04.04.2017
Kommentar

Hände weg von der Billigmilch!

2016 war Milch billig wie selten zuvor. Als Verbraucher könnte man sich darüber freuen, man kann aber auch nachdenklich werden. Denn die niedrigen Preise haben ihren Preis. Von Gerald Wehde

Allein in Deutschland haben letztes Jahr 4000 Milchbauern ihren Betrieb aufgegeben, weil sie vergangenes Jahr im Schnitt nur noch knapp 27 Cent pro Kilo Milch bekamen. Das sind 4000 Schicksale von Menschen, die meist 60 Stunden pro Woche schufteten. Es ist eine schlimme Nachricht, wenn diejenigen, die unsere Milch produzieren, nicht davon leben können.

Umso ärgerlicher, wenn man weiß, dass es nur um ein paar Cent pro Liter geht, die über Existenzen entscheiden können. Und wenn man weiß, dass europäische Molkereien mit der Billigmilch, von denen Bauern hier nicht leben können, auch noch lokale Milchmärkte anderswo in der Welt kaputt machen. Das passiert, wenn etwa mit billigem Milchpulver aus der EU afrikanische Anbieter unterboten werden.

Wie können Angebot und Nachfrage in Einklang gebracht werden - und das ohne Höfesterben? Bislang wurde noch keine Lösung für das Problem der Überproduktion und keine wirksame Mengensteuerung gefunden. Milchüberschüsse entstehen nicht nur in Deutschland oder Europa, auch Länder wie die USA und Neuseeland produzieren kräftig für den Weltmarkt. Zeiten mit Milchüberschüssen nutzen Handelsketten gnadenlos aus und senken die Einkaufspreise. Die Molkereien geben die niedrigen Preise direkt an die Landwirte weiter.

Der Verbraucher kann etwas tun

Der Milchmarkt ist in der Hand einiger weniger Konzerne. Appelle an sie, Milch nicht zu verramschen, verhallen folgenlos. Doch den Schlüssel zu einer funktionierenden Mengendisziplin und Mengensteuerung haben Molkereien und Milchbauern selbst in der Hand. Zum Beispiel über gestaffelte Auszahlungspreise: Einen höheren Preis für die Mengen, die sich problemlos zu guten Konditionen vermarkten lassen und einen niedrigeren für den Anteil, der sich in Überschusszeiten nur verramschen lässt.

Denkbar ist auch ein Bonusmodell, das Landwirte belohnt, die sich bei der Produktion zurückhalten oder eine grünfutterbasierte Fütterung umsetzen. Und die Milchbauern müssen ihre Verhandlungsposition gegenüber den Molkereien stärken. Das wird nur gelingen, wenn sie sich zusammenschließen und ihre Milch gemeinsam anbieten.

Aber auch der Verbraucher ist in der Verantwortung. Wir alle sollten uns den Griff zur Billigmilch wegen ein paar ersparter Cent verkneifen. Und Biomilch kaufen! Denn dann können weitere Milchbauern auf ökologischen Landbau umstellen. Das ist gut für Umwelt und Tierwohl und bietet den Milchbauern faire und stabile Preise. Und man selbst hat ein gutes Gefühl beim Milchtrinken oder Käse essen.

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