Investieren und ernten - das geht auch beim nachhaltigen Geldanlegen (Foto: imago)
27.06.2017
Alternative Geldanlagen

"Alternativbanken haben Zulauf"

Was viele Banken mit unserem Geld anstellen, ist oft wenig nachhaltig. Darum ist es nicht egal, wo man sein Konto hat oder sein Vermögen anlegt. Ein gutes Gewissen kann sich sogar auszahlen, meint Bankenexperte Martin Faust im Interview.

IM FOKUS: Eine vom Umweltbundesamt geförderte Studie wirft den großen deutschen Banken vor, immer noch direkt oder indirekt Umweltzerstörung und Klimaschäden zu fördern. Was kann ich denn als Bankkunde oder Anleger dagegen tun, wenn ich zum Beispiel Kohlekraftwerke, Regenwaldabholzung oder Gentechnik nicht unterstützen möchte?

Faust: Einige Banken bieten auch nachhaltige Vermögensverwaltungen oder nachhaltige Fonds an, allerdings nur als Beimischung. Die Gesamtausrichtung der allermeisten Banken ist leider nicht nachhaltig. Es fehlt da auch der Wettbewerbsdruck. Wenn eine große Bank mal damit anfinge, mehr auf Nachhaltigkeit zu setzen, würden die anderen schon nachziehen. In der Bevölkerung ist Nachhaltigkeit ja durchaus ein Thema.

Im FOKUS: Das heißt, ich kann meine Ersparnisse zwar auch bei einem großen Geldinstitut nachhaltig anlegen, aber mit dem Geld auf meinem Girokonto unterstütze ich dann eventuell doch wieder Dinge, die mir gegen den Strich gehen?

Faust: Ja, Sie erfahren leider als Bankkunde in der Regel nicht, was mit Ihrem Geld passiert. Aber es gibt auch einige Banken, die in ihrem Gesamtkonzept nachhaltig ausgerichtet sind. Zum Beispiel die GLS Bank oder die Triodos Bank und kirchliche Banken wie die Steyler Bank. Diese Alternativbanken haben Zulauf. Die genossenschaftliche GLS Bank zum Beispiel hat die Zahl ihrer Mitglieder alleine im Jahr 2016 um zehn Prozent gesteigert. Leider ist die nachhaltige Geldanlage immer noch ein Nischenthema. Es wissen zu wenige Leute von diesen Banken.

Zur Person

Martin Faust ist Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Er lehrt und forscht unter anderem zum Thema Nachhaltige Geldanlagen und hat darüber ein gleichnamiges Buch mit herausgegeben.

IM FOKUS: Was heißt Nachhaltigkeit genau?

Faust: Viele setzen Nachhaltigkeit mit Grün gleich, aber das alleine reicht nicht. Auch ein Solarunternehmen kann zu schlechten Arbeitsbedingungen in China produzieren lassen. Das ist dann nur auf den ersten Blick nachhaltig. Darüber hinaus sollte auch die Unternehmensführung nachhaltig ausgerichtet sein und nicht nur die Interessen der Eigentümer berücksichtigen, sondern auch der Kunden, Lieferanten und der Allgemeinheit. Nachhaltigkeit besteht somit aus dem Dreiklang Ökologie, Soziales und Unternehmensführung.

Im FOKUS: Was genau machen denn Alternativbanken anders?

Faust: Sie schauen sehr genau darauf, an wen sie Kredite vergeben. Die GLS Bank zum Beispiel vergibt Kredite unter Berücksichtigung strenger Nachhaltigkeitskriterien. Agrogentechnik und Rüstung zum Beispiel sind ausgeschlossen. Über die Kredite kann man sich auch auf der Bankenhomepage informieren. Das Ganze ist also sehr transparent. Man fördert nachhaltige Projekte und damit auch eine nachhaltige Ausrichtung der Wirtschaft, ohne höhere Risiken zu haben. Ihre Alternativbank gibt zum Beispiel dem Biobauern, bei dem Sie gerne einkaufen, einen Kredit für einen neuen Stall.

IM FOKUS: Muss ich auf Rendite verzichten, wenn ich mit gutem Gewissen Geld anlegen will?

Faust: Nein, nachhaltige Geldanlagen werfen nicht per se weniger Rendite ab. Außerdem sind sie oft sicherer. Wenn Sie Aktien eines nachhaltigen Unternehmens kaufen, das zum Beispiel schon länger im Umweltschutz führend ist, werden Sie wahrscheinlich keine Negativschlagzeilen über das Unternehmen lesen. Das ist für Aktienkurse sehr wichtig. Wenn Sie allerdings einen starken sozialen Fokus haben und besonders soziale Projekte fördern wollen wie im Bereich der Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern, dann steht die Rendite nicht mehr im Vordergrund.

IM FOKUS: Ökotest hat kürzlich vor einigen grünen Geldanlagen gewarnt. Gerade im Solarbereich gab es ja einige Firmenpleiten. Da sehen die Anleger dann ihr Geld vielleicht nie wieder.

Faust: Das kann passieren, wenn man Nachhaltigkeit sehr eng sieht und sich nur auf einen Bereich oder einzelne Unternehmen, zum Beispiel Solar- oder Windenergie, konzentriert. Es gibt aber auch den Best-in-class-Ansatz. Da investiert man breiter in einen Fonds, der zum Beispiel auch Aktien von Energieversorgern oder Automobilkonzernen ins Portfolio aufnimmt. Aber eben nur die, die bei Nachhaltigkeit am besten abgeschnitten haben. Dieser Ansatz hat keine höheren Risiken als "normale" Investments.

IM FOKUS: Und welche Geldanlage passt zu mir?

Faust: Es gibt keine allgemeine Definition oder gar ein Gesetz, in dem festgelegt ist, was eine nachhaltige Geldanlage ist. Daher gibt es eine Vielzahl von Fonds mit  sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Möchte man sich selber nicht intensiv damit beschäftigen, dann kann man sich bei seiner Bank beraten lassen und sich am Nachhaltigkeits-Label vom Forum Nachhaltige Geldanlagen orientieren. Man kann auch in Nachhaltigkeitsindizes wie den Ökodax oder den Naturaktienindex investieren.

IM FOKUS: Was hat es damit auf sich?

Faust: In diese Indizes werden nur Aktien und Anleihen von Unternehmen aufgenommen, die festgelegte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Hierbei greift man auf die Erkenntnisse von Nachhaltigkeitsagenturen zurück. Bei Informationen über Kinderarbeit oder Umweltschäden werden die Unternehmen sofort aus dem Index entfernt.

IM FOKUS: Ein erster Schritt ist auch schon die Entscheidung, wo ich mein Girokonto eröffne. Welche Nachteile muss ich denn bei Alternativbanken eventuell in Kauf nehmen?

Faust: Die Alternativbanken sind nicht überall vertreten, das meiste geht über Telefon oder Internet. Für die Kontoführung müssen Sie aber nicht unbedingt viel mehr zahlen als bei anderen Banken. Und die Verzinsung spielt zurzeit ohnehin keine Rolle, da die Zinsen überall niedrig sind

IM FOKUS: Auch jenseits der Alternativbanken wird es große Unterschiede zwischen den Banken geben. Wie nachhaltig sind denn Sparkassen und Volksbanken?

Faust: Was mit dem Guthaben auf dem Girokonto passiert, kann der Bankkunde zwar nicht beeinflussen. Sie können aber bei einigen Banken nachhaltige Sparbriefe abschließen. Insgesamt ist es schon so, dass der gute Ruf für Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehr wichtig ist, weil sie ja in der Region verwurzelt sind. Eine Kreissparkasse würde wohl eher nicht einen großen Umweltverschmutzer in ihrem Geschäftsgebiet finanzieren. Oder einen Waffenhändler. In der Regel verbleibt das Geld der Anleger auch in der Region, während Großbanken auch Unternehmen im Ausland finanzieren.

Im FOKUS: Wie sehen Sie die Zukunft der nachhaltigen Geldanlage?

Faust: Die Alternativbanken wachsen, aber das Thema Nachhaltigkeit muss aus der Nische heraus. Viele Menschen würden ihr Geld nachhaltig anlegen, fühlen sich jedoch nicht gut informiert und werden auch von ihrer Bank hierzu nicht beraten. Da sehe ich auch Sparkassen und Volksbanken gefordert. Es ist schade, dass gerade diese Institute, die ja von ihrem Auftrag her die Region fördern sollen, nicht noch mehr auf Nachhaltigkeit setzen.

Die Fragen stellte Julia Romlewski

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Im Netz:

Ökotest (Ausgabe April 2017) hat grüne Geldanlagen unter die Lupe genommen: Wenig Licht, viel Schatten

Studie von Facing Finance: Alles im grünen Bereich? Wie deutsche Banken weltweit zu Umwelt- und Klimaschäden beitragen (pdf, 1,7 MB)

Zum Nachhaltigkeits-Label des Forum Nachhaltige Geldanlage auf www.forum-ng.org