Man muss ausdauernd sein: Martin Schreiner inmitten seiner Bäume (Foto: Dominik Baur)
08.12.2016
Christbäume

Wie gesprüht sind deine Blätter...

Weihnachten ohne Christbaum? Für die meisten Deutschen unvorstellbar. Woher der Baum zum Fest kommt, ist für sie jedoch zweitrangig. Die wenigsten entscheiden sich für einen Bio-Christbaum. Dabei geht es durchaus auch ohne Glyphosat und Co., wie ein Besuch bei den Schreiners in Oberpframmern zeigt. Von Dominik Baur

"Zum Teil erschrecken die Leute", erzählt Martin Schreiner, "wenn sie hören, dass wir bio sind." Der Christbaumverkäufer beruhigt seine Kunden dann: "Na, des passt scho." Bio-Christbäume seien völlig harmlos. Und bio waren die Christbäume der Schreiners schließlich schon immer, auch wenn es früher noch keiner wusste, weil sie es nicht aufs Schild geschrieben haben. Das war einfach selbstverständlich, gespritzt und gedüngt wurde hier nie, sogar bei Bioland ist der Hof in der oberbayerischen Gemeinde Oberpframmern schon seit Langem. Aber viel Gedanken gemacht hat man sich darüber nie.  

Martin Schreiner öffnet das Tor und tritt ins Reich der Bäume. Die Christbaumkulturen müssen wegen des Wildes umzäunt sein. Für Rehe sind die Tannen ein Leckerbissen. Schreiner zeigt die Bäume, die in diesem Jahr geschlagen werden. Ein paar Reihen weiter stehen ein paar ganz junge Bäumchen. Und dort hinten die Riesen. Sie passen in kaum ein Wohnzimmer - in Kirchen und Gemeinden finden auch sie ihre Abnehmer.  Schreiner hebt den untersten Ast eines der diesjährigen Christbäume an. Darunter wächst schon die nächste Generation heran.  

Zehn bis zwölf Jahre wachsen die Bäume hier, bis sie geschlagen werden und einem bayerischen Wohnzimmer weihnachtlichen Glanz verleihen. Doch auch die Setzlinge sind schon vier Jahre alt, wenn Schreiner sie pflanzt. Man braucht Ausdauer als Christbaum-Produzent. Und es ist nicht damit getan, einmal im Jahr mit der Motorsäge durch die Kulturen zu gehen. Setzlinge pflanzen, Bäume beschneiden, Zäune reparieren, Gras mähen - es gibt immer etwas zu tun.  

Mitglied bei Bioland sind die Schreiners aber nicht wegen der Bäume, sondern wegen des Gemüses geworden. Anfang der Neunziger haben sie für ein paar Jahre den Versuch unternommen, auf dem kleinen Hof die Landwirtschaft haupterwerbsmäßig zu betreiben. Nur wegen der Christbäume hätten sie sich nicht zertifizieren lassen. Dass auch Christbäume bio sein können, ist vielen ohnehin nicht bewusst. "Ich ess’ den Baum doch nicht", bekommen die Schreiners immer wieder zu hören. Doch wenn sich in der gemütlich geheizten Stube, die Giftrückstände ausbreiten, könnte das weihnachtliche Raumklima nicht nur Allergikern und Asthmatikern zu schaffen machen.  

1000 pflanzen, 300 schlagen  

Der Deutsche und sein Christbaum - das ist eine besondere, eine innige Beziehung. 20 bis 30 Millionen Christbäume werden hierzulande jedes Jahr verkauft, die Zahlen variieren je nach Quelle erheblich. Der Anteil der zertifizierten Bio-Christbäume wird auf weniger als fünf Prozent geschätzt. Dazu kommen noch Bäume, die von Forstämtern angeboten werden. Rund zehn Prozent der Christbäume stammen aus dem Ausland, zumeist aus Dänemark. Am beliebtesten ist schon seit etlichen Jahren die Nordmanntanne, eine aus dem Kaukasus stammende Art. Sie hält länger, nadelt wenig, und schön anzusehen ist sie außerdem. Und natürlich sollte der Baum der Wahl möglichst die Idealmaße haben: "Schmal, buschig, 2,20 Meter hoch - das will jeder", sagen die Schreiners. Auch bei Ihnen sind 90 Prozent der Bäume Nordmanntannen, daneben gibt es noch ein paar Rotfichten und Kiefern für Liebhaber.  

Rund 45 Euro kostet ein Standardbaum auf dem Schreiner-Hof, bei Schönheitsfehlern gibt es einen Nachlass. Tannen aus konventionellem Anbau sind in der Regel auch nicht billiger. Aber Martin Schreiner will nicht um den letzten Euro feilschen. Ihm ist es wichtiger, dass er alle seine Bäume an den Mann bringt und seine Kunden zufrieden sind. "Es passt für uns", sagt der 56-Jährige. Es passt vor allem auch deshalb, weil der Christbaumverkauf bei den Schreiners ein wichtiges zweites Standbein ist, sie aber keine Haupterwerbslandwirte sind. Ihr Geld verdienen die Schreiners in erster Linie mit ökologischen Energieanlagen, Photovoltaikanlagen zum Beispiel oder Pelletheizungen. 

Die Christbaumkulturen der Schreiners fügen sich in die umgebenden Wälder ein (Foto: Christbaum Schreiner)
Der kleine Hof ist umgeben von Staatsforst und Privatwäldern. Seit 100 Jahren ist er im Besitz der Familie Schreiner. Damals führte nur ein kleiner Kiesweg daran vorbei. Heute ist daraus eine Landstraße geworden. Die Christbaumkulturen sind auf mehrere Flächen verteilt, insgesamt sind es zehn- bis zwölftausend Bäume auf 1,5 Hektar Land. 300 bis 400 gehen davon jedes Jahr in den Verkauf. "1000 pflanzen, 300 schlagen", sagt Martin Schreiner, denn der Ausschuss ist groß. Was nicht als Christbaum taugt, wird zu Zweigen geschnitten oder gehäckselt.  

Am dritten Adventssamstag um 7 Uhr geht der Verkauf los. Mitunter stehen die ersten Kunden schon im Dunkeln vor dem Tor und warten. Verkauft wird bis Heiligabend, solange der Vorrat reicht.

Zu den Kunden gehören Bauern aus der Nachbarschaft genauso wie biobewusste Münchner.  Bis zur Landeshauptstadt ist es nicht weit. Natürlich sind die Transportwege bei Bio-Christbäumen ein wichtiges Thema. Einmal rief eine Frau aus Augsburg bei Michaela Schreiner an und wollte einen Baum holen. Das konnte sie ihr dann gerade noch ausreden. Sicher, die Christbäume seien schon bio. "Aber bis Sie den Baum zu sich nach Augsburg gebracht haben, ist er nicht mehr bio."  

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