Biotier Milchkuh
Biologische Milchkuhhaltung
Milchkühe: Mittelpunkt der Landwirtschaft
Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Wertschöpfung erzielen Biobauern mit der Milcherzeugung. Der hohe Futterbedarf der Kühe wird neben Gras insbesondere durch Leguminosen wie Klee und Luzerne gedeckt. Sie sind für den Biobetrieb wichtig, weil sie Stickstoff aus der Luft binden und dem Boden zuführen. Sie gehören als Humus bildende Pflanzen stets zu der für den Biolandbau charakteristischen Fruchtfolge. Mit Leguminosen und Tiermist sichern Biobauern die Bodenfruchtbarkeit. Synthetische Stickstoffdünger und Pestizide sind überflüssig. Durch Weidenutzung erhalten Biokühe wertvolle Kulturflächen: Mit dem Kauf eines Liters Biomilch können pro Jahr 2,5 m2 Wiesen und Weiden ökologisch bewirtschaftet werden.
Wertebestimmung: Lebens- statt Höchstleistung
Biokühe liefern, richtig versorgt, heute 6.000 bis 9.000 Liter Milch jährlich, also dreimal so viel wie vor hundert Jahren. Dabei möchte der Biobauer die Leistung seiner Tiere lange erhalten, ohne sie zu überfordern. Das Grundfutter Gras, Klee, Mais und Ganzpflanzensilage ergänzt er mit Biokraftfutter, welches aus Getreide, Lupinen, Erbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen und /oder Ölkuchen sowie Mineralstoffen besteht. Die Kälber werden in den ersten zwölf Wochen mit Milch - ergänzend mit Heu, Gras und Kraftfutter - versorgt. Die artgerechte Haltung stärkt maßgeblich das Immunsystem des Tieres. Dazu gehört auch der Weidegang oder ein direkter Zugang zu einem Laufhof. Bei Bioland ist letzteres nur in bestimmten Fällen zulässig.
Um Rangeleien zu vermeiden, hat jede Biokuh einen eigenen Fressplatz. Die Liegeflächen sind mit Stroh, Spelzen oder Sägemehl eingestreut.
Milch: Wertvolle Fettsäuren inbegriffen
Die Art des Futters hat einen großen Einfluss auf die Milchqualität, insbesondere auf die Zusammensetzung des Milchfettes. Wenn Kühe – anstelle von leistungsorientierter Stallfütterung mit einem hohen Kraftfutter- und Maisanteil - überwiegend Weidefutter fressen, erhöht sich im Milchfett der Gehalt an gesundheitsfördernden, für den Menschen essentiellen Omega-3-Fettsäuren.
Unterschiede im Überblick
| Bio-Milchkuhaltung | Konventionelle Milchkuhhaltung | Darum handelt der Bauer so |
| Auslauf: Weidegang oder zumindest Auslauf im Laufhof vorgeschrieben. |
Auslauf: Weidegang oder Auslauf nicht vorgeschrieben. | Weiden ist ein Grundbedürfnis der Kuh, das auch ihr Immunsystem stärkt. |
| Liegeflächen: Einstreu grundsätzlich vorgeschrieben. | Liegeflächen: Einstreu nicht vorgeschrieben, jedoch geringe Einstreu oder Gummimatte üblich. | Weiche Liegeflächen schonen die Gelenke und Klauen und motivieren zum Hinlegen. |
| Stallfläche: Mind. 6 m² pro Kuh. | Stallfläche: Bei Neubauten vergleichbarer Platz. | Überbelegung verursacht Stress und Rangkämpfe. |
| Fressplatz: Pro Tier ein eigener. | Fressplatz: Häufig Überbelegung am Fressplatz. | Ein eigener Fressplatz ermöglicht eine stressfreie Futteraufnahme. |
| Fütterung: Ganzjährige ausschließliche Gras- und / oder Maissilage unzulässig. Im Sommer überwiegen Frischgras und Weide; im Winter Heu und Silage bei geringem Kraftfuttereinsatz. | Fütterung: Ganzjährige Silagefütterung zulässig. Häufig hoher Kraftfuttereinsatz. | Weidefutter wird ohne zusätzlichen Energieaufwand direkt von den Tieren verwertet. Fütterung mit geringem Kraftfuttereinsatz verhindert Stoffwechselstörungen. |
| Züchtung: Auf angepasste Leistung und lange Nutzungsdauer. | Züchtung: Auf hohe Leistung und lange Nutzungsdauer. | Die angestrebte Milchleistung orientiert sich an der Futtergrundlage des Standortes. Für den Biobauern steht die Gesundheit gleichwertig neben der Leistung. |
| Kälberaufzucht: Die ersten 12 Wochen mit Milch. | Kälberaufzucht: Milchaustauscher oder Milch. | Milch ist das natürlichste Futtermittel, Milchaustauscher enthalten Fremdbestandteile wie Pflanzenfett und werden energieintensiv hergestellt. |
Extrainfo
Milch enthält beinahe alle lebensnotwendigen Nährstoffe: Eiweiß, gut bekömmliches Milchfett, wertvollen Milchzucker, Vitamine und das für den Knochenaufbau und die Zähne unbedingt notwendige Calcium. Milch wird entweder pasteurisiert (hierbei teilweise homogenisiert) oder als frische, unbehandelte Rohmilch direkt vom Bauernhof im Handel angeboten. Die Vielfalt der Biomilchprodukte ist mittlerweile sehr groß. Sie zeichnen sich durch eine hohe Qualität aus, da sie schonend und handwerklich hergestellt werden. Künstliche und naturidentische Aromastoffe sind in Biofruchtjoghurts oder Biofruchtquarks tabu.
Übrigens: Damit eine Kuh einen Liter Milch bilden kann, müssen 500 Liter Blut durch die Milchdrüsen ihres Euters fließen.
Weitere Milchinformationen:
Bitte wenden Sie sich an unsere Pressestelle, wenn Sie Adressen von Bioland-Milchviehbetrieben und Fotos benötigen: presse @ bioland.de







