Fakten vom Bio-Kartoffelzüchter

Karsten Ellenberg ist Biolandbauer und seit einigen Jahren auch Bio-Kartoffelzüchter. Er erhält alte Sorten und züchtet neue, die für den Biolandbau geeignet sind. 2012 hat er für die beiden Sorten „Violetta“ und „Rote Emmalie“ eine Zulassung bekommen, nachdem er sie drei Jahre zuvor dafür angemeldet hatte. Beide Sorten entstanden aus Kreuzungen mit alten Sorten. Ellenberg hat es geschafft, ihren Ertrag zu steigern und sie widerstandsfähiger gegenüber Kartoffelkrankheiten zu machen. Weil er der Überzeugung ist, Saatgut sei Kulturgut und müsse allen gehören, verlangt er keine Nachbaugebühren. Denn normalerweise hat jeder Züchter den Anspruch auf einen bestimmten Betrag, wenn andere Bauern einen Teil der Ernte zurückbehalten und im nächsten Jahr wieder aussäen.

Mittlerweile verkauft Ellenberg rund 40 verschiedene Kartoffelsorten, von cremig bis nussig und würzig in den unterschiedlichsten Formen und Farben. Selbst in Kanada und in den USA werden seine Kartoffeln gepflanzt und gegessen. Ellenberg ist vor allem durch die Kartoffelsorte "Linda" bundesweit bekannt geworden. Deren Zulassung war abgelaufen – dank Ellenbergs Einsatz, darf sie nun wieder auf dem Acker stehen.

10 Kartoffel-Fakten:

  • Im 16. Jahrhundert wurden die ersten Kartoffeln nach Europa transportiert. Gegessen hat man sie aber nicht. Wegen ihrer schönen Blüten dienten sie als Zierpflanzen. Erst Friedrich der Große befahl Kartoffeln auszusäen und zu essen.

  • Kartoffeln tragen nicht nur Frauennamen, es gibt beispielsweise auch eine Sorte mit dem Namen „Reichskanzler“ oder eine, die ihrer Form wegen „Rosa Tannenzapfen“ heißt. Jeder, der eine Sorte züchtet und diese Sorte anmelden will, darf ihr einen Namen geben. Einzige Voraussetzung: Der Name darf innerhalb Europas noch nicht für eine andere Sorte vergeben worden sein.

  • Kartoffeln, die für den Bio-Anbau gezüchtet wurden, sind „Bio von der Pike an“, wie Ellenberg sagt. Die Mutterpflanze muss sich im natürlichen Umfeld bewähren: Sie bekommt bei einem Bio-Züchter keinen künstlichen Dünger oder chemisch-synthetische Pestizide. „Die Pflanzen, die diesen Härtetest bestehen, züchten wir weiter.“ Das hat seinen Grund: Mineraldünger und giftige Pestizide sind im Biolandbau verboten. Wenn die Zuchtpflanzen keinen Kunstdünger bekommen, müssen sie mehr Wurzelmasse bilden.  Außerdem müssen die Pflanzen keine Resistenzen entwickeln, wenn diesen Job chemische Hilfsmittel übernehmen. Deshalb sind viele Bio-Sorten robuster.

  • Die Sorten, die aus dem Äquatorraum stammen, sind Kurztagspflanzen und wachsen im Norden nicht so gut. Das hat vor allem mit unterschiedlichen Tageslängen und dadurch mit Licht zu tun.

  • Pflanzkartoffeln – Speisekartoffeln, was ist der Unterschied? Pflanzkartoffeln wurden auf Pilz- oder Virenbefall untersucht. Dies sind reine Pflanzenkrankheiten und nicht auf den Menschen übertragbar, trotzdem möchte man verhindern, dass sich Pflanzenkrankheiten ausbreiten.

  • Industriekartoffeln: So nennt man Kartoffeln, die nicht im Netz oder Sack beim Kunden landen, sondern vorher verarbeitet werden: Etwa für Pommes, Chips, Wodka oder Speisestärke. Aber auch für einige Biokunststoffe braucht man die Stärke aus Kartoffeln.

  • Früh- oder Spätkartoffeln: Frühkartoffeln sollte man möglichst bald essen. Spätkartoffeln sind solche, die man über den Winter lagert. Hier ist es sogar besser, etwas zu warten, ehe man sie isst: Sie entfalten erst nach einigen Wochen ihr volles Aroma.

  • In Norddeutschland isst man eher festkochende, in Süddeutschland eher mehlige Kartoffeln. So entstanden auch die jeweils typischen Gerichte: Kartoffelsalat oder Pellkartoffeln im Norden, Klöße und Püree eher im Süden.

  • Es gibt viele Kartoffelsorten mit unterschiedlicher Fleischfarbe. also nicht nur gelbe oder weiße Kartoffeln, sondern auch blaue, rote, lila und rosafarbene: Diese Kartoffeln sind besonders gesund – sie enthalten viel Betain, ähnlich wie Rote Beete. Das ist vor allem gut für die Leber. Bereits die Seefahrer früherer Jahrhunderte wussten die Gesundheit der Esskartoffeln zu schätzen.

  • „Heide-Kartoffel“ bedeutet nur, dass die Kartoffel aus der Heide kommt. Dort gedeihen die Knollen besonders gut, da der Boden sandig ist. Über Anbau und Sorte sagt der Name allerdings nichts aus.