Wildblumen sehen nicht nur hübsch aus, sondern bieten auch abwechslungsreiche Nahrung für Insekten (Foto: Bioland)
22.08.2017
Insekten

Der Wohlfühlgarten

Wussten Sie, dass Ihre Tomaten am besten gedeihen, wenn Hummeln sie bestäuben? Es braucht nicht viel, um aus dem eigenen Garten eine Wohlfühlzone für nützliche und schöne Insekten zu machen. Abrackern müssen Sie sich dafür nicht. Ganz im Gegenteil. Von Julia Romlewski

Insekten werden immer weniger. Wer sie im Garten haben will, muss sie umwerben. Die gute Nachricht: Für Sie bedeutet das weniger Gartenarbeit, denn je "wilder" ein Garten ist, desto wohler fühlen sich die kleinen Lebewesen. Was man davon hat: Schmetterlinge, Hummeln und Schwebfliegen bestäuben Ihre Pflanzen. Marienkäfer vertilgen Blattläuse auf Ihrem Salat. Und Laufkäfer fressen kleinere Schnecken. Und so helfen Sie den Nützlingen im Garten und auf dem Balkon:

  • Mut zur Unordnung: Es muss nicht überall wie geleckt aussehen. Lassen Sie ruhig ein paar wilde Ecken zu, wo zum Beispiel Brennnessel wachsen dürfen, dann finden Raupen etwas zu fressen. Totes Holz liegenlassen - es bietet Käfern, Fliegen oder Ameisen Unterschlupf. Und im Herbst ruhig ein paar Laubhaufen als Überwinterungsmöglichkeit im Garten lassen. Da freut sich nicht nur der Igel.

  • Insektenfreundliche Pflanzen: Geranien und Fleißige Lieschen sehen zwar hübsch aus, bringen den Insekten aber gar nichts, weil diese Zierpflanzen keine Pollen produzieren. Insekten stehen auf Wildpflanzen und duftende Kräuter. Greifen Sie also zum Beispiel zu Fetthenne, Mauerpfeffer, Bohnenkraut, Thymian, Melisse, Lavendel, Schnittlauch oder Basilikum. Das lässt sich auch gut auf dem Balkon anpflanzen. Schmetterlinge lieben zum Beispiel Kapuzinerkresse und Schlüsselblumen. Hummeln mögen Krokusse, Schlüsselblumen, Löwenzahn oder Klee. Und Schwebfliegen, die auch als Bestäuber unterwegs sind, gehen gerne auf Himbeeren oder wilden Majoran. Vorsicht mit Samenmischungen aus dem Supermarkt oder Baumarkt. Selbst, wo bienenfreundlich drauf steht, ist oft nur viel "bunte Farbe" drin, warnt Bioland-Naturschutzexpertin Katharina Schertler. Gute Wildbienen-Blühmischungen findet man zum Beispiel bei der Bio-Kräutergärtnerei Syringa oder in Bioland-Staudengärtnereien. Die Vielfalt macht es, denn jede Insektenart hat eigene Vorlieben.

  • Richtig gärtnern: Gift und Kunstdünger sollten tabu sein. Wildpflanzen gedeihen am besten auf nährstoffarmen Böden. Damit die Insekten auch später im Jahr noch etwas zu fressen finden, Früh- und Spätblüher mischen und heimische Hecken und Sträucher wie Holunder oder Weißdorn anpflanzen. Weidenkätzchen eignen sich gut, weil sie schon früh im Jahr ersten Nektar liefern. Im Sommer freuen sich viele Insekten über einen kleinen Teich oder wenigstens eine Schale Wasser, um ihren Durst zu stillen. Greenpeace warnt vor Pestiziden in vielen Blumen. Deshalb nimmt man am besten Bio-Pflanzen, um den Insekten nicht zu schaden.

  • So sieht ein schlecht gemachtes "Insektenhotel" aus (Foto: imago)
    Nisthilfen - auch Insektenhotels genannt: Gut gemeint, aber schlecht gemacht. So sieht es bei vielen Modellen aus, die man in Dekohäusern oder im Gartencenter kaufen kann. Die meisten taugen nichts, weil sie an den Bedürfnissen der Insekten vorbeigehen. Unpassende Insektenhäuschen erkennt man unter anderem an Tannenzapfen und Holzstückchen, mit denen die Insekten nichts anfangen können, an unsauberen Bohrungen und weichem oder gerissenem Holz, an dem sich die Insekten verletzen können. Bambusröhrchen mit mehr als einem Zentimeter Durchmesser sind ihnen meistens auch zu groß und ungemütlich. Sinnvolle Nisthilfen findet man im Naturschutzfachhandel. Doch auch da sollte man genau hinschauen. Selber bauen bietet sich an. Hier findet man ein Erklärvideo von naturgartenfreude.de dazu. Wer heimische Wildstauden und Sträucher pflanzt und Ecken naturbelassen lässt, bietet den Insekten aber auch ohne "Insektenhotel" genug natürliche Rückzugsorte. 

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Eine Liste mit Schmetterlingspflanzen findet man auf www.nabu.de

Und hier hat der Nabu hummelfreundliche Pflanzen zusammengestellt

Wie man Schwebfliegen glücklich macht, erfährt man auf www.rutkies.de

Wie man Nisthilfen für Wildbienen baut, erfährt man auf www.wildbiene.com