Teurer Boden: Biobauern brauchen viel Land für ihre Tiere (Foto: imago)
27.06.2017
Alternative Anlagen

Mein Geld arbeitet für den Biolandbau

Wer Bioprodukte kauft, fördert den ökologischen Landbau - logisch! Man kann darüberhinaus aber auch direkt als Anleger in den Biolandbau investieren - und so Biobauern in der eigenen Region unterstützen. Das geht auch mit kleinen Summen. Reich wird man dabei allerdings nicht. Von Julia Romlewski

Viele kaufen gerne Biolebensmittel und versuchen auch sonst, umweltfreundlich zu leben - aber ihr Erspartes geben sie immer noch Banken, ohne zu wissen, was die eigentlich mit ihrem Geld anstellen. Banken, die vielleicht in fragwürdige Projekte investieren und die Umweltzerstörung vorantreiben. Es gibt aber inzwischen einige Banken, die andere Wege gehen und zum Beispiel gezielt den Biolandbau oder andere nachhaltige Projekte unterstützen.

Oder man investiert direkt in den Biolandbau. Es gibt Genossenschaften, die Flächen für den Biolandbau kaufen und zu fairen Preisen an Biobauern verpachten. Gewinne darf man da in der Regel aber nicht erwarten. Eine gute Idee für alle, die nicht auf Renditen angewiesen sind oder deren Geld ohnehin gerade ohne nennenswerte Verzinsung bei der Bank herumliegt. Was man wissen muss: Meist sind die Einlagen einige Jahre gebunden, damit die Initiativen Planungssicherheit haben.

Hier einige Beispiele, wie Sie den Biolandbau unterstützen können:

  • Kulturland eG: Das ist eine Bürgervereinigung, die Ackerland und Wiesen kauft und an bäuerliche Biobetriebe längerfristig zu fairen Preisen verpachtet - in Zeiten hoher Boden- und Pachtpreise. Die Genossenschaft hat zum Beispiel dem Bioland-Betrieb Gasswies in Klettgau in Baden-Württemberg aus der Klemme geholfen, als dessen Verpächter kündigte und der Hof auf einen Schlag sechs Hektar Land verlor. Man kann sich mit Genossenschaftsanteilen zu je 500 Euro an den Flächen beteiligen. Zinsen gibt es keine. Jeder Genosse, der den Biolandhof unterstützt, erhält dort einen Einkaufsrabatt von zwei Prozent auf Obst, Edelbrände und Fleisch. Je mehr Bürger Anteile kaufen, desto schneller hat die Genossenschaft wieder Mittel frei, um dem nächsten Biohof zu helfen.

  • BioBoden Genossenschaft: Das Bochumer Unternehmen will den Bioanteil in Deutschland steigern, indem es Boden und landwirtschaftliche Betriebe kauft und gegebenenfalls auf Bio umstellt. Die Genossenschaft betreibt selbst Landwirtschaft, kauft im Auftrag von Landwirten Land und verpachtet es an diese oder stellt ihnen Höfe zur Verfügung. Über die BioBoden Genossenschaft ist zum Beispiel der Biolandhof von Babette und Claus Andresen in Selk in Schleswig-Holstein vergangenes Jahr an zehn neue Hektar Land gekommen. Um mitzumachen, braucht man mindestens 1000 Euro. Wann es Gewinnausschüttungen geben wird, ist noch unklar. Jedes Mitglied ist zugleich Eigentümer und Geschäftspartner des Unternehmens, schreibt die Genossenschaft auf ihrer Homepage. Sie gründete sich 2015 und hat nach eigenen Angaben inzwischen über 3000 Mitglieder.

  • Regionalwert AG: In einigen Städten gibt es Regionalwert Aktiengesellschaften. Die Idee stammt von Christian Hiß aus Freiburg. Kleinanleger beteiligen sich an Unternehmen in ihrer Region und sichern so das regionale Angebot von Lebensmitteln. Mit dem eingesammelten Geld hilft die Freiburger AG seit mehr als zehn Jahren Kleinbetrieben in der Umgebung – vom Biobauern über Molkereien bis hin zum Restaurant. Die AG beteiligt sich als stiller Gesellschafter, damit Existenzgründer ihren Betrieb aufbauen und sozial und ökologisch führen können. Arbeiten die Unternehmen irgendwann profitabel, fließen die Gewinnanteile wieder an die Regionalwert AG zurück. Zurzeit werden in Freiburg keine neuen Aktien ausgegeben. Regionalwert AGs gibt es auch in Hamburg, im Rheinland und im Raum München (Isar-Inn).

  • Bürger AG im Rhein-Main-Gebiet: Dieses Konzept verfolgt auch die Frankfurter Bürger AG. Sie beteiligt sich an regionalen Bio-Unternehmen, die damit ihr Eigenkapital erhöhen und mehr Spielraum für Investitionen haben. Auch Biobauern werden unterstützt. So hat die AG etwa dem Bioland-Hof Tollgrün ein Kühlhaus mitfinanziert. Derzeit kann man keine neuen Aktien kaufen, es können aber auf Nachfrage Aktien von Aktionären übernommen werden. Rendite gibt es derzeit noch nicht. Dafür erhalten Aktionäre aber kostenfrei die Regionalkarte Hessen (Verkaufspreis 28 Euro), mit der sie in derzeit 35 Läden (auch online) Rabatte zwischen zwei und 14 Prozent bekommen. 

  • Ökonauten eG: Die Ökonauten helfen jungen Bauern in Berlin-Brandenburg bei der Existenzgründung. Mit den Einlagen der 97 Mitglieder will die Bürgergenossenschaft Land kaufen und es an Einsteiger und bestehende Biobetriebe verpachten. Mitmachen kann jeder ab einer Beteiligung von mindestens zwei Genossenschaftsanteilen zu je 250 Euro. Rendite gibt es auch hier keine, perspektivisch sollen die Mitglieder aber einen Teil der Ernte vergünstigt bekommen. Ein besonderes Anliegen der Genossenschaft ist es, den engen Kontakt zwischen Landwirten und Verbrauchern in der Region zu stärken. Die Ökonauten stehen aber noch ziemlich am Anfang. Bislang haben sie vor allem Land für eine Bio-Walnussanlage erworben.

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt in bestimmte Bio-Höfe zu investieren. Manche Betriebe geben eigene Genussrechte heraus. Das sind zum Beispiel Büffelaktien oder Hühneraktien. Die Verzinsung erfolgt dann in Naturalien. Beim Bioland-Hof Wack im Saarland kann man sich für neun Euro im Monat ein Huhn "mieten". Dafür bekommt man dann Eier und Fleisch. Auch kleinere Molkereien suchen hin und wieder nach Anlegern. So haben zum Beispiel fünf Bauern aus dem Kreis Tübingen mithilfe von Bürgern die Tübinger Bio-Bauernmilch GmbH gegründet.

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