21.02.2017
Kommentar zur Zukunftsstrategie Ökolandbau

Die Latte ist gelegt

Mit seiner Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZÖL) will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Impulse für mehr heimisches Bio setzen. Das Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie "20 Prozent ökologischer Landbau" holt er damit, so sagt er, aus seiner Verstaubtheit heraus. Ein klares Bekenntnis für mehr Biolandbau in Deutschland. Von Bioland-Präsident Jan Plagge

Ein ausformulierter politischer Plan für mehr Bio fehlte all die Jahre, seit Ex-Ministerin Renate Künast (Grüne) 2001 das staatliche Bio-Siegel und das Bundesprogramm Ökologischer Landbau entworfen hat. Seitdem konnte sich die Biobranche Jahr für Jahr über gute Umsatzsteigerungen freuen, die jedoch immer weniger von heimischen Bauern als durch Importe gedeckt wurden. Viele Jahre lang ignorierten die Bundesregierungen diese Fehlentwicklung - eine verpasste Chance auch für viele konventionelle Betriebe.

Nun will der Minister der heimischen Biolandwirtschaft Schwung geben, analysiert dafür die hemmenden Faktoren und benennt Handlungsfelder und Maßnahmen, die zum Teil etwas konkreter hätten ausfallen dürfen. Eine dieser Maßnahmen: ein Gesamtkonzept zur Honorierung von Umweltleistungen zu erarbeiten. Genau dies trifft den Kern, denn bisher wurden den Landwirten weder Umweltleistungen angemessen honoriert noch echte Anreize zur nachhaltigen Betriebsentwicklung gegeben.

Doch eine grundlegende Veränderung der Agrarpolitik anzugehen und damit in erster Linie der GAP, dies scheute der Minister bisher. Was der Strategie fehlt, ist die Aussage, wann 20 Prozent Biolandbau erreicht sein sollen. Auf der Biofach hat der Minister "mittelfristig" mit einem Zeitraum von etwa zehn Jahren übersetzt. Das heißt: rund 200.000 Hektar neu umgestellte Fläche pro Jahr. Damit kann die Branche etwas anfangen. In den Haushalten von Bund und Ländern muss das budgetiert werden. Die Strukturen der Marktpartner der Biobauern müssen entsprechend mitwachsen. Auf dieser Basis braucht die ZÖL schon bald ein Update, um die Strategie der Bundesregierung zu konkretisieren und sie mit den Aktionsprogrammen der Bundesländer optimal zu verzahnen.

Das Budget des Bundesprogramms Ökologischer Landbau soll von derzeit 20 auf 30 Millionen Euro steigen. Das ist zu wenig. Die Biobranche und der Deutsche Bauernverband fordern seit Langem eine Aufstockung auf 60 Millionen Euro, um das System Ökolandbau im Schulterschluss von Wissenschaft und Praxis weiterzuentwickeln.

Dennoch: Ein guter Anfang ist gemacht. Die ZÖL weist in die richtige Richtung. Landwirtschaftsministerium und nachgeordnete Behörden müssen erste Maßnahmen nun noch vor der Bundestagswahl einleiten und umsetzen. Die Strategie legt die Latte, über die eine künftige Bundesregierung springen muss.

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