15.03.2018
Tierporträts

Susi, Henry und die andern

Jede Tierart ist ein Gewinn - sechs Bauernhoftiere stellen sich und ihre Artgenossen vor. Von Jutta Schneider-Rapp

Fotos: Jutta Schneider-Rapp
Whitey, das Traumtier

Alter: 10 Jahre

Besondere Stärken: Sicher, sanft und sensibel

Motto: Schafe schaffen fast alles

Wir Schafe sind die Königstiere der Tiergestützten Arbeit. Dank unseres dicken Wollmantels vertragen wir auch ungeschickte Berührungen. Wir selbst sind bei der Kontaktaufnahme jedoch sehr sensibel. Erst beriechen wir "das Fremde". Dann folgen zarte Maulberührungen. Im Gegensatz zu Ziegen wissen wir genau, wo der Pullover aufhört und das "Menschenfell" anfängt. Deshalb sind wir ideal für unsichere Kinder. Da wir selbst bei Stress weder beißen noch treten, sind auch Menschen mit schweren Behinderungen bei uns sicher aufgehoben. Menschen im Rollstuhl können uns buchstäblich auf Augenhöhe begegnen. Nur acht Stunden Fresspausen täglich müssen sein. Dafür vermitteln wie beim Wiederkäuen Ruhe, Zufriedenheit und Schmusebereitschaft. Das beruhigt hyperaktive Kinder. Ansonsten sind wir Schafe sehr soziale Wesen. Von unserem starken Wir-Gefühl in der Herde könnt ihr Menschen soziales Verhalten lernen. Und nicht zuletzt könnt ihr mit unserer Wolle eure Feinmotorik schulen: Waschen, Kämmen, Filzen, Spinnen und Weben - keine andere Tierart bietet so viel Stoff.

Susi, die Fitnesstrainerin

Alter: 3 Jahre

Besondere Stärken: akrobatisch, aktiv und neugierig

Motto: Ziegen fördern Vitalität und Durchsetzungskraft

Wir Ziegen sind sehr muntere und lebhafte Tiere. Wir klettern gerne und springen mit Vorliebe auf erhöhte Gegenstände. Ohne Mühe könnt ihr uns kleine Tricks und Kunsttücke beibringen. So ein Ziegensportprogramm macht vor allem aktiven und bewegungsfreudigen Kindern Spaß. Da wir sehr eigenwillig sind, eignen wir uns aber auch für Kinder, die sehr viel Rückmeldung brauchen. Denn wir reagieren viel schneller als andere Bauernhoftiere, wenn uns etwas nicht passt. Mit unserer Eigenwilligkeit können wir aber auch Schüler mit geringem Durchsetzungsvermögen trainieren. Wenn wir zum Beispiel Schnürsenkel oder Reißverschlüsse aufmachen, lernen die Kinder klar Stopp zu sagen und sich durchzusetzen. Aber natürlich könnt ihr uns Ziegen auch ganz nah kommen. Am besten wenn wir es uns zum Wiederkäuen auf der Weide liegend gemütlich machen.

Micky, der Unterhaltungskünstler

Alter: 5 Jahre

Besondere Stärken: Lebensfroh, motivierend und immer einsatzbereit

Motto: Minischweine machen mobil und munter

Wir Minischweine sind genau wie unsere Vorfahren, die Wildschweine, stets aktiv: Von Natur aus schnüffeln und wühlen wir tagsüber eigentlich immer und überall nach Futter. Allein uns zu beobachten ist die reine Freude. Alles, was man uns vor den Rüssel hält, erkunden wir sofort. Mittels leckerer Futterhäppchen können wir über pendelnde Wippen laufen, Teppiche ausrollen, mit einem Ball spielen, durch einen Tunnel kriechen und vieles mehr. So motivieren wir Kinder, selbst aktiv zu werden. Daneben sind wir sehr kommunikativ: wir können grunzen, quieken und laut schmatzen. Das gefällt Jung und Alt und muntert in sich gekehrte Menschen auf. Dank unseres authentischen Wesens sind wir Schweine wertvolle Co-Therapeuten. Mit ärgerlichem oder ängstlichem Quieken oder zufriedenem Grunzen signalisieren wir unmissverständlich, wie wir uns fühlen. So bekommen die Kinder sofort eine Rückmeldung, ob sie sich schweinegerecht verhalten haben.

Henry, der Schwarm aller Hühner

Alter: 3 Jahre

Besondere Stärken: hochkommunikativ, megawachsam und menschenfreundlich

Motto: Hühner schulen die sieben Sinne

Wir Hühner bieten so viele Sinneserfahrungen wie Sand in unserem Staubbad ist: Wir lassen viel von uns riechen, hören und sehen. Wir krähen, glucksen, gackern und gurren. Unser Federkleid, unser harter Schnabel und unsere rauen Krallen bieten ganz eigene Streichelerlebnisse. Wir eignen uns aber auch als Pädagogen, weil wir unser Gegenüber exakt spiegeln. Sind die Menschen zu laut oder grob, reagieren wir sofort mit ängstlichem Gackern oder gar der Flucht. So merken sie sofort, ob ihr eigenes Verhalten passt. Wer uns auf den Arm nehmen will, lernt sich selbst zurückzunehmen und zur Ruhe zu kommen. Allein schon das Beobachten, wenn wir eifrig im Boden scharren und unseren normalen Alltag leben, macht Spaß. Wenn die Kinder unsere Eier sammeln dürfen, sind sie tierisch begeistert. Bei uns ist jeden Tag Ostern. Nur Eier auszubrüten und Küken schlüpfen zu sehen, kann noch schöner sein.

Luis, die tragende Säule des Hofes

Alter: unbekannt

Besondere Stärken: gelassen, überlegt und belastbar

Motto: Esel berühren Herz und Seele

Wir Esel sind ganz gelassene Zeitgenossen. Das haben wir von unseren Vorfahren übernommen, die im kargen, bergigen Gelände überleben mussten. Unsere demütige Körperhaltung und unsere großen Augen öffnen das Herz vieler Menschen. Unsere ruhige Ausstrahlung und unser ruhiges Tempo beim Gehen fördern besonders bei hyperaktiven Kindern die Konzentration und Geduld. Trotz unserer sanftmütigen Art sind wir aufgeschlossen und lernwillig. Deshalb könnt ihr uns ohne Probleme verschiedenste Tätigkeiten wie Eseltrekking, Eselkutschfahrten und Kunststücke beibringen. Am liebsten gehen wir mit euch gemeinsam in die Natur. Wenn die Kinder nicht mehr können, tragen wir sie oder übernehmen ihre Lasten. Das tut kein anderes Bauernhoftier! Aber auch unser besonnenes Verhalten bei Gefahr lässt sich pädagogisch gut nutzen. Während Pferde panisch die Flucht ergreifen würden, bleiben wir Esel eher stehen und handeln überlegt. Deshalb sollte es kluger und nie sturer Esel heißen.

Paula, der ruhende Pol

Alter: unbekannt

Besondere Stärken: ruhig, rhythmisch, und gemütlich

Motto: Die Kraft liegt in der Kuh

Wir Kühe sind sehr feinfühlige und soziale Lebewesen. Da wir nur halb so schnell wie Menschen sind, passen wir wunderbar zu Kindern mit körperlichen Einschränkungen. Unsere gemächlichen Bewegungen beim Führen helfen den Kindern ihre eigene mangelnde Koordination in einen Rhythmus zu bringen. Gerne bringen wir Kindern Einfühlungsvermögen und Geduld bei. Denn mit Druck, Geschrei und Gewalt läuft bei uns nichts. Dann "streiken" wir. Das fordert von den Kindern die hohe soziale Kompetenz, unsere Bedürfnisse zu reflektieren und gegebenenfalls die eigenen Verhaltensweisen zu korrigieren. Wir fressen viel und lange. Beim Wiederkäuen sind uns Menschen zum Streicheln und Schmusen sehr willkommen. Mit unserer Ausgeglichenheit beruhigen wir ängstliche Kinder, hyperaktive Kinder oder sogar größere Gruppen. Darüber hinaus verschaffen wir Kühe Jung und Alt unvergleichliche Erfahrungen. Melken, kuhwarme Milch trinken und Milchverarbeitung, fördern motorische Fähigkeiten und schaffen unvergessliche sinnliche Erlebnisse.

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