Die 0 auf dem Ei steht für bio (Foto: Anja Riedel)
08.04.2015
Bioland-Gartenbloggerin Anja Riedel

Mein Besuch auf dem Bioland-Hof Engemann

Von Anja Riedel

Gemeinsam ist besser als einsam… Das denkt sich auch Klaus Engemann vom Bioland-Hof in Eissen und organisiert als Bürgervereinsvorsitzender einen jährlichen Kartoffelanbau und eine Apfelernte mit allen Dorfbewohnern. Das stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Austausch in der Gemeinde. Zugleich gibt es frische, ökologisch erzeugte Kartoffeln und leckeren Apfelsaft in Hülle und Fülle.

Im Frühjahr wird der rund 2000m² große Kartoffelacker zusammen bestellt. Dann ist die Vorfreude deutlich, wenn die Ernte im Herbst  gemeinschaftlich eingeholt werden kann. „Die Menschen können in der landwirtschaftlichen Tätigkeit wieder in die Aktion kommen und sind hautnah am Nahrungsmittel. Hier werden auch kleine Kartoffeln, die für den Handel nicht geeignet wären, verwertet und zu Hause als Pellkartoffeln auf den Tisch gebracht“, so Klaus Engemann. Das stärkt das Bewusstsein der Menschen für den Wert und die Qualität der Lebensmittel.

Die Dorfbewohner kümmern sich um die Apfel-Bäume (Foto: Anja Riedel)

Kollektives Apfelpflücken und Baumpaten

Was mich sehr beeindruckte, war die Apfelallee, am Rande eines Feldweges, wo im Herbst gemeinsam geerntet wird. Die Pflege der Bäume, die zum Teil schon sehr alt sind und nur kleine Früchte trugen, übernehmen Eissener Bürger nach Absprache.  So erzählte mir Klaus: "Nach dem Schnitt tragen die Bäume nun wieder große, pralle Früchte." Hier und da hing ein Zetteleien am Stamm mit dem Namen der Person oder Familie, welche sich um die Pflege eines bestimmten Baumes kümmert und damit ihren Anspruch auf die Ernte der Äpfel sichert. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Der Obstbaumbestand der Allee wird erhalten und dem ganzen Dorf zur Verfügung gestellt. Auch die Gemeindemitglieder, die keinen eigenen Obstbaum im Garten haben, bekommen auf diese Weise frische Äpfel im Herbst. Nach der kollektiven Apfelernte wird ein Großteil der Äpfel in der regionalen Mosterei zu köstlichem, naturtrüben Apfelsaft gemostet.    

Das klingt für mich nach zukunftsweisenden Initiativen im ländlichen Raum. Dabei geht es um die Stärkung der Region, effektive Ressourcen Nutzung und darum, die Menschen wieder für ihre Nahrungsmittel zu sensibilisieren. Obendrein wird der Gemeinschaftssinn gestärkt.

Wer jetzt auch Lust bekommen hat, den Hof der Engemanns in Eissen zu besuchen, ist immer herzlich eingeladen. Die Öffnungszeiten sowie Kontaktdaten findet ihr unter der Homepage des Hofes www.engemann-bio.de . Das kann auch gern mit einem kleinen Ausflug verbunden werden. Denn die Warburger Börde bietet mit ihrer reizvollen Landschaft ein schönes Ausflugsziel. Mit dem Rad auf dem Diemelradweg und der Bio-Börde-Tour gibt’s viel für Natur- und Bio-Begeisterte zu sehen und zu erkunden.

Auch ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei den lieben Menschen bedanken, die ich während meines Aufenthaltes am Biohof kennengelernt habe. Es war eine sehr bereichernde Zeit, in der ich nicht nur viel über den biologischen Anbau gelernt habe, sondern auch über das zwischenmenschliche Miteinander im Dorf Eissen. Vielen Dank und ganz liebe Grüße an Klaus & Sabine.

Im Hofladen der Engemanns

Mein erster Anlaufpunkt, als ich den Hof Engemann in Eissen besuchte, war der Hofladen. Hier wird Regionalität ganz groß geschrieben. Bereits auf dem Schild über dem Eingang konnte man lesen: "Hofladen. Wer weiter denkt, kauft näher ein."

Bio und regional - das Angebot im Hofladen (Foto: Anja Riedel)
Im Laden finden sich jede Menge Spezialitäten aus der Region. Saisonales Obst und Gemüse vom angrenzenden Acker der Engemann-Brüder und die frisch geernteten Bio-Champignons liegen in den Regalen. Herrlich, leckere Tomaten, duftende Kräuter, Rucola-Salat, frischer Blumenkohl, Kohlrabi, Brokkoli und noch vieles mehr. Im Juni ist bei den Engemanns große Erdbeerernte, darauf folgen die Himbeeren und jetzt im Herbst gibt es saftige Brombeeren.

An der Käse- und Wursttheke finden sich noch andere Spezialitäten von Biohöfen aus der Region. Besonders der Käse vom Biohof der Jacobis hat es mir angetan. Jeden Samstag gibt es Brötchen und regelmäßig frisch gebackenes Brot, selbstverständlichen aus biologischer Erzeugung. 

Wer gesundes Essen anbaut, wie die Engemanns, geht mit dem Thema Ernährung und Gesundheit auch sehr bewusst um. So findet sich hier und da im Laden ein Schildchen mit verschiedenen Gesundheitstipps für Kunden. Das ist eine schöne Idee und führt zu mehr Achtsamkeit in der Wahl des Speiseplans.

Hier wird Regionalität groß geschrieben (Foto: Anja Riedel)

Hühner-Mobil

Wieder ohne schlechtes Gewissen Eier essen! Die Eier aus den Legebatterien lehne ich grundsätzlich ab und auch Bodenhaltung ist für mich grenzwertig, wenn die Hühner kein Tageslicht sehen oder zu wenig Platz haben. Wir haben Glück und bekommen immer Eier von glücklichen Hühnern meiner Schwiegereltern, die auf dem Land leben.

Auf dem Hof der Engemann-Brüder leben 250 Hühner, die jeden Tag rund 200 Eier legen. Die Hühner leben im Freiland, haben sehr viel Platz und können sich bei schlechtem Wetter und bei Nacht in ein so genanntes Hühner Mobil zurückziehen. Das Hühnermobil ist ein kleiner Wagen, der immer wieder versetzt werden kann und sehr wendig ist. Im Mobil finden die Hühner Wasser, Futter, Unterschlupf und ihre Nester zur Eiablage. Diese Nester sind sehr clever installiert, sodass man von außen die Brutklappen öffnet, um die Eier zu entnehmen, ohne erst umständlich in das Mobil klettern zu müssen. Gefüttert werden die Hühner natürlich auch mit Biofutter, das zum großen Teil aus Getreide, Erbsen und Soja (aus dem Anbau der Engemann-Brüder in Thüringen) besteht.

Die Hühner der Engemanns haben viel Auslauf an der frischen Luft (Foto: Anja Riedel)

Alle zwei Wochen werden die Hühner umgesetzt und dürfen auf einem anderen Stück Land nach Würmern und Körnern scharren. Drei Hähne begleiten die große Hühnerschar und sorgen für Ruhe und Ordnung im Hühnergelände.       

Das Einsammeln der Eier macht besonders großen Spaß. Es ist ein Erlebnis, die noch warmen Eier aus dem mit Dinkelspelzen eingestreutem Nest zu holen. Später werden die Eier mit Hilfe einer Sortiermaschine nach Größen und Gewicht zusammengestellt. Bis sie zum Schluss gestempelt werden und dann im eigenen und in umliegenden Hofläden verkauft werden.  

Nur wenige Bauern bauen Bio-Champignons an (Foto: Anja Riedel)

Mein Besuch bei den Engemanns, Teil 2

In ihrem zweiten Video nimmt uns Bloggerin Anja Riedel mit in die Gewächshäuser der Engemanns und zeigt uns, wo die Champignons wachsen.

Wie sieht eigentlich eine Tröpfchen-Bewässerung aus, was verbirgt sich hinter Champost und wozu ist Kompost eigentlich gut? Hier erfahrt ihr es im Video, beim zweiten Teil des Rundgangs auf dem Biolandhof Engemann:

Mein Besuch auf dem Bioland-Hof Engeman, Teil 1

Die Idee hinter meiner Reise zum Bioland Hof Engemann war es, den großen landwirtschaftlichen Betrieben im ökologischen Landbau bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, sagt unsere Bloggerin Anja Riedel und lässt ihre Leser daran teilhaben.

Klaus Engemann bei der Möhrenernte (Foto: Anja Riedel)
Seit drei Jahren gärtnere ich nun zu Hause in unserem Bio-Garten-Reich und wurde als Gartenbloggerin vom Bioland-Team und ganz speziell vom Biohof Engemann eingeladen, diesen zu besichtigen. Zwei Tage hat sich Klaus Engemann, der zusammen mit seinem Bruder Andreas Engemann den Bioland-Hof in Eissen betreibt, für mich Zeit genommen. Es wurde besichtigt, Informationen wurden ausgetauscht und intensive Gespräche über die Ideale und Ziele im ökologischen Landbau diskutiert.

Diese spannende und bereichernde Zeit möchte ich nun gern in den folgenden Artikeln mit allen Natur- , Garten- und Freunden des ökologischen Landbaus teilen und natürlich mit denen, die sich inspiriert fühlen und es gern werden wollen!

Im September 2013 feierte der Bioland-Betrieb der Engemann-Brüder 25-jähriges Bestehen. Begonnen hat alles mit einer "Eiertour" und bald drauf folgte ein kleiner Bio-Abo-Kisten-Betrieb, wie mir Klaus erzählte. Im Jahr 1988 übernahmen die Brüder den elterlichen Hof, der zuvor verpachtet war, und die beiden machten sich daran, den ökologischen Landbau zu erweitern. Dabei verfolgen die Brüder hohe Unternehmensziele.

Firmenphilosophie und Unternehmensziele

Die ökologische Landwirtschaft hat oberste Priorität im Betrieb der Brüder. Schonende Produktionsmethoden und achtsamer Umgang mit der Natur wirken sich nicht nur positiv auf die Umwelt aus, sondern auch auf die Qualität der Lebensmittel. Davon konnte ich mich während meines Aufenthaltes persönlich überzeugen. Auf dem Bioland-Hof werden keine synthetischen Dünger oder Pestizide eingesetzt. Gründüngung und selbst produzierter Kompost bilden die Grundlage für eine gute Bodenqualität, Pflanzengesundheit und einen hohen Ernteertrag. Auch die Beschaffenheit der Lebensmittel aus dem Ökolandbau kann sich sehen lassen. Dazu kann ich nur sage: sehr lecker.

Leckere, bunte Bioland-Möhren (Foto: Anja Riedel)

Die bunten, süßen Karotten haben es mir besonders angetan. Es ist ein bisschen wie zu Uropas Zeiten, als es noch normal war violette, gelbe und orange Möhren aus dem Boden zu holen. Wenn sie auch noch süß und saftig sind, wie die auf dem Biolandhof, dann ist alles in bester Ordnung. Ob Wildkräutersalat, Tomate, Kohlrabi oder Brokkoli - biologisch erzeugte Lebensmittel schmecken besser und tun einfach gut.

Das zweite Unternehmensziel besteht darin, Kooperationen zu initiieren und zu leben. Das gelingt den Engemann-Brüdern schon sehr gut, wie ich festgestellt habe. Sie kooperieren mit verschiedenen Partnern von Thüringen bis in die Slowakei. In der Bioland-Kyffhäuser GbR in Thüringen, die die Brüder zusammen mit zwei weiteren Partnern gründeten,  wird hauptsächlich Getreide, Leguminosen, Ölsonnenblumen und Soja nach ökologischen Richtlinien angebaut. So auch in der von Bismarck Ackerbau GbR, an der die Engemann-Brüder seit 1996 beteiligt sind. Die Eulenhof GbR in Eissen ist ein weiteres Projekt, welches sich die Zucht von biologischen Champignons zum Ziel gesetzt hat. Seit 1996 werden am Eulenhof nun fleißig braune Bio-Champignons gepflückt.

Besonders Klaus macht sich stark für Aufklärung über den ökologischen Landbau und steht auch anderen Betrieben, die von einer konventionellen Produktionsweise auf eine ökologische umsteigen wollen, beratend zur Seite. Seiner Meinung nach ist die biologische Landwirtschaft die einzig richtige Form des Landbaus.

Während meines Aufenthaltes ist mir ebenso aufgefallen, dass die Bio-Bauern der Region ein sehr gutes Verhältnis miteinander haben und sich regelmäßig austauschen.

Das Firmenziel der Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum ist den Brüdern auch schon gelungen. Momentan beschäftigen sie rund 50 fest angestellte Mitarbeiter und in der Ernteperiode zahlreiche Erntehelfer.

Wenn man bereits so lange in der Bio-Branche tätig ist, wird einem auch irgendwann bewusst, dass es dabei nicht nur um Nachhaltigkeit, Naturschutz und leckere Nahrungsmittel geht, sondern auch um das Thema Gesundheit und gesunde Lebensführung. Klar, dass die schonende Produktionsweise im Ökolandbau Auswirkungen auf die Lebensmittel hat. So kann sich der Kunde sicher sein, dass sich keine Rückstände von Pestiziden in seinem Gemüse finden lassen. Sowieso ist ein hoher Konsum an Obst und Gemüse sehr gesundheitsfördern, wie wir ja alle wissen.

In den nächsten Artikeln möchte ich euch gern auf einen kleinen Rundgang über den Acker, die Champignonzucht und zum Hühnermobil mitnehmen.

Lasst euch überraschen!

Holunderbeeren: Lecker und Gesund

Jetzt ist Holunderbeeren-Zeit (Foto: Anja Riedel)
Letzte Woche waren wir unterwegs und haben an Feldwegen und auf dem Acker einige Holundersträucher besucht, um reichlich zu pflücken und zu ernten. Es hat sich gelohnt! Die Dolden waren üppig und prall und wir durften einen ganzen Eimer Beeren mit nach Hause nehmen. Natürlich haben wir auch für die Vögel noch genug Holunder hängen lassen.

Zu Hause angekommen, müssen die Beeren sehr schnell verarbeitet werden, damit sie nicht gären. Also hieß es waschen und abperlen. Das kann eine sehr langwierige Arbeit sein, denn man muss alle Beeren von den kleinen Zweiglein lösen und wenn möglich gleich aussortieren. "Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen" - oder auf den Kompost.

Wenn alle Beeren gewaschen und aussortiert sind, überlege ich jedes Jahr aufs Neue was ich daraus zaubern kann. Auf jeden Fall muss es immer die Holunder-Marmelade sein. Davon habe ich in diesem Jahr sechs kleine Gläser eingekocht. Der Holundersaft ist ebenfalls sehr beliebt bei den Kindern und kommt bei uns meistens im Winter bei Erkältungskrankheiten zum Einsatz. Denn die Holunderbeere wirkt unter anderem schweißtreibend und enthält viel Vitamin C. In diesem Jahr habe ich noch sechs Gläser Kompott eingekocht. Darin befinden sich Holunderbeeren in Kombination mit Apfel, Birne und Pfirsich, die wir alle am selben Tag geerntet haben.

Auch in unserem Garten befindet sich ein Holunderstrauch. Dort finden sich noch einige Dolden aus denen ich in den nächsten Tagen eine Holundersuppe nach einem Rezept meiner lieben Großmutter koche.

Hier nun eine kleine Inspiration für alle, die sich auch noch auf die Suche nach den leckeren Beeren machen wollen:

Rezept Holunderbeeren-Marmelade:

(Mit alternativen Süßungsmitteln und Geliermitteln auf pflanzlicher Basis)

Zutaten:

  • • 1 kg Holunderbeeren

  • • 4-5 EL Apfel Pektin

  • • Saft einer halben Zitrone oder 3-5 EL Essig (Pektin benötigt Säure zum Gelieren)

  • • 4 EL Birken-Zucker oder 300 ml Agavendicksaft oder eine Mischung aus beiden - je nach Geschmack nach Belieben können auch Gewürze wie Vanille oder Lavendel hinzugefügt werden

  •  Einweckgläser (dazu reichen auch bereits benutzte Gläser z.B. von Oliven, sauren Gurken... Diese müssen vorher gründlich gereinigt werden)

Zubereitung:

Die Früchte werden nach dem Waschen mit dem Zitronensaft oder Essig, dem Pektin und dem

Birkenzucker bzw. Agavendicksaft vermengt und zum Kochen gebracht. Nach einigen Minuten und dem guten Umrühren wird die heiße Marmelade mit Hilfe eines Trichters in Gläser abgefüllt und dann gut verschraubt (die Ränder müssen sauber sein) und über Kopf aufgestellt, bis sie erkaltet sind: FERTIG!

Guten Appetit und ein fröhliches Einkochen ;)

Rezept Holunderbeerensuppe

Zutaten:

  • • 500g Holunderbeeren (für ca. 2-3 Personen)

  • • 100-300ml Wasser (danach wie dick die Suppe sein soll)

  • • 2-3EL Speisestärke (z.B. Maisstärke)

  • • nach Belieben Süßungsmittel (Agavendicksaft, Birkenzucker, Ahornsirup)

  • • Vanille-Gewürz

TIPP: Als Alternative zu Speisestärke und Vanille einfach ein Päckchen Vanillepudding verwenden.

Zubereitung:

Ich gebe immer etwas Wasser in den Topf, damit die Beeren nicht anbrennen. Dann werden die Holunderbeeren hinzugefügt und erhitzt. Die Speisestärke bzw. das Puddingpulver wird in die kochenden Holunderbeeren eingerührt. Die Suppe wird gesüßt und circa 10 Minuten bei ständigem Rühren köcheln gelassen.

Ihr könnt die Suppe mit

  • • in Butter oder Öl gerösteten Brotwürfeln

  • • Hefeklößen oder

  • • Zwieback

reichen.

Bloggerin Anja Riedel hat es gerne bunt und natürlich (Foto: Anja Riedel)

"Unkräuter" oder Beikräuter im Garten

Dieses Jahr, da ich nun bereits etwas Erfahrung im Gärtnern sammeln durfte, habe ich mich gefragt, was da wohl noch an oftmals unerwünschten sogenannten "Unkräutern" wächst, und wozu diese wohl gut sind.

In meinem ersten Gartenjahr habe ich alles brav in Reihe angelegt und alle "Unkräuter" oder Gräser, die wild auf den Beeten wuchsen, entfernt. In diesem Jahr nun fragte ich mich, ob das denn wirklich der Natur entspräche, alle von ihr hervorgebrachten Pflänzlein, die auch einen Nutzen im Kreislauf erfüllen, sofort zu entsorgen. Mit dem Vorbild der Natur zu gärtnern heißt auch, sich mit den wild aufkommenden Pflanzen zu beschäftigen und sie beim Gärtnern einzubinden.

Wildblumen kann man meist essen - und sie sind wichtig für viele Insekten (Foto: Anja Riedel)
Gesagt, getan - so ließ ich mal hier, mal da ein Kräutlein auf den Beeten, um zu schauen was sich da entwickelt und um welche Kräuter es sich handelt. Dabei entdeckte ich die Gartenmelde, die am häufigsten aufkommt. Ab und an finden sich vor allem auf feuchten Böden die Vogelmiere und sogar einige Acker-Stiefmütterchen. Die kleinen, zarten und wunderschönen Blüten des Acker-Stiefmütterchens sind sogar essbar. Überhaupt stellte ich fest, dass fast alle der wild gewachsenen Beikräuter auf den Beeten essbar sind.

So ließ ich die Schafgarbe, die Nachtkerze, den Wegerich, die Brennnessel, die Vogelmiere, den Sauerklee, die Gartenmelde und das Acker-Stiefmütterchen sowie den Ackerschachtelhalm und sogar eine Königskerze auf meinen Beeten einfach mitwachsen. Auch im Gewächshaus findet sich unter den hoch gewachsenen Tomaten und Paprika ein Teppich aus Vogelmiere und roter Melde.

Die Gartenmelde (Foto: Anja Riedel)
Diese haben sich durch das Einbringen von Komposterde, in der sich Vogelmiere- und rote Meldesamen befanden, zu Hauf am Boden ausgebreitet. Das ist kein Problem, da sich die Pflanzen nicht gegenseitig behindern. Die nunmehr zwei Meter großen Tomatenpflanzen und einen Meter hohen Paprikas freuen sich über einen durchwurzelten und durchlüfteten Bodenbedecker, der die Feuchtigkeit besser im Boden hält.

So profitieren alle davon. Wir haben mehr zu essen und können unseren Rucola- oder Eichblattsalat mit einer Handvoll leckeren Wildkräutern verfeinern und die Pflanzen freuen sich in einer lustig, bunten Mischkultur mit den Bodenbedeckern zu stehen.

Vogelmiere und Rote Melde machen sich gut im Salat (Foto: Anja Riedel)
Doch das sind noch nicht alle Vorteile von Beikräutern im Garten! Wenn sie überhand nehmen oder die Kulturpflanzen überwuchern, so kann man sie zupfen oder schneiden und einfach als Mulch Material auf den Beeten verwenden oder direkt an Ort und Stelle verrotten lassen. Der Mulch bedeckt wiederum den Boden und dient als Nahrung für das Bodenleben. Das bedeutet eure Beikräuter werden zu einem nahrhaften Dünger für euren Garten. Also warum sagt man zu den Wildkräutern nochmal „Unkraut“ im Garten, wenn sie doch so viel Nutzen für uns bringen?

Über die Heilwirkung dieser oftmals unscheinbaren Pflanzen ganz zu schweigen! Es ist ein Wahnsinn, was uns da entgeht, wenn wir die ganze Zeit nur am „Unkraut“ -zupfen sind. Darüber sollte man wirklich mal nachdenken!

Für alle, die so einen Wildkräutersalat mal probieren wollen, kommt hier ein kleines Rezept nach Art des Hauses:

Zutaten für 4 Personen

  • • 1 Eichblattsalat oder Kopfsalat

  • • Eine Hand voll Rucola / Rauke

  • • 10 - 15 Stängel Vogelmiere (oberen Triebspitzen)

  • • 5-10 große Blätter der roten Melde oder Gartenmelde

  • • 3 – 5 Blüten der Nachtkerze und wahlweise 3 Blätter

  • • 3 - 5 Triebspitzen der Brennnessel

  • • 3 Zucchiniblüten (vorzugsweise männliche Blüten)

  • • Blütenblätter von 3 Ringelblumen

  • • 3 Tomaten

  • • Kürbiskerne nach Belieben

  • • Dressing aus: einem Schuss Agavendicksaft, 1 TL Senf, Pfeffer, 3 EL Apfelessig, Olivenöl nach Belieben

Wohl bekomms!

Aus Brennesseln kann man einen tollen Dünger herstellen, der die Pflanzen stärkt (Foto: Anja Riedel)

Der beste biologische Dünger für den Garten im Sommer

Als Biogärtner in einem naturnahen Garten ist es gar nicht so einfach mit dem Düngen. Das habe ich zumindest vor zwei Jahren gedacht. Falsch gedacht! In diesem Beitrag lernt ihr, wie man ganz einfach Bio-Dünger selber macht.

Als Biogärtner ist das Düngen sehr einfach, effektiv, heilsam für Pflanze und Tier und dazu noch kostenlos! Die Wundermittel heißen hier: Brennnessel und Beinwell. Aus ihnen sowie Kohlblättern lässt sich eine hervorragende, düngende und belebende Jauche zubereiten, die die Pflanzen nicht nur stärkt, sondern bei Schädlingsbefall sogar heilt.

Die Brennnesseljauche wirkt sehr schnell, wohingegen der Beinwell langsamer wirkt und länger vorhält. So ist eine Jauchenmischung aus den beiden Pflanzen sehr gut. Selbst habe ich noch keinen Beinwell im Garten, er wird wohl im nächsten Jahr auch in unseren Garten einziehen.

In diesem Jahr habe ich auf die Wunderpflanze Brennnessel zurückgegriffen. Sie ist wahrlich eine tolle Pflanze: Denn man kann sie vielfältig verwenden und sie strotzt vor guten Inhaltsstoffen. Wir essen die jungen Triebspitzen der Brennnessel in Salat oder trocknen sie, um Tee herzustellen. Die Samen der Brennnessel, die im Spätsommer reif sind, sind ebenfalls kostbare Eiweißlieferanten und im Salat ganz lecker. Man kann die Brennnessel auch vor der Blüte als Mulch-Material verwenden, sie stärkt die Pflanzen und hält Pilzkrankheiten fern. Die Brennnesseljauche ist ein super, biologischer Dünger für den Garten und ich verrate euch gern im nachfolgenden Video wie ihr diesen selbst herstellen könnt:

Video

 

 

Nicht nur für Bloggerin Anja Riedel und ihre Familie ist der Garten ein Ort der Erholung - auch viele Tiere fühlen sich hier wohl (Foto: Anja Riedel)

 

 

 

Der Garten - unser kleines Paradies

Für Bloggerin Anja Riedel ist der Garten nicht nur Lieferant für leckeres Obst und Gemüse, sondern auch ein Ort der Erholung. Wer die Bilder sieht, weiß, warum.

Freiland und unter Glas - Anja hat neben dem Beet ein Gewächshaus aufgestellt (Foto: Anja Riedel)
Vor drei Jahren begann ich in unserem Garten hinter dem Haus ein Beet anzulegen. Damals ging es mir um die Ernährung unserer kleinen Familie, die mir sehr am Herzen liegt. Ich wünschte mir für unsere damals kleine Tochter von einem Jahr, dass sie die Erdbeeren abpflücken und direkt genießen kann, dass wir uns zumindest im Sommer von Obst und Gemüse aus dem Garten gesund ernähren können.

Jetzt, nach drei Jahren Gartenerfahrung merke ich, dass uns der Garten noch viel mehr schenkt als Nahrung. Er ist ein Ort der Kraft, Ruhe und Heilung. Während der Arbeit im Garten fühle ich mich verbunden mit der Natur und wahrscheinlich führe ich auch eine Art innere Kommunikation mit den

Pflanzen, denn sie gedeihen wahrlich prächtig. Auch für unsere nun zwei Kinder ist der Garten eine Bereicherung. Sie ernten voller Freude Erbsen, Erdbeeren, Physalis und unsere ältere Tochter von nun bald vier Jahren mag auch Vogelmiere, Gartenmelde und Spinat sehr gern. Sie beobachten Schmetterlinge und haben einen riesen Spaß ihnen hinterher zu laufen. Erdkröten und Igel sind immer ein besonderes Highlight im Garten. Sie werden gespannt beäugt.

Der Garten schenkt uns also nicht nur frische, biologische Früchte sondern ist auch Lebens- und Spielraum für unsere Familie. Er erdet uns und verbindet uns ein Stück weit mit der Natur. Jedes Jahr erblüht der Garten von Neuem und eingebrachte Pflanzen samen sich selbst aus. Sie suchen sich ihren favorisierten Standort wie von Zauberhand und die Vielfalt an Gemüsen, Obst und Kräutern wächst stetig. Es ist eben ein kleines Paradies.

Bald tragen sie die ersten Früchte - die Paprika-Pflänzchen unserer Bloggerin Anja Riedel (Foto: Anja Riedel)

Der Frühling und das große Erwachen im Garten

Rund 300 Jungpflanzen stehen zurzeit in Anja Riedels Gewächshaus. Nach den Eisheiligen wandern die meisten von ihnen ins Beet. Dann soll es bis zum Herbst nur noch Obst und Gemüse aus eigenem Anbau geben.

Der Garten erwacht aus seinem langen, tiefen Winterschlaf und erblüht in voller Pracht. Die Apfelblüte hat sich bereits entfaltet - ein Zeichen, dass die Mitte des Frühlings schon erreicht ist. Huch, und noch ist so viel zu tun!

Radieschen und Salat passen gut zusammen

Die Beete sollten nun mal für die Aussaat vorbereitet werden. Einige Samen haben es schon ins Beet geschafft. So wachsen bereits Radieschen im Beet, natürlich neben Salat, den ich bereits im Februar vorgezogen habe. In dieser Mischkultur fühlen sich die Pflanzen wohl. Der Salat vertreibt den Erdfloh und hält unsere Radieschen bei guter Laune.

Noch nicht gekeimt sind Spinat und die alte und schon fast in Vergessenheit geratene Sorte des Erdbeerspinats. Auf ihn bin ich besonders gespannt - vor allem wie die kleinen roten Früchtchen und Blätter des Gemüses wohl schmecken werden.

Das Gewächshaus ist in diesem Jahr ganz besonders gut bestückt. Dort befinden sich zurzeit circa 300 Jungpflanzen. Von verschiedenen Tomatensorten wie Kasachstan Rote Flasche, Red Zebra, Ochsenherz, Cherry Plum und Wildtomaten über Bohne, Erbse, Gurke, Kohl, Kürbis, Neuseeländer Spinat, Paprika, Physalis, Zucchini, Zuckermais, Zwiebeln, jede Menge Kräuter und Sommerblumen.

Es ist ein herrliches Gefühl jeden Morgen in das Gewächshaus zu treten und den Pflänzchen beim Wachsen und Gedeihen zuzusehen. Jeden Tag werden sie ein wenig größer und recken sich den Sonnenstrahlen entgegen. Sie sind in diesem Stadium wie kleine Schützlinge um die man sich liebevoll jeden Tag kümmert, die Erde fühlt ob sie noch feucht genug ist und die Pflänzchen mit Wasser versorgt sind, das Wasser rechtzeitig ins Gewächshaus stellt, damit es sich aufwärmen kann und die Schützlinge keine kalten Füßchen bekommen. In den kalten Nächten muss man einen Gartenvlies anbringen, damit sie sich nicht "erkälten". Die größeren Pflänzchen topfe ich behutsam um, damit sie sich in ihrer vollen Pracht entfalten können, bevor ich die Pflänzchen dann nach den Eisheiligen, die in diesem Jahr vom 11. bis 15. Mai sind, an ihren Standort im Beet bringe.

66

Es ist ein großer Prozess und Kreislauf, der sich in jedem Jahr wiederholt und man in jedem Jahr durch Beobachten, Einfühlen und Ausprobieren wieder etwas Neues dazu lernt. Diese Beschäftigung mit den Pflanzen erscheint mir als eine sehr sinnvolle Tätigkeit, zumal ich immer mehr über die Zusammenhänge in der Natur erfahre und erlebe und wir uns quasi in den Sommermonaten bis in den November hinein ausschließlich von unseren Gartenerzeugnissen, was das Obst und Gemüse betrifft, ernähren können.

Anja Riedel ist eine von drei Bloggerinnen, die bis zum herbst aus ihrem Garten in Doberlug-Kirchhain im Süden von Brandenburg berichten wird (Foto: Anja Riedel)

 

Erdbeeren naschen und Bienen beobachten

8. April 2015. Anja Riedel hat viel über Pflanzen und Tiere von ihren Großeltern gelernt. Dieses Wissen gibt sie gern an andere weiter. In ihrem Blog und hier bei Bioland.

Hallo ihr lieben Garten- und Biolandfreunde,
ich freue ich riesig darüber meine Leidenschaft zum biologischen Gärtnern mit den vielen Freunden von Flora und Fauna teilen zu dürfen.
Begonnen hat meine Liebe zur Natur und den Tieren bereits in meiner Kindheit. Ich durfte häufig im Kleingarten meines Großvaters spielen und lernte dort verschiedene Kultur- und auch Wildpflanzen kennen. Ich liebte es, den Bienen bei ihrer Arbeit zuzusehen und die Erdbeeren abzupflücken. Auch jetzt noch profitiere ich von den 35-jährigen, gärtnerischen Erfahrungen meines Opis im regen Austausch um Anzucht, Pflanzung, Pflege und Ernte der Pflanzen. Meine Großmutter hat mir vieles über die Verarbeitung und Haltbarmachung der Ernte beigebracht. Dafür bin ich meinen Großeltern sehr dankbar.

Wissen teilen

Während meines Studiums in der Großstadt begann ich bereits ausgiebig auf meinem Balkon zu gärtnern und legte mir dort ein kleines Paradies von Kräutern, Blumen, Beeren und Tomaten an. Erst vor drei Jahren, nach Beendigung des Studiums zur Pädagogin und Umzug aufs Land, konnte ich dem Drang in der Erde zu wühlen und mich selbst zu erden endlich richtig nachgehen. In unserem circa 700m² großen, gemieteten Garten habe ich bisher einige Erfahrungen gesammelt, die ich sehr gern mit Menschen teilen möchte, um mein Wissen bereichernd in unsere Welt einzubringen.


Anja Riedel
Es liegt mir am Herzen, die Natur mit all ihren Bewohnern zu schützen weswegen ich mich für eine naturnahe und biologische Anbauweise entschieden habe. Heutzutage ist einiges Wissen um Kräutersud, Kompostierung, alte Pflanzensorten und Co. abhandengekommen. Ersetzt wurde dieses alte Wissen um die Kreisläufe der Natur mit künstlichen Düngern, Pestiziden und so weiter. Um das alte Wissen und neue Perspektiven, wie sie in der Permakultur Anwendung finden, zugänglich für alle Natur- und Gartenfreunde zu machen, habe ich mit dem Bloggen und dem Drehen von kleinen Videofrequenzen begonnen. Es bereitet mir einen riesen Spaß das Gärtnern mit der Wissensvermittlung zu verbinden und im gegenseitigen Austausch von mir mit den Lesern können alle noch viel lernen.
Ich freue mich auf dieses Jahr mit Bioland, im regen Austausch zu stehen - und natürlich biologisch zu gärtnern.
Herzliche Grüße
Anja

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Anjas Blog: www.biogartenreich.de