Biotier Karpfen
Selbstversorger: Der Teich als Futterproduzent
Biofischwirte achten auf niedrige Besatzdichten, um Gesundheits- und Umweltprobleme durch die Ausscheidungen der Karpfen zu vermeiden. Andererseits bilden die Ausscheidungen der Fische die Grundlage für das Wachstum von Plankton, Algen und Wasserpflanzen, aber auch kleiner Fische, Krebse und Insektenlarven. Eine mineralische Düngung der Teiche ist nicht zugelassen. Der natürliche Bewuchs ist im Sommer die Futtergrundlage der Karpfen. Jungkarpfen haben einen erhöhten Eiweißbedarf und erhalten kurzfristig zusätzlich pflanzliche Futtermittel. Bei Bedarf ergänzen die Bioteichwirte das natürliche Futter mit Biofuttermitteln wie Roggen, Weizen oder Lupinen. Konventionelles Sojaschrot sowie synthetische Farb- und sonstige Zusatzstoffe lehnen sie ab; Fischmehl und Fischöl sind bei Bioland ohnehin verboten. Forellenhaltung, in der tierisches Eiweiß benötigt wird (Forellen sind Raubtiere), ist daher nach Bioland-Richtlinien nicht möglich.
Biotope handgemacht: Schutzzone Karpfenteich
Biokarpfen werden in natürlichen oder naturnah belassenen Teichen gehalten, die nicht mit Folien abgedichtet sind. So können die Tiere auf lockerem Bodengrund ungehindert wühlen und Futter suchen. Die Bioanbauverbände schreiben vor, dass mindestens 20 % des Ufersaumes als Verlandungs- und Röhrichtzone erhalten bleiben. Diese Bereiche werden beispielsweise von Rohrsängern und Amphibien als Brut- und Rückzugsgebiete genutzt. Eisvögel und Adler gehen hier gerne auf die Jagd.
Gute Aussichten: Marktnische Bio-Karpfen
Bioaquakultur ist bisher nur durch die Richtlinien der Bioanbauverbände geregelt; ab 2009 sind Vorgaben im Zusammenhang mit der Novellierung mit der EG-Öko-Verordnung zu erwarten. Zur Nachzucht dürfen nur natürliche Verfahren angewendet werden; die Jungfische sollen möglichst von Biobetrieben stammen. Bislang fehlt es allerdings an spezialisierten Biozuchtbetrieben; das Angebot an Jungfischen ist noch gering. Zukünftig müssen daher weitere Zuchtbetriebe für eine Umstellung gewonnen, Futterrationen optimiert und neue ökologische Eiweißquellen für die Jungfische erschlossen werden. So kann die Bioaquakultur helfen, die überfischten Meere zu entlasten und ein ausreichendes Fischangebot zu erhalten.
Unterschiede im Überblick
| Bio-Karpfenhaltung* | Konventionelle Karpfenhaltung | Darum handelt der Biobauer so |
|---|---|---|
| Teichanlage: Die Karpfen werden in natürlichen oder naturnahen Erdteichen gehalten. Mind. 20 % des Ufersaumes müssen Verlandungs- und Röhrichtzone sein. | Teichanlage: Künstliche Behälter wie Betonbecken und das Einziehen von Folien sind zulässig, überwiegend extensive Haltung mit Naturteichen. | Damit schafft der Teichwirt Rückzugs- und Brutmöglichkeiten für seltene oder bedrohte Vogelarten und reduziert den Eingriff in den Naturhaushalt. |
| Teichanlage: Ausschließlich organische Düngung zur Anregung der natürlichen Produktivität der Teiche. | Teichanlage: Chemisch-synthetische Düngemittel sind zulässig. | Vermeidung einseitiger Nährstoffeinträge. Die Nährstoffe werden bedarfsgerecht freigesetzt; das ökologische Gleichgewicht im Teich bleibt erhalten. |
| Besatzdichte: Max. 3.000 einsömmerige bzw. 600 zweisömmerige Karpfen dürfen pro Hektar Teichfläche gehalten werden. | Besatzdichte: Keine Begrenzung. In intensiven Teichanlagen werden bis zu 50.000 einsömmerige bzw. 4.000 zweisömmerige Karpfen pro Hektar Teichfläche gehalten. | Dies wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Karpfen aus. Der Parasitenbefall ist niedriger. |
| Belüftung nur in Ausnahmefällen. | Teichbelüftung in Intensivteichen üblich | Ein niedriger Fischbesatz und der Verzicht auf Mineraldünger erhalten den Sauerstoff im Teich. |
| Fütterung: Das Nahrungsaufkommen des Teiches ist Futtergrundlage. Pflanzliche Biofuttermittel werden lediglich ergänzend zugefüttert. | Fütterung: Die Fütterung basiert in intensiven Systemen auf Alleinfutter mit Anteilen von Fischmehl, Fischöl oder Sojaschrot und -öl. Futtermittel aus GVO sind zulässig. | Die Karpfen sollen naturgemäß gefüttert werden. |
| Zucht/Jungfische: Jungfische werden - soweit verfügbar - aus Bioproduktion zugekauft. Hormoneinsatz ist unzulässig. | Zucht/Jungfische: Spezialisierte Zuchtbetriebe arbeiten teilweise mit Hormoneinsatz. | Der biologische Gedanke wird konsequent verfolgt und Jungfische werden vom ersten Tag an artgemäß gefüttert. |
(*Beispiel: Bioland-Richtlinien. EG-Öko-Verordnung regelt die Aquakultur bisher nicht.)
Extrainfo
In vielen Regionen ist die Teichwirtschaft traditionell verankert. So wurden bereits im Mittelalter Karpfen von Mönchen gezüchtet. Dennoch ist die ökologische Karpfenhaltung - und dies gilt für die gesamte biologische Aquakultur - erst allmählich im Kommen. Dabei bieten Karpfenteiche vielseitige Lebensräume und fügen sich gut in die Natur ein. Wird ein Gewässer zudem ökologisch bewirtschaftet, so werden die Ufersäume und die Wasserqualität nicht durch Pestizid- und Düngemittelgaben beeinträchtigt. Für eine hohe Artenvielfalt und sauberes Grundwasser ist dies eine wichtige Voraussetzung.
Wie kommt der Hecht in den Karpfenteich?
Die Haltung von Raubfischen wie Hecht oder Zander ist in der biologischen Aquakultur nur im Mischbesatz erlaubt. Dabei müssen die Hechte immer viel jünger sein, damit sie die Karpfen nicht fressen. Üblicherweise werden zweisömmerige Karpfen mit Hechtbrut kombiniert. Nur so bleibt ein Gleichgewicht erhalten.
Bitte wenden Sie sich an unsere Pressestelle, wenn Sie Adressen von Bioland-Karpfenhaltern oder Bilder benötigen: presse @ bioland.de






