Tierwohlcheck im Stall: Kontrolleur Nikolaus Mosen schaut sich die Kühe von Bauer Alfred Schneider (links) genau an (Fotos: Julia Romlewski)
27.04.2016
Bio-Kontrolle auf Bauernhof

„Jetzt wird es intim“

Nikolaus Mosen ist Bio-Kontrolleur. Er schaut, ob sich die Biobauern an die Richtlinien halten. Sein Job ist eine Mischung aus Steuerprüfung und Detektivarbeit. Die wichtigsten Utensilien: Taschenrechner und Stempel. Und ein wachsames Auge. Von Julia Romlewski

Alfred Schneider weiß, dass wir kommen. Es handelt sich um die reguläre Bio-Jahreskontrolle. Wir sind mittags verabredet, damit die Schneiders in der Früh in Ruhe melken können. Jede Menge Papierkram steht uns bevor. Dabei ist der Hof der Schneiders in der Eifel für den Kontrolleur vergleichsweise überschaubar: Es gibt keinen Hofladen und kein Gewächshaus, nur 32 Kühe und 150 Hektar Land, auf dem die Bauern Klee, Erbsen, Getreide und Hülsenfrüchte anbauen.

Kontrolleur Mosen packt Taschenrechner und Stempel aus. Alle Unterlagen, die er einsieht, muss er abstempeln. Denn es kann passieren, dass jemand von der Aufsichtsbehörde des Landes nachprüfen will. Mosen selbst arbeitet nämlich für die private Kontrollstelle Abcert. Die Ökokontrollstellen prüfen im staatlichen Auftrag, ob sich alle Biobauern an die EU-Ökoverordnung halten. Und weil Bauer Schneider auch Bioland-Mitglied ist, überprüft Mosen auch gleich noch im Auftrag des Verbands, ob auch dessen Richtlinien eingehalten werden.

Natürlich kann niemand einen ganzen Betrieb komplett durchleuchten, das würde Tage wenn nicht Wochen dauern. Mosen muss selbst einschätzen können, wo er genauer nachbohrt. Dazu gehört viel Erfahrung. Aber Mosen ist routiniert, 120 Biobetriebe besucht er jedes Jahr. Er will jetzt Flurpläne sehen. Alfred Schneider hat bereits seine Papiere vorsortiert. Seit 2011 ist er Bioland-Bauer. Alles muss akribisch dokumentiert sein. So genau, dass Mosen alle Flächen selbst finden könnte. Schneider hat gerade etwas Feld an eine Straße verloren und anderswo ein Stück Boden dafür als Ausgleich bekommen. Es geht nur um 17 Quadratmeter. Aber auch das muss festgehalten werden. Denn auf dem neuen Streifen darf Schneider erst einmal kein Bio-Getreide anbauen, der Boden ist noch nicht öko und muss erst einmal eine Umstellungszeit durchlaufen. „Am besten pflanzen Sie dort Kleegras und lassen ordentlich Abstand“, sagt Mosen. So gibt es keine Verwechslungsgefahr beim Ernten.

Kontrolleur Mosen bei der Arbeit
Auch die Buchhaltung lässt sich Mosen zeigen. „Jetzt wird es intim.“ Er schaut sich die Umsätze an und tippt auf dem Taschenrechner herum. Rechnet aus, was die Kühe gefressen haben und ob Bauer Schneider genug geerntet haben kann, um sie satt zu kriegen. Keine Unstimmigkeiten. In der Buchhaltung stolpert der Kontrolleur dann aber über etwas. „25 Euro für ein Pflanzenschutzmittel?“ Anruf bei der Buchstelle des Bauernverbands, die sich um die Buchhaltung der Schneiders kümmert. Eine Fehlbuchung. Das vermeintliche Gift entpuppt sich als Stallfliegenfänger. Mosen schmunzelt. Hätten die Schneiders Angestellte, würde er jetzt auch die Bioland-Sozialrichtlinien durchgehen. Ob die Überstunden geregelt sind zum Beispiel.

Schneider hat einige Zuchtbullen gekauft. Sie müssen von Bioland- oder zumindest Bio-Höfen stammen. Mosen vergleicht die Angaben auf den Kaufbelegen mit den Ohrmarken, die die Rinder eindeutig identifizieren. Zahlenabgleich. Schneider zeigt ihm auch die Bioland-Zertifikate der Verkäufer. „Manchmal machen wir auch einen Cross-Check und lassen uns auch vom Verkäufer die Belege zeigen“, erklärt Mosen. Auch die Tierarztrechnungen geht er sorgfältig durch. Könnte ja sein, dass Bauer Schneider seinen Kühen ein Antibiotikum verabreicht hat, für das er keine Ausnahmegenehmigung hat. Moser hat eine Liste mit Medikamenten dabei, die bei Bioland erlaubt sind. „Können Sie das lesen?“ Es dauert, bis wir alle Wirkstoffe entziffert und in der Positivliste gefunden haben. Tierärzte haben oft Sauklauen. Aber Schneiders Tiere scheinen recht gesund zu sein.

Bei Bauer Schneider haben die Kälbchen viel Platz und Auslauf
Der Tierwohlcheck ist seit 2014 Teil der Bioland-Kontrolle. Der große und helle Stall, in dem Mosen und Schneider jetzt stehen, stammt noch aus der Zeit vor der Umstellung. Schneider musste nicht umbauen, weil es schon genug Platz gab - und sogar Auslauf für die Tiere. Mosen ist zufrieden. Er betrachtet die jüngsten Kälber. Sie sind zu mehreren untergebracht, nicht in Einzelboxen, wie es oft üblich ist. „Das klappt gut", erklärt ihm der Bauer. "Nur das Tränken war am Anfang anstrengend, weil sich immer alle vordrängeln wollten.“ Auch die Mütter dürfen zusammenbleiben, sie haben einen großen Laufstall mit viel Stroh. Und bald geht es wieder hinaus auf die Weide.

Geruchskontrolle: Ist das Futter in Ordnung?

Geruchskontrolle: Ist das Futter in Ordnung?
Mosen riecht am Futter, schaut, ob die Tränken voll sind, und ob Bauer Schneider regelmäßig ausmistet. Die Kühe sehen gesund aus, nur bei ein zwei schauen die Rippen etwas hervor. „Das ist im normalen Bereich. Das liegt an der Rasse“, sagt der Kontrolleur. Er geht auch in die Gerätehalle und stöbert in den Ecken herum. Keine Auffälligkeiten.

Weiter geht es zu den verstreut liegenden Feldern. Mosen steigt jedes Mal aus dem Auto aus und läuft über den Acker. Er reißt ein paar Weizenhalme aus dem Boden und zerbröselt die Erde zwischen den Fingern - auf der Suche nach übriggebliebenen Samen. An deren Farbe kann er sehen, ob sie chemisch gebeizt wurden - was nicht erlaubt wäre. Unkraut wächst auch auf den Feldern - ein gutes Zeichen. „Also, das sieht alles unverdächtig aus“, sagt Mosen. Vier Stunden Kontrolle sind vorbei. In ein paar Wochen werden die Schneiders ihr neues Bioland-Zertifikat erhalten. Aber vielleicht sieht man sich noch mal, denn hin und wieder gibt es auch Spontankontrollen. Die Regelkontrolle im nächsten Jahr wird aber ein anderer Prüfer übernehmen. Nach einigen Besuchen wissen die Bauern meist, wie ihr Kontrolleur tickt. Wo er hinschaut und wo vielleicht nicht. Darum wechseln die Kontrolleure alle paar Jahre.

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Auf bioland.de:

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Kleine Zusammenfassung zum Thema Bio-Kontrolle auf dem Informationsportal Ökolandbau

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