25.09.2017
Raritäten

Das wächst doch auch bei uns!

Es müssen nicht immer Kartoffeln, Mais oder Getreide sein. Haben sich einige Landwirte gedacht und etwas Neues ausprobiert. Dabei ist manches gar nicht mal so exotisch. Einige Beispiele: Von Julia Schreiner

Blühendes Lupinenfeld (Foto: privat)
Das ist ein Süßlupinenfeld. Familie Klein baut die proteinreiche Hülsenfrucht auf ihrem Bioland-Hof bei Wertheim an. Daraus wird vor allem koffeinfreier Kaffee, aber auch Mehl zum Backen. "Die Süßlupine schmeckt etwas erbsig, aber das verliert sich beim Erhitzen", meint Iris Klein. Anders als die Sojabohne ist die Lupine eine heimische Eiweißpflanze. Allerdings ist sie irgendwie etwas in Vergessenheit geraten. Dabei hat sie Vorteile gegenüber der Sojabohne: Sie muss zum Beispiel nicht erst getoastet werden, um genießbar zu sein. Das spart Energie. Lupinen sind eigentlich eher bitter. Die Alkaloide, die dafür verantwortlich sind, wurden bei den Süßlupinensorten aber weitestgehend herausgezüchtet. Daher der Name. Es gibt weiße, blaue und gelbe Süßlupinen. Die Kerne sind aber immer gelb. Lupinen sind außerdem prima Bodenverbesserer. Sie lockern die Erde mit ihren tiefen Wurzeln auf und binden viel Stickstoff aus der Luft. Noch setzen viele Landwirte auf Soja als Eiweißquelle für ihre Tiere. Inzwischen wird zwar immer mehr Soja auch in Europa angebaut. Der Großteil der Sojabohnen kommt aber nach wie vor aus Übersee und ist nicht frei von Gentechnik. Dieses Problem besteht bei der heimischen Lupine nicht. Bekannt für ihren Lupinenkaffe ist auch die Familie Kelly am Bodensee - sie ist ebenfalls Mitglied bei Bioland.

Von wegen exotisch. Klaus Umbach baut Goji-Beeren an (Foto: privat)
Warum getrocknete Goji-Beeren aus China, wenn man sie doch selbst  anbauen kann? Das fragte sich Bioland-Gärtner Klaus Umbach vor sechs Jahren. Seitdem baut er auf einem Hektar die beliebten Beeren, die als Superfood gehandelt werden, an und verkauft sie an den Großhandel und die nordbadische Genossenschaft OGV. Erst im vierten Jahr tragen die Sträucher richtig gut - etwa ein halbes Kilo pro Pflanze kann man dann von Juli und Oktober ernten. Die Beeren in Rot oder leuchtendem Orange wachsen am Gemeinen Bocksdorn. In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Bocksdorn als Heilpflanze geschätzt - unter anderem gegen Bluthochdruck. Die Beeren gelten außerdem als besonders vitaminreich und verjüngend. Dies gilt allerdings nicht uneingeschränkt, da importierte Beeren oft schadstoffbelastet sind.

Bücken muss sich niemand, die Haselnussernte läuft maschinell ab (Foto: privat)
Eigentlich ist an Haselnüssen nichts exotisch. Schließlich stehen die Sträucher in vielen Gärten. Trotzdem gehört Deutschland zu den größten Nussimporteuren. Die meisten Nüsse, egal ob gehackt oder mit Schale, stammen aus der Türkei, aus Italien, den USA oder Spanien. Aber nicht alle. Eine Haselnuss-Plantage gibt es zum Beispiel in Oberbayern. Familie Neumeier baut in Rudelzhausen auf rund 40 Hektar Bioland-Nüsse an. Mitten im Hopfenanbaugebiet. Die Neumeiers waren auch einmal Hopfenbauern, bis sie genug davon hatten und zu den Nüssen wechselten. Das war vor 13 Jahren. Wer mit Haselnüssen Geld verdienen will, braucht einen langen Atem, denn die ersten zehn Jahre tragen die Sträucher nicht besonders gut. Familie Neumeier macht alles Mögliche aus den Nüssen: Liköre, Sirup, Krokant oder Mehl. Ihre Produkte vermarktet sie unter dem Namen Eichhörnchen.

Fast wie in Südfrankreich (Foto: privat)
Bei duftenden Lavendelfeldern denkt man an die warme Provence, nicht unbedingt an Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen. Doch dort bauen einige Landwirte inzwischen auch Lavendel im großen Stil an - das deutsche Klima galt dafür lange Zeit als zu kalt. Der Biolandhof Meiwes in Detmold zum Beispiel. "Anfang September 2014 haben wir ein außergewöhnliches Projekt gestartet. Auf zwei Hektar Südwestlage haben wir 50.000 Lavendelpflänzchen gesetzt. Das Projekt läuft in Zusammenarbeit mit der Duftmanufaktur Taoasis. Wir wollten herausfinden, ob man Lavendel auch regional anbauen kann", erzählt Mitarbeiterin Katja Schraer. Und es scheint zu funktionieren. Die Pflanzen wachsen gut, dieses Jahr wurde zum ersten Mal offiziell geerntet - von Hand - und das erste Lavendelöl destilliert. Bald will Familie Meiwes auch selbst gemachtes Eis mit Lavendelöl aus der eigenen Ernte anbieten. 

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Der Duft nach Südfrankreich in Ostwestfalen: Deutschlandfunk Kultur über den Lavendelanbau der Familie Meiwes