In diese Box mit dem Melkroboter kann die Kuh jederzeit gehen (Foto: Magdalena Fröhlich)
27.07.2017
Hessen

Der Roboter im Stall

Steht die Kuh auf dem Schlauch, klingelt das Telefon des Bauern. Am Apparat ist dann der Melkroboter. Er meldet Christian Heun, wenn im Melkstand etwas schiefläuft. Von Magdalena Fröhlich

Traumjob - wenn nur das frühe Aufstehen nicht wäre. So dachte Christian Heun über seinen Job als Landwirt. Zumindest bis 2011. Denn seither hat er einen Roboter im Stall. Das ist praktisch für ihn und für seine Mitarbeiterinnen, wie er seine Kühe nennt. Jede kommt und geht, wann sie will. Klingt nach faulem Lenz, ist aber höchst effizient. Der Bauer kann mehr arbeiten, und die Kühe geben sogar ein bisschen mehr Milch. Und der Ansatz, der hinter dem Roboter-Einsatz steht, ist obendrein noch natürlicher.

Manchmal holt der Roboter Christian Heun auch aus dem Bett (Foto: Magdalena Fröhlich)
"Ja, das würde man so gar nicht vermuten. Also, dass eine Maschine gut für die Tiere ist. Aber in der Natur ist es auch so. Da gibt es auch keine feste Zeiten. Da kommt das Kalb auch nicht nur zweimal am Tag, einmal morgens und einmal abends, zur Kuh und will trinken", erklärt der Bauer vom Biolandhof Barmbach aus dem hessischen Niederbrechen. Heun hält rund 60 Kühe. "Die Kuh stößt das Kalb auch ab und an weg - sie hat auch nicht ständig Lust, das Kalb trinken zu lassen, sondern entscheidet selbst, wann es ihr passt." So ist es auch mit dem Roboter. Die Kuh bestimmt, wann sie in den Melkstand gehen will. 

Im Prinzip ist das wie eine Stallbox. Dorthin geht die Kuh und wartet, bis ihr Euter erst einmal sauber gemacht wird. Dann scannt der Roboter das Euter und weiß, wie weit die Zitzen auseinander sind, ehe er das Melkgeschirr, also die Schläuche ansetzt.

"Der Roboter weiß ganz genau, welche Kuh gerade dran ist. Dann ist die Maschine so programmiert, dass sie der Kuh entsprechend Futter gibt", erklärt Heun. Während die Kuh gemolken wird, gibt es nämlich was zum Futtern. Erkennt der Melkroboter, dass sie gerade viel Milch gibt, landet auch entsprechend mehr Futter im Trog.

Um den Hals tragen die Kühe Transponder - einen Chip, anhand dessen der Roboter jede Kuh erkennt (Foto: Magdalena Fröhlich)
Um den Hals tragen die Kühe Transponder - einen Chip, anhand dessen der Roboter jede Kuh erkennt (Foto: Magdalena Fröhlich)
"Die Menge der Milch, die Zellzahl, wann die Kuh das letzte Mal zum Melken kam, das speichert alles der Computer, der mit dem Melkroboter verbunden ist. Hier sehe ich auch ganz genau, wie viel Milch aus jedem Viertel, also aus jeder einzelnen der vier Zitzen kommt. Das ist wichtig, denn ich muss ja auch den Roboter überprüfen", sagt der Bioland-Bauer und lacht. Dass er das Wohl seiner Tiere in die Hände einer Maschine gibt - dieses Gefühl hat Heun nicht. "Ich erkenne dank dem Computer sofort, wenn es einer Kuh nicht gut geht. Zum Beispiel sehe ich, wegen der Angaben zur Zellzahl und dem Blutgehalt der Milch, ob ein Euter entzündet ist. Dann kann ich der Kuh auch sofort helfen", erklärt er. "Oder wenn ich sehe, dass eine Kuh schon länger nicht mehr zum Melkroboter gegangen ist, dann muss ich schauen, was der Kuh fehlt. Vielleicht hat sie ein Klauenproblem und kann schlecht gehen."

Das seien zwar Sachen, die er auch erkennen würde, wenn nicht der Roboter, sondern er selbst das Melkgeschirr bei seinen Tieren anlegt, aber weniger exakt. Und: "Jetzt habe ich mehr Zeit, um die Tiere auch im Stall und auf der Weide zu beobachten. So kann ich gut erkennen, wie sie sich außerhalb des Melkstandes verhalten. Ich verbringe jetzt keinesfalls weniger Zeit mit den Tieren - aber ich kann mir die Zeit besser einteilen", sagt der Bioland-Bauer.

Ein Beispiel: "Früher konnte ich nicht mal schnell sagen, das Wetter ist heute perfekt zum Ernten, ich verbringe den ganzen Tag bis zum Abend auf dem Mähdrescher. Wenn Melkzeit war, dann war Melkzeit. Da konnte ich nicht einfach beschließen, noch zwei Stunden länger auf dem Acker zu bleiben", so Heun.

Muss nicht immer auf die Uhr schauen, wann Melkzeit ist

Das ginge jetzt schon. Wenngleich sich die Arbeitszeit des Landwirts durch den Melkroboter kaum verkürzt hat. Denn ganz von alleine läuft das Melken auch mit einer Maschine nicht. Zum Beispiel, wenn der Melkschlauch defekt ist, weil eine Kuh auf dem Schlauch steht, durch den die Milch laufen soll. Dann meldet der Melkroboter einen Alarm direkt auf Heuns Handy. "Wenn das mitten in der Nacht passiert, dann muss ich da natürlich raus aus dem Bett. Der Kuh würde zwar nicht gleich etwas passieren - aber so ein Melkroboter kann mit einem Stillstand nicht so gut umgehen, der bringt dann alles durcheinander ", sagt er.

"Wenn dann nachts quasi der Roboter am Handy ist, dann habe ich mir schon gedacht: Mensch, eigentlich wollte ich nicht mehr wegen dem Melken aus dem Bett gescheucht werden", sagt Heun. Anfangs sei er sogar extra nachts aufgestanden, um die Kühe an den neuen Melkstand mit dem Roboter heranzuführen, damit sie lernen, dass sie wirklich jederzeit zum Melken gehen können. "Das haben sie auch schnell gelernt - aber dann kommt halt manchmal auch so etwas heraus." Darüber kann Heun aber nur lachen. Und wenn Heun in den Kuhstall kommt, dann steigt seine Laune sowieso sofort. "Ein Leben ohne Kühe kann ich mir gar nicht vorstellen."

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