlinien sorgen für eine ausgewogene Nährstoffversorgung von Boden und Pflanzen, ohne die Umwelt zu belasten, sowie für transparente Betriebsstrukturen.
Tiergesundheit: Vorbeugen statt behandeln
Tiergesundheit lässt sich nicht allein durch Richtlinien und Verordnungen gewährleisten. Daher legt Bioland großen Wert auf ein umfassendes Tiergesundheitsmanagement. Wesentlicher Bestandteil ist ein Handbuch, das den Betriebsleitern und den Kontrolleuren hilft, potenzielle Schwachstellen in der Tierhaltung systematisch zu erkennen und abzustellen. Biobetriebe verabreichen mit Ausnahme von Impfungen keine Medikamente vorbeugend. Stattdessen stärken sie das Immunsystem ihrer Tiere durch Hygienemaßnahmen, artgerechte Haltung und Fütterung und fordern von ihren Tieren keine Höchstleistungen. Im Krankheitsfall oder bei starkem Parasitenbefall müssen jedoch auch Biobauern ihre Tiere behandeln. Einige gesundheitlich umstrittene und umweltschädliche Medikamente sind bei Bioland verboten oder in ihrer Anwendung eingeschränkt. Biobetriebe greifen bei gesicherter Wirksamkeit auch auf homöopathische Mittel und naturheilkundliche Methoden zurück, um Resistenzbildungen, Nebenwirkungen und Arzneimittelrückstände zu vermeiden. Nach Behandlungen mit herkömmlichen Medikamenten verdoppeln Biobetriebe die reguläre Wartezeit bis zur Vermarktung der tierischen Produkte. Das reduziert das Risiko von Arzneimittelrückständen.
Vertrauen ist gut: Kontrolle ist besser
Biobetriebe werden jährlich von staatlich zugelassenen Kontrollstellen auf die Einhaltung der EG-Öko-Verordnung hin kontrolliert. Mitgliedsbetriebe von Bioanbauverbänden werden zusätzlich auf die Einhaltung ihrer Verbandsrichtlinien überprüft. Die Kontrolle umfasst Stallanlagen, Acker- und Weideflächen, Fütterung, Behandlungen, Tierzukauf und die gesamte Buchhaltung mit allen Betriebsvorgängen. Dies gibt dem Kunden eine besondere Sicherheit.
Herausforderungen der Biobauern
Zukunft: Bio-Rassen
Für die Entwicklung von Tierrassen bzw. Zuchtlinien ist jahrelange Züchtungsarbeit erforderlich. Viele der heutigen Zuchtlinien wurden fast ausschließlich auf Höchstleistung und auf die Bedingungen der konventionellen Landwirtschaft ausgerichtet. Daher entsprechen diese oft nicht den speziellen Anforderungen der ökologischen Tierhaltung.
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Die heute auf hohe Magerfleischanteile gezüchteten Schweine sind stressanfällig und für eine Auslaufhaltung im Biolandbau wenig geeignet.
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Die Geflügelzucht liegt weltweit in den Händen weniger marktbeherrschender Unternehmen, die fast nur Hybridrassen anbieten. Mit Hybridtieren können Geflügelhalter keine eigene Nachzucht aufbauen. Für die Legehennenhaltung und die Hühnermast gibt es jeweils spezielle Zuchtlinien. Eine solche Trennung ist aus tierschutzrechtlichen und ökologischen Gesichtspunkten für Biobetriebe auf Dauer nicht akzeptabel.
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In der Milchviehhaltung orientieren sich Biobauern an den Standortbedingungen und dem gegebenen Futterangebot. Sie messen der Tiergesundheit die gleiche Bedeutung wie der Leistung zu. So halten Biobauern Milchvieh, das nicht auf Höchst-, sondern auf Lebensleistung gezüchtet wird.
Eine der größten Herausforderungen des Biolandbaus liegt darin, eigene gesunde und vitale Tierrassen zu züchten. Diese müssen einerseits zufriedenstellende Leistungen erbringen und anderseits mit den betriebseigenen Ressourcen zurechtkommen.
Futter: 100% Bio
Biobauern verfüttern überwiegend selbst erzeugtes Futter. Hat ein Betrieb nicht ausreichend Ackerfläche, kann er auch Futter von anderen Biobetrieben zukaufen oder über eine Futtermühle beziehen. Biobauern verwenden keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Stickstoffdüngemittel. Auch Futtermittel aus gentechnisch veränderten Organismen oder Bestandteile hieraus sind verboten. Gleiches gilt für Antibiotika als Futtermittelzusatzstoff zur Leistungsförderung, synthetische Aminosäuren und Fischmehl (bei Bioland).
Noch stehen nicht alle Futtermittel in ausreichender Menge in Bioqualität zur Verfügung. Daher lässt die EG-Öko-Verordnung als Ausnahmeregelung in begrenzter Menge Futtermittel aus konventioneller Herkunft zu. Konventionelle Futtermittel sind jedoch für viele Lebensmittelskandale verantwortlich. Bioland hat daher frühzeitig Konsequenzen gezogen: Rinder, Schafe und Ziegen werden zu 100 % mit Biofutter gefüttert.
Diese Vorgabe gilt auch in der übrigen Tierhaltung. Bei Engpässen lässt Bioland per Ausnahmegenehmigung nur noch bestimmte konventionelle Futterkomponenten - insbesondere für Geflügel – zu. Damit soll eine Mangelversorgung vermieden werden. Bioland-Futtermittelwerke stellen an ihrem Produktionsstandort ausschließlich ökologische Futtermittel her (100 %iger Biostandort).



