12.04.2011

Vollkorn: Ein Qualitätsbegriff in Gefahr?

Was ist Vollkorn? Ein einheitlicher Standard fehlt in Europa. Zurzeit wird an einem Vorschlag dafür gearbeitet.

Eine Initiative aus dem europäischen Forschungsprojekt „healthgrain“ möchte eine einheitliche Definition für Getreide­ und Getreidemahlerzeugnisse innerhalb Europas erarbeiten. Insgesamt 26 Organisationen sitzen an einem Tisch. Deutschland ist unter anderem durch das Max Rubner-­Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, vertreten. Der jetzige Vorschlag orientiert sich an der industriellen Herstellungspraxis in einigen europäischen Ländern und den USA. Experten des Max Rubner­-Instituts sehen darin eine Abkehr vom „Naturprodukt“ Vollkorn. Der deutsche Vorschlag, sich auf die DIN 10355 zu beziehen, fand keine Mehrheit. Die jetzt vorgeschlagene Definition lässt nach Dr. Klaus Münzing vom Max Rubner-­Institut einigen Spielraum in der Zusammenstellung von Vollkornmehl. So muss es laut Vorschlag zwar die Hauptbestandteile – Mehlkörper, Keimling und Kleie – in ähnlicher Relation enthalten wie im unbeschädigten Korn, kann aber bei großzügiger Auslegung aus Mahlfraktionen verschiedener Herkünfte zusammengestellt werden. Auch müssten nicht sämtliche Bestandteile des vermahlenen Korns im Vollkornmahlerzeugnis vorhanden sein wie etwa die wertvolle, mineralstoffreiche Aleuronschicht. „Vollkorn ist der einzige Mehltyp, an dem berechtigtes öffentliches Interesse besteht. Deswegen halten wir nicht still“, so Münzing.

Weitere Informationen: www.healthgrain.org, www.bll.de/themen/health-claims/

Ein längerer Beitrag zum Thema ist im bioland-Fachmagazin 04/2011 erschienen.

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