Bioland-Gänse

Stress lass nach.

Holger Weller bei der Fütterung seiner Gänse (Foto: Holger Weller)
Die Moral kommt vor dem Essen – darum achten wir auch bei Enten, Gänsen und Puten auf naturnahe und artgerechte
Haltung.
Grausamkeiten wie das Kupieren von Schnäbeln sind bei Bioland verboten, die Tiere bekommen viel Auslauf und für Enten und Gänse gibt es Tümpel und Seen.

Fleischleistung ist nicht alles, was zählt

Bioland-Bauern geht es nicht darum, dass ihre Tiere möglichst schnell ihr Schlachtgewicht erreichen! Darum haben Enten und Gänse je nach Rasse fast doppelt so viel Zeit bis zur Schlachtung wie bei konventioneller Mast. In der Putenzucht versuchen Bioland-Bauern  mittlerweile  eigene  Zuchtlinien zu entwickeln – denn die herkömmlichen Rassen sind so sehr auf Fleischleistung gezüchtet worden, dass die Tiere  unter  ihrem  Körpergewicht  leiden.

Die Wiese ist der beste Koch!

Unser Geflügel ernährt sich hauptsächlich von Pflan- zen, die Tiere sind aber keine Vegetarier. Insekten, kleine Amphibien oder Schnecken bereichern ihren Speiseplan im Freien enorm.

Sitzstangen und Beschäftigung gegen Stress, Tümpel zum Tauchen

Platz im Stall ist bei Bioland-Bauern für alle Tiere Standard – bei den Puten ist er aber besonders wichtig. Denn die Tiere regen sich schnell auf und leiden dann unter Stress. Bei Bioland gibt es darum große Ställe mit verschiedenen Strukturelementen, einem angeschlossenen Wintergarten oder einem befestigten Laufhof. Zusätzlich dienen erhöhte Ebenen im Stall als Rückzugsmöglichkeit für die Tiere: Sie geben den Puten Sicherheit. Im Freien gibt es dazu viel Auslauf für die Tiere.

Passen Puten und Bio zusammen?

Die Putenhaltung ist aktuell eines der schwierigsten Themen in der ökologischen Tierhaltung. Mit den vorhandenen Rassen, die auf eine schnelle Zunahme an Gewicht gezüchtet sind, ist eine artgerechte Haltung eine große Herausforderung für die Bioland-Bauern.

Immer wieder diskutieren wir, wie man Puten artgerechter halten kann. Die Standards der EG-Öko-Verordnung reichen uns hier nicht aus. Hier sind auch der Handel und die Kunden in der Verantwortung. Wachsen die Tiere langsamer auf, bekommen mehr Platz und leben in kleineren Herden, dann erhöht das für den Bauern die Kosten. Geflügelfleisch würde noch teurer im Vergleich zu konventionellem Fleisch.

Wir wissen, dass die Kunden es schätzen und honorieren, wenn ihr Geflügel und die Eier aus überschaubaren Strukturen kommen. Aber es ist ein großes finanzielles Risiko und eine erhebliche Vor- leistung, die die Bauern dafür eingehen müssen.

Was können wir tun? Als Gemeinschaft der Bioland-Bauern können wir einiges erreichen. Wir engagieren uns vor allem in der Forschung, um in der Züchtung und Haltung immer besser zu werden. Auf EU- und nationaler Ebene arbeiten wir politisch, um Fördergelder für Forschungsprojekte zu erkämpfen. Auf Verbandsebene durch intensive Fachgruppenarbeit und den kritischen Dialog mit der Öffentlichkeit. Das leisten unsere Bauern mit vollem Einsatz, um Lösungen für Art-Gerechtigkeit bei Haltung und Tierrassen zu finden und hoffähig zu machen. Und das tun wir jeder einzelne durch den bewussten Konsum – oder Nichtkonsum – als kritische Konsumenten.

15 Quakmeter Grün

Grünauslauf: Mindestens 15 m² pro Gans, 10 m² pro Pute und 4,5 m² pro Ente. Enten und Gänse müssen die Möglichkeit haben, im Wasser schwimmen zu können. Ihre natürlichen Verhaltensweisen können die Wasservögel so ausleben.

 

Konventionelle Putenhaltung*Bioland- PutenhaltungDarum handeln Bioland-Bauern so
GrünauslaufNicht vorgeschrieben.Grünauslauf ist Pflicht: Mindestens 10 m² pro Puten,  4,5 m²  pro Ente und 15 m² pro Gans. Im Freien könne die Tiere sich ihr eigenes Futter suchen – und gleichzeitig ihr Immunsystem stärken
TieranzahlKeine Herdenobergrenze für Puten. Für Enten und Gänse nur indirekt über Mistmenge geregelt.Höchstens 12 Hähne oder 15 Hennen auf 10 Quadratmetern im Stall, max 210 Enten bzw. 280 Gänse pro Hektar.Mehr Platz = Gesunde und zufriedene Tiere. Gut für Tier, Umwelt und Mensch
Artgerechte HaltungSchnäbel von Puten dürfen beschnitten oder touchiert werden. Zugang zu Wasserstelle bei Enten oder Gänsen nicht vorgeschrieben Verbot von Schnabel-beschneidung bei Puten. Zugang zu Wasserstelle für Enten und Gänse ist Pflicht.Artgerechte Haltung statt Fleischleistung als Ziel

*(Orientierung an der „Freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen“ der Landwirtschaftsministerien, Geflügelwirtschaftsverbände und Tierschutzverbände)