03.01.2017
Kommentar zur EU-Agrarförderung

Förderung darf es nur für Umweltschutz und Tierwohl geben!

Immer noch fließen Milliarden in eine Landwirtschaft, die umweltpolitisch und ethisch nicht zu vertreten ist. Dabei könnte man die Steuergelder durchaus auch sinnvoll einsetzen. Von Gerald Wehde

Fast 60 Milliarden Euro gehen jährlich an europäische Landwirte und in Fördermaßnahmen für den ländlichen Raum. Das sind rund 40 Prozent des EU-Haushalts. Mit dieser Riesensumme subventionieren wir eine Landwirtschaft, die Gewässer mit Nitrat und Pestiziden belastet, die die Artenvielfalt dezimiert und Nutztieren ein artgerechtes Leben verweigert. So fördern wir die Industrialisierung der Landwirtschaft und nehmen gleichzeitig hohe Folgekosten für Umweltschäden in Kauf. Für die Reinigung von nitratbelastetem Trinkwasser zum Beispiel.

Wir müssen diese Steuergelder im Sinne der Gesellschaft umlenken und zielgenauer einsetzen. Das heißt: Weg von den pauschalen Flächenzahlungen hin zur Honorierung von Leistungen für die Umwelt und für mehr Tierwohl! Dies böte auch neue Einkommenschancen für Landwirte, die den Teufelskreis aus billiger Massenproduktion und Exportorientierung zu Weltmarktpreisen verlassen möchten.

Die Landwirtschaft trägt eine hohe Verantwortung für den Umwelt- und Naturschutz. Sie bewirtschaftet fast 50 Prozent der Fläche Deutschlands. Auch wirtschaftlich lässt sich hier nicht gegen den notwendigen Umweltschutz argumentieren. Denn der Sektor bringt nur eine geringe Wirtschaftsleistung: Die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft beträgt gerade einmal 0,8 Prozent. Es gibt daher kein Argument, die künftige EU-Agrarpolitik nicht auf eine Ökologisierung der Landwirtschaft zu konzentrieren. Nur so können die zahlreichen Umweltziele auf EU- und nationaler Ebene überhaupt erreicht werden.

Der Finanzierungsbedarf dafür ist hoch. Investieren wir unser Steuergeld lieber in die Ausdehnung des Biolandbaus, den Artenschutz und den Bau besonders artgerechter Ställe. Und stoppen wir endlich die Subventionen für eine umweltschädliche Massenproduktion für Exportmärkte!

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