Manche Benimmregel ergibt sich von selbst: Von hinten gegrüßt zu werden ist eher unangenehm (Foto: Julia Romlewski)
03.12.2014
Stilfragen

Zehn Regeln für den Kantinenbesuch

Wie grüßt man eigentlich richtig in der Kantine? Und darf ich einfach gehen, wenn ich fertig bin? Worüber spricht man mit dem Chef? Der kleine Kantinenknigge. Von Julia Romlewski

1. Grüßt man in der Kantine?

Grüßen ist laut Knigge-Trainer Johannes Walter durchaus erwünscht. Ein Kopfnicken, ein kurzes "Hallo", "Grüß Gott" oder "Guten Tag" genügt aber. Händeschütteln ist nicht üblich. Walter rät auch davon ab, auf den Tisch klopfen und "Mahlzeit" sagen. Mit dem Gruß "Mahlzeit" ist es so eine Sache. In früheren Zeiten wünschte man sich bei Tisch eine "gesegnete Mahlzeit". Heute ist "Mahlzeit" eine  Mischung aus Mittagsgruß und "Guten Appetit" und in manchen Unternehmen durchaus noch üblich. Manche benutzen den Gruß allerdings generell zur Mittagszeit, egal ob sie gerade auf dem Weg zum Essen sind oder zur Toilette. Vielleicht halten ihn deshalb auch viele Etiketteexperten für eine Unsitte. Nicht darauf zu antworten sei allerdings auch unhöflich, warnt Moritz Freiherr Knigge, der Nachfahre von Kniggepapst Adolph Freiherr Knigge. Wie man zurückgrüßt, bleibt aber jedem selbst überlassen. Bei Tisch kann man auch mit "Guten Appetit" antworten.

2. Kleiderordnung: Jackett an oder aus?

Walter rät: "Wenn Sie beim Betreten der Kantine Ihr Jackett anhaben, behalten Sie es auch an." Knöpfe öffnen ist erlaubt. Was gar nicht geht: Das Jackett über die Lehne hängen.

3. Darf ich mich zu meinem Vorgesetzen setzen?

Grundsätzlich ja. Man sollte aber besser nachfragen. Das, so Walter, gelte bei allen bereits besetzen Tischen. Wenn man allerdings sehe, dass sich der Chef in einem (angeregten) Zweiergespräch mit der Abteilungsleitung oder mit anderen wichtigen Leuten befinde, solle man sich besser einen anderen Platz suchen. Einzige Ausnahme: Alle anderen Plätze in der Kantine sind bereits besetzt.

4. Worüber redet man beim Essen?

Üblich sind die bekannten Smalltalk-Themen wie Wetter, Arbeitsweg, Urlaub, Hobbys. Knigge-Trainer Walter rät dazu, Dinge zu fragen, auf die man etwas ausführlicher antworten muss. Mit Ja/Nein-Fragen kommt ein Gespräch eher schlecht in Gang. Worüber man besser nicht spricht: Religion, Politik, Geld, persönliche Probleme, Gerüchte. Tabu: Über Abwesende tratschen.

5. Darf man über das Essen meckern?

Nach Knigge ist meckern out. Wenn es nicht schmeckt, kann man es dem Küchenchef oder der Kantinenleitung mitteilen. Seinem Ärger lauthals Luft machen? Lieber nicht.

6. Muss ich Smalltalk machen, wenn ich mich zu jemandem dazusetze?

Grundsätzlich kann man nach der Frage, ob der Tisch noch frei sei, durchaus ein Gespräch beginnen. "Bemerken Sie jedoch, dass Ihr Gegenüber lieber in Ruhe gelassen werden will, dann sagen Sie auch nichts mehr", rät Benimmexperte Walter.

7. Plätze für Kollegen freihalten:

Klare Antwort: Ja. "Aber bitte keine Jacken über den Stuhl hängen", sagt Knigge-Trainer Walter. Falls sich jemand auf den reservierten Platz setzen möchte, könne man freundlich darauf hinweisen, dass der Platz reserviert sei.

8. Ist es unhöflich, wenn ich schon anfange zu essen, solange noch nicht alle am Tisch sind?

Bei Verabredungen sollte man warten, bis alle da sind. Dauert es sehr lange, kann derjenige, der sein Essen noch nicht bekommen hat, den anderen mitteilten, dass sie schon anfangen können.Trifft man sich zufällig in der Kantine, kann man beginnen, sobald man sitzt. 

9. Wann darf ich aufstehen?

Jederzeit - wenn man nicht verabredet war. Ein Abschiedsgruß ("Auf Wiedersehen" oder "Tschüss") gehört aber schon dazu. War man zum Essen verabredet, warte man, bis alle fertig seien, so Walter. Ausnahme: Man hat einen wichtigen Termin. Dann entschuldigt man sich für das vorzeitige Aufstehen.

10. Woran man guten Stil noch erkennt:

Zum Beispiel an der Art, wie jemand sein Essen bestellt. Man sollte in ganzen Sätzen sprechen und die Bestellung mit einem Gruß beginnen.

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