Für Kuh Patrize kann man eine Patenschaft übernehmen (Foto: Andechser)
13.06.2017
Meine Kuh, mein Huhn, mein Obstbaum

Post von der Kuh

Kuh gefällig? Aber ohne Muh und Mist? Dann ist eine Patenschaft genau das Richtige für Sie. Als Pate erfahren Sie auch Persönliches von den Tieren. Zum Beispiel, dass Kuh Patrize auf Musik im Melkstand steht. Von Magdalena Fröhlich

Huhn, Kuh - oder soll es vielleicht eine Lupine sein? Patenschaften kann man sowohl für Tiere als auch für Pflanzen übernehmen. Die Konzepte dazu sind unterschiedlich. Mal bekommt man Eier, Fleisch oder Honig direkt von seinem Patentier, mal Lebensmittel, die von Tieren aus der gleichen Herde stammen, oder im gleichen Unternehmen produziert werden. Dafür zahlt der Kunde einen monatlichen oder einen Jahresbeitrag. So hat der Bauer eine langfristige Abnahmegarantie und kann zum Beispiel besser planen, ob es sich lohnt, in einen zusätzlichen Hühnerstall zu investieren. Er weiß dann, dass er nicht auf den Eiern sitzen bleibt. Auch wer einen Hofladen hat, kann so besser mit seinen Kunden ins Gespräch kommen und sie am Hofleben teilhaben lassen. Der Betrag, den man für eine Patenschaft bezahlt, entspricht aber meist nicht dem, was man für die Lebensmittel im Laden bezahlt - er liegt in der Regel darüber. Wieso also sollte man das als Kunde tun?

Biolandbauer Broll mit seinen Kühen (Foto: Andechser)
Biolandbauer Broll mit seinen Kühen (Foto: Andechser)
Zum Beispiel wegen der Post. Wenn Petra F. zum Briefkasten geht, dann könnte auch eine Nachricht von Patrize dabei sein. Darin schreibt sie, was es gerade zum Essen gibt und wie es den Kindern geht. Patrize ist eine Kuh und Petra ihre Patin. Wie rund hundert andere Paten, ermöglicht sie es, dass noch mehr Kühe ein artgerechtes Leben führen dürfen.

"So erhält der Verbraucher einen ganz persönlichen Kontakt zu seinem Tier auf dem Biohof", erklärt Irmgard Strobl. Sie ist die Leiterin der Marketingabteilung der Andechser Molkerei Scheitz. 96 Euro bezahlt Petra im Jahr für "ihre" Kuh. Dafür bekommt sie zwei Pakete mit Joghurt, Käse und anderen Produkten aus der Molkerei, die täglich den Biolandhof des Bauern Martin Broll anfährt, auf dem Patrize ihr Zuhause hat.

Rund 60 Euro ist das Paket wert. Der Großteil des Restgeldes fließt nicht an die Andechser Molkerei Scheitz, sondern zu Bauer Broll. An die Molkerei geht nur ein kleiner Obolus für die Verwaltung. Das Geld würden sich die Landwirte, die beim Patenschafts-Projekt mitmachen, aber nicht in die eigene Tasche, sondern in das Wohl der Tiere stecken. "Viele der Bauern haben zum Beispiel eine Massagebürste für den Stall oder für die Weide gekauft", erklärt Strobl. Dafür zahlt Petra gern, sagt sie. Der direkte Bezug zu einem Hof mit seinen Tieren und dort zu erfahren, was gerade los ist, wann zum Beispiel Weideaustrieb ist oder dass manche Kühe gern Musik im Melkstand hören, würde sie sonst nicht erfahren. Und wenn sie Bauer Broll vorher Bescheid gibt, kann sie Patrize im Voralpenland auch besuchen.

Infos: www.kuhpatenschaft.de

Eier, soviel das Huhn legen kann für elf Euro im Monat, dazu ein Suppenhuhn und den Bruderhahn. Das bekommt man auf dem Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen in der Nähe von Aachen. Die Hühner kann man im Auslauf beobachten.

Infos: www.bioland-gauchel.de

Hier auf dem Hof Gasswies in Klettgau (Baden-Württemberg) gibt’s nichts fürs Geld, außer einer Urkunde und einem Tag auf dem Hof. Nichts ist aber zu wenig und stimmt so nicht ganz. Wenn die Kuh ein Kalb bekommt, wann es ab nach draußen auf die Weide geht und so weiter - das erfahren exklusiv die Paten. Und sie fördern mehr Öko beim Biohof: Die Kühe haben hier Hörner und die Kälber dürfen bei ihrer Mutter bleiben. Das kostet - und deshalb kann man für 120 Euro im Jahr eine Kuhpatenschaft übernehmen. Die Milch muss man wie jeder andere Kunde auch kaufen.

Infos: www.patenschaft.hof-gasswies.de

Wer lieber eine Bienenpatenschaft übernehmen möchte, ist bei Biolandimker Peter Hape richtig. Für die "Miete" erhält man sein eigenes Bienenvolk und bekommt dafür Anleitungen vom Imker. Er erklärt dann, was zu tun ist, und wie man sich am besten um seine Bienen kümmert.

Infos: www.honig-auslese.de

Wer Honig aus dem eigenen Garten will, wo die Bienen der Bioland-Imkerei Berghane die Bäume bestäuben, kann hier eine Patenschaft übernehmen. Selbst muss man dazu nichts weiter an den Bienen machen. Die Variante, dass der Imker bei den Bienenarbeiten unterstützt und man selber am Bienenstock arbeiten kann, gibt es auch.
www.berghane.de

Wer dem Imker lieber nur zusehen und Honig haben möchte, der kann hier eine Patenschaft für ein Bienenvolk übernehmen, das die Biolandimkerei "Heimathonig" extra für den Paten neu gründet. Dem Volk darf man dann auch einen Namen geben und man erhält regelmäßig Infos aus dem Stock. Hier muss man aber bedenken, dass man nicht jederzeit ein Bienenvolk gründen kann - im Winter etwa geht das nicht. Infos: www.heimathonig.de

Hier ist die Patenschaft eher symbolisch. Wer bei der Biologischen Station Zwillbrock e.V. Pate einer Moorschnucke wird, unterstützt die Naturschutzarbeit der Schäferei Moorhof. Die Schafrasse "Moorschnucke" zählt zu den vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen, kommt aber - wie der Name schon verrät - gut mit Moorböden klar. Nasse Hufe machen ihr nichts aus. Die Paten können ab 50 Euro im Jahr eine Patenschaft übernehmen und erhalten dafür Informationen aus der Schäferei und werden zu Patenschaftstreffen eingeladen.

Infos: www.bszwillbrock.de

Statt für Tiere kann man auch für Pflanzen eine Patenschaft übernehmen. So bietet der Biolandhof Kelly eine für die verschiedenen Kulturen an, die hier auf dem Acker wachsen. Zum Beispiel Lupine, Buchweizen, Mohn oder Zuckerrüben - allesamt Pflanzen, die eher selten angebaut werden. 20 Euro kostet eine Patenschaft. Als Gegenleistung erhält man dafür ein Produkt aus der jeweiligen Kultur, zum Beispiel einen Lupinenkaffee. Außerdem erfährt man rund acht Mal pro Saison, wie die Pflanzen gedeihen und was der Biolandbauer gerade auf dem Acker macht.

Info: www.biolandhof-kelly.de

 

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