Hübsch, aber gefährlich: Die Kanadische Goldrute vermehrt sich durch intensiven Samenflug in Windeseile und bringt so heimische Pflanzenarten in Gefahr. (Foto: Imago)
05.04.2018
Einwanderer im heimischen Garten

Was Hobbygärtner wissen müssen

Knöterich, Goldrute und Co. finden sich in vielen heimischen Gärten, dabei sind sie dort eigentlich fremd. Welche Wirkung haben sie auf heimische Pflanzen und wie wird man die Invasoren wieder los? Von Marta Fröhlich

Nicht nur die Landwirtschaft oder Kommunen im öffentlichen Raum haben mit gebietsfremden Pflanzen zu kämpfen. Auch der eigene Garten gibt sogenannten Neophyten eine Heimstatt - ob gewollt oder ungewollt. Fragen und Antworten zum Thema pflanzliche Einwanderer:

Was sind eigentlich gebietsfremde und invasive Arten?

Gebietsfremd sind Tiere und Pflanzen, die durch den Einfluss des Menschen zu uns gekommen sind. Laut dem Bundesamt für Naturschutz unterschiedet man zwischen den etablierten Arten, die sich in der Natur dauerhaft halten und verbreiten können, und den unbeständigen Arten, die nur vereinzelt nachgewiesen wurden. Das Bundesamt zählt aktuell etwa 450 etablierte und rund 1600 unbeständige Arten.

Dabei sind bei Weitem nicht alle gebietsfremden Arten per se für die biologische Vielfalt gefährlich. Nach Einschätzung des Naturschutzamtes gehört nur jede zehnte von ihnen zu den sogenannten invasiven Arten. Durch ihre extreme Wuchs- und Vermehrungsfreude breiten sie sich im Garten rasant aus und machen sogar vor Gartenzäunen nicht halt. Einmal ausgebüxt, machen invasive Neophyten heimischen Arten in freier Wildbahn das Leben schwer. Sie konkurrieren um Lebensraum und Ressourcen, übertragen Krankheiten oder verändern sogar durch Kreuzung mit einheimischen Arten den Genpool.

Wie wandern die Arten nach Deutschland ein?

Viele Wege führen in die heimische Flora. Einerseits gelangen vor allem Samen in Vogelfuttermischungen ins Land, andererseits finden sie als blinde Passagiere auch in Transportverpackungen oder als Teil von Blumenerde ihren Weg. Aber auch der Mensch selbst bringt Samen und Pollen in Kleidung, Gepäck oder am Körper von Reisen mit.

Eine große Rolle spielt jedoch die beabsichtigte Einfuhr von Zier- und Nutzpflanzen. Historische Beispiele sind dabei die Kartoffel oder die Tomate, die beide aus Süd- und Mittelamerika zu uns gekommen sind. Durch die globale Vernetzung können sich Hobbygärtner heute schnell und einfach gebietsfremde Pflanzen sogar bis an die Haustür liefern lassen, die Gärtnereien bieten ein immer breiter gefächertes Sortiment an. So finden sich in den meisten Hobbygärten auch Arten, die hier eigentlich nicht heimisch sind.

Welche beliebten Pflanzen gelten aktuell als invasiv?

Als besonders gefährlich gilt die kanadische oder Späte Goldrute, die auch in vielen Gärten anzutreffen ist. Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt stattdessen den heimischen Gilbweiderich oder das Echte Johanniskraut. Auch verschiedene Sorten des Springkrauts - darunter das Asiatische, das Kleinblütige oder das Drüsige Springkraut - sollten gemieden werden, empfiehlt Susanne Spatz-Behmenburg von der Bioland-Staudengärtnerei Spatz und Frank aus dem oberbayerischen Oberhausen.

Sie warnt ebenso vor den frühen Sorten des Chinaschilfs, dem beliebten Essigbaum, der Späten Traubenkirsche oder verschiedenen Staudenknöterichen. „Bei manchen Sorten muss man jedoch abwägen“, schränkt die Gärtnerin ein. Der Schmetterlingsflieder zum Beispiel gilt eigentlich als invasive Pflanze. Er verholzt im Alter und wird dann winterhart, kann dichte Bestände bilden und so die heimische Vegetation verdrängen. „Andererseits kommt er, wie sein Name schon verrät, sehr gut bei Schmetterlingen und anderen Insekten an“, erklärt sie. Hobbygärtner sollten selbst entscheiden, was ihnen wichtiger ist.

Was können Hobbygärtner gegen invasive Arten im Garten tun?

Wer die invasiven Arten aus seinem Garten vertreiben möchte, dem rät Susanne Spatz-Behmenburg, sich in Konsequenz und Geduld zu üben. „Das Springkraut sollte man rechtzeitig abmähen, die Blüten der Goldrute noch vor der Samenbildung abschneiden“, weiß sie. Bei Pflanzen wie dem Knöterich oder auch der Späten Traubenkirsche sollten Gärtner nach dem Roden möglichst alle Wurzeln entfernen und mehrjährig nacharbeiten. Bei allen invasiven Arten gilt aber vor allem: das gesamte Pflanzenmaterial nicht auf dem Kompost, sondern im Restmüll entsorgen - oder gar nicht erst einpflanzen.

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