Die Geschichte des Biolandbaus ist noch recht jung, erst seit rund 25 Jahren gibt es gesetzliche Vorschriften (Foto: Magdalena Fröhlich)
26.03.2014
Historie

Wie der Biolandbau entstanden ist

Es gab eine Zeit, da waren alle Bauern Biobauern. Doch dann kam der Kunstdünger, und die Landwirtschaft wurde das, was wir heute "konventionell" nennen. Erst langsam eroberte sich Bio wieder seinen Platz in der Landwirtschaft - vor allem dank der Verbände. Ein Rückblick. Von Magdalena Fröhlich

Für viele Landwirte war es eine Erleichterung: Endlich keine schmerzenden Hände mehr, weil sie von den Disteln brannten, die sie ausreißen mussten. Überhaupt ging alles plötzlich viel schneller: Mit künstlichen Stickstoffdünger und mit Pestiziden. Erstmals wurde Stickstoff 1916 mit dem Haber-Bosch-Verfahren chemisch hergestellt. Das hatte weitreichende Konsequenzen: Man brauchte nicht mehr unbedingt Mist als Dünger, und auch auf Bodenfruchtbarkeit musste man weniger achten - man hatte ja dank synthetischer Mineraldünger viel mehr Ertrag. Somit wurde auch ein wichtiges Prinzip durchbrochen: der Kreislauf, in dem die Tiere die Felder düngen und so für die Nährstoffversorgung der Pflanzen sorgen. Neben dem Mineraldünger führten Pestizide unmittelbar zu einer Arbeitserleichterung und Produktivitätssteigerung. Und seit jeher zu Umweltproblemen.

Bereits in den zwanziger Jahren ging das einigen Leuten zu weit: Rudolf Steiner läutete mit einer Vortragsreihe den ökologischen Landbau ein, der auf seiner antroposophischen Weltanschauung fußt. Hieraus entstand in den sechziger Jahren der Verband Demeter.

Gruppenbild: Die Kursteilnehmer von Hans Müller
Den Bauern, die den Bioland-Verband gründeten, ging es vor allem um weniger Abhängigkeit. Sie wollten selbst bestimmen, was auf ihren Äckern landet. Einer der Bioland-Gründer, Siegfried Kuhlendahl, erinnert sich, als er seine Unterlagen zur Buchführung durchsah, in denen auch alle Betriebsmittel wie Stickstoff, Kraftfutter und Pestizide aufgelistet sind: "Es fiel uns wie Schuppen von den Augen. Wir waren total in eine Abhängigkeit geraten." Leicht war es für ihn dennoch nicht, plötzlich ganz anders zu wirtschaften als bisher: "Das Weglassen des Kunstdüngers brachte für uns eine Flaute in das Wachstum, das erste Jahr war furchtbar, weil wir gerade so eine schwarze Null geschrieben haben. Aber dann ging es bergauf." Gemeinsam mit anderen Bauern besuchte er in den vierziger Jahren die Kurse des Ehepaares Hans und Maria Müller auf dem Möschberg in der Schweiz. Auch ihnen ging es um die Unabhängigkeit von Betrieben - die sollten möglichst nichts zukaufen müssen, weiß Kuhlendahl.

Der Verzicht auf Pestizide und chemischen Dünger geht aber nur, wenn man den Boden gesund hält. Deshalb waren Hans Müller die Mikroorganismen im Boden und der Kreislauf von Boden-Pflanze-Tier-Mensch besonders wichtig. Seine Überlegungen wurden ihm wissenschaftlich bestätigt, von Peter Rusch. Die beiden legten den Grundstein für den organisch-biologischen Landbau und damit für den Verband Bioland, der 1971 gegründet wurde. Zeitgleich gab es in England Ökolandbau-Pioniere, die ebenfalls die Bedeutung des Bodens für die Landwirtschaft wissenschaftlich belegten.

Allerdings kam die Bio-Bewegung erst später in Schwung. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg wollte man vor allem eines: endlich wieder satt werden. Deshalb spielte der Ökolandbau kaum eine Rolle - die Landwirtschaft war vor allem auf hohe Erträge ausgerichtet. Es gab noch nicht einmal eine Definition davon, was man unter Biolandbau versteht. Nur ein paar wenige Bauern wirtschafteten nach den Vorgaben von Rudolf Steiner oder Hans Müller und Peter Rusch.

Erst als in den siebziger Jahren ein verstärktes Umweltbewusstsein aufkam, stieg auch die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln. Die Anbauverbände, also Bioland, Demeter und einige andere, gaben sich Richtlinien, nach denen sie wirtschaften wollen. In diesen Richtlinien ist beispielsweise festgelegt, wie sie den Boden bearbeiten wollen, wie viel Platz ein Tier braucht und welche Mittel erlaubt sind.

Ab 1989 förderte die EU den Ökolandbau. 1991 gab es die erste EU-Öko-Verordnung. Das heißt: Ab diesem Zeitpunkt war geregelt, was ein Bio-Produkt ist - allerdings bezog sich das nur auf pflanzliche Produkte. Vorher gab es nur die privaten Standards der Anbauverbände. 1999 wurden schließlich auch Standards zur Tierhaltung in die Verordnung aufgenommen. Und erst seit 2001 gibt es das Bio-Siegel. 2008 wurde geregelt, wie man mit importierter Bio-Ware umgeht.

Warum Bioland strenger ist:

  • Die Verbandsmitglieder müssen ihren ganzen Betrieb auf Bio umstellen. Wer sich nur an die EU-Vorgaben hält, kann nur einen Teil auf Bio umstellen: etwa nur das Gemüse, aber nicht die Tiere.

  • Mindestens die Hälfte des Futters muss vom eigenen Hof kommen, der Rest soll von Nachbarbetrieben aus der Region kommen.

  • Wiederkäuer, also etwa Kühe und Ziegen, dürfen nicht das ganze Jahr über mit Silage gefüttert werden.

  • Der Tierbesatz ist an die Fläche gekoppelt. Das heißt: Ein Bauer darf nicht mehr Tiere halten, als er Fläche zur Verfügung hat, auf der er den Dünger ausbringen kann.

  • Es sind nur rund halb so viele Zusatzstoffe wie in der EU-Öko-Verordnung zugelassen.

 

Einen Überblick der Bioland-Richtlinien finden Sie hier:

 

Mehr zum Thema

Auf bioland.de:

Im Netz:

Eine ausführliche Beschreibung zur Entstehung des Biolandbaus gibt es beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) www.boelw.de
Das Umweltinstitut gibt einen Überblick über die Verbände und EU-Bio: www.umweltinstitut.org
Arbeitsmaterialien, unter anderem zur Entstehung des Biolandbaus, gibt es hier: www.oekolandbau.de
Manon Haccius von der Alnatura GmbH hat eine kritische Würdigung zur Entstehung der EU-Öko-Verordnung geschrieben www.boelw.de