
Verbraucher und Bauern demonstrieren für gentechnikfreie Landwirtschaft. Bauern erklären Verzicht auf Gentechnik. Postkartenaktion gestartet.
Osnabrück, 25.03.04. Mit Pauken und Trompeten für eine gentechnikfreie Landwirtschaft: Rund 500 Verbraucher und Bauern haben heute in Osnabrück auf die ungeklärten Folgen der Gentechnik für Umwelt und Gesundheit aufmerksam gemacht. Anlaß ist die Bund-Länder-Agrarminister konferenz (24.-26. März), die auch über das umstrittene Gentechnik-Gesetz berät. 30 Trecker begleiteten den Demonstrationszug zum Konferenzort. Die Bauern sehen ihre Existenzgrundlage bedroht und fürchten die Abhängigkeit von wenigen Agro-Konzernen. Tausende aufsteigender Luftballons symbolisierten, wie gentechnisch veränderte Blütenpollen sich verbreiten können. Imker waren mit ihren Bienenstöcken angereist, sie warnten vor gentechnisch veränderten Bestandteilen im Honig.
Bundesministerin Renate Künast und ihrem niedersächsischen Kollegen Hans-Heinrich Ehlen wurde eine Karte überreicht, die zeigt: Überall in Niedersachsen haben schon Bauern ihren Verzicht auf die Gentechnik erklärt. Gleichzeitig wurde eine große Postkartenaktion für eine gentechnikfreie Landwirtschaft gestartet. Damit haben Verbraucher die Möglichkeit, ihre Forderung nach gentechnikfreien Produkten an Minister Ehlen zu richten.
In ganz Europa lehnen über 70 Prozent der Menschen Gentechnik in Landwirtschaft und Lebensmitteln ab. Dennoch werden gentechnisch veränderte Pflanzen und Nahrungsmittel zugelassen. Unter großem Druck von WTO, USA und der Agrarindustrie wird in Deutschland ein Gesetz beraten, das die Einführung der Gentechnik auf dem Acker möglich macht. Wie in vielen Regionen hat sich auch in Niedersachsen ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Verbraucher-, Umwelt- und Bauernverbänden zur Erhaltung der gentechnikfreien Landwirtschaft gebildet, dem schon mehr als 30 Organisationen und Verbände angehören.
Gentechnik ermöglicht es, über Artgrenzen hinweg Erbsubstanz künstlich zu vermischen, um Pflanzen und Tiere mit neuen Eigenschaften auszustatten, die sich durch normale Fortpflanzung nicht entwickeln könnten. Zum Beispiel dient das Gift eines Bodenbakteriums in Mais und Soja zur Insektenabwehr. Die Wissenschaft ist in Bezug auf gesundheitliche Erkenntnisse und ökologische Folgen der Anwendung von Gentechnik ganz am Anfang. Die geringe Begleitforschung sagt nichts über mögliche Langzeitfolgen aus.
Gentechnik bringt der Landwirtschaft keine wirklichen Vorteile. Bäuerinnen und Bauern haben also gute Gründe, sich nicht in die Abhängigkeit der Agro-Konzerne zu begeben. In den USA werden die Bauern von Gentechnik-Firmen gezwungen, gentechnisch verändertes Saatgut und Pflanzenschutzmittel nur als Paket zu kaufen. Die Ernte darf nicht als Saatgut weiter verwendet werden. Kontrollen auf den Äckern durch die Saatgut-Firmen sind an der Tagesordnung, Verstöße werden mit hohen Geldstrafen geahndet. Die Konzentration der Saatgut- und der Lebensmittelmärkte in wenigen Händen schafft eine extreme Abhängigkeit der Verbraucher und Landwirte von einigen Weltkonzernen.
Versicherungen lehnen die Haftung für Schäden durch Folgen der Gentechnik ab. Beim Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft sind Verunreinigungen und Vermischungen unvermeidbar. Die Übertragung der Fremdgene – auch von Kultur- auf Wildpflanzen – kann u.a. durch Pollenflug und Bienen passieren. Dauerhaft gäbe es keine gentechnikfreie Landwirtschaft mehr. Kein Mensch könnte sich mehr gentechnikfrei ernähren. Negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt könnten nicht mehr zurückgeholt werden. Wenn aber etwas passiert, sitzen wiederum die Bauern auf der Anklagebank und nicht die Gentechnik-Konzerne.
Weit über 200 bäuerliche Betriebe und Imker in Niedersachsen, Bremen und Hamburg haben bereits schriftlich erklärt, ohne Gentechnik arbeiten zu wollen. Sie fordern von den verantwortlichen Politikern, sicherzustellen, dass eine gentechnikfreie Erzeugung auch zukünftig möglich bleibt. Dem Aufruf für ein Recht auf gentechnikfreie Landwirtschaft folgen ständig weitere Bauern und Imker, sowohl aus der konventionellen wie der ökologischen Landwirtschaft. Diese wachsende Bewegung lässt sich im Internet auf einer digitalen Landkarte verfolgen (www.bioland.de/ni-hb und www.abl-ev.de/gentechnik).
Angela von Beesten, Ökologischer Ärztebund
Auf der Worth 34, 27389 Vahlde T.04267-775 F. 8243
Harald Gabriel, Bioland
Bahnhofstr. 15, 27374 Visselhövede, Tel. 04262-95900, Fax 9590-50
Das Bündnis für eine gentechnikfreie Landwirtschaft in Niedersachsen, Bremen und Hamburg wird getragen u.a. von Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bioland Nds./Bremen, BUND Nds., NABU, Demeter, Ökologischer Ärztebund, AG Stadt-Land-Ökologie Bremen, Bremer Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, Naturland, Kornkraft Hosüne, Bio-Kartoffel Nord, Arbeitskreis gegen Gentechnik Göttingen u.v.a.