Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) präsentiert die Zukunftsstrategie Ökolandbau in Nürnberg (Foto: Niklas Wawrzyniak)
16.02.2017
Zukunftsstrategie Ökologischer Landbau

Schmidts Masterplan für mehr Bio

Das Ziel ist schon lange gesteckt: Der Bioflächenanteil in Deutschland soll auf 20 Prozent steigen. Das Wie war bislang allerdings unklar. Auch einen Zeitplan gab es nicht. Nun hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt erstmals eine Art Roadmap vorgelegt. Revolutionär ist die zwar nicht, die Biobranche ist dennoch hoffnungsvoll. Von Julia Romlewski

Schmidt hat eine 98seitige Glanzbroschüre dabei. Er will der Biobranche seine Zukunftsstrategie für den Ökolandbau, kurz ZÖL, persönlich vorstellen. Die hat sich gerade in Nürnberg versammelt zur Biofach, ihrer Weltleitmesse. Kein einfaches Terrain für einen CSU-Landwirtschaftsminister, der sich bislang nicht als großer Förderer der Biobauern hervorgetan hat. Nun sieben Monate vor der Bundestagswahl präsentiert der CSU-Mann einen Maßnahmenkatalog, mit dem er den Biolandbau zügiger voranbringen will. Es ist eine ungewohnte Rolle für ihn, er gesteht: "ZÖL geht mir noch schwer über die Zunge."

Das Ziel, 20 Prozent Bioflächen in Deutschland, ist alt. Das weiß auch Schmidt. Aber: "Das Ziel wurde jetzt aus der Verstaubtheit herausgeholt. "Bio liege im Trend und sei gerade für kleine und mittlere Betriebe eine Chance, aus der Wachse-oder -Weiche-Logik herauszukommen. "Wir müssen die Flächenzuwächse in den nächsten Jahren deutlich erhöhen", erklärt der Landwirtschaftsminister. Und legt einen Schmidt'schen Zeitplan vor: Die 20 Prozent Bioflächen sollen noch zu seinen Lebzeiten erreicht werden. Schmidt wird im August 60. Konkreter wird es nicht. Schmidt ist kein Freund von zu viel Verbindlichkeit, will sein Bekenntnis zu mehr Bio auch nicht als "Verdrängungswettbewerb" verstanden wissen. Es bleibe weiterhin jedem Landwirt überlassen, ob er Biobauer werden wolle oder nicht.

2000 Landwirte wollten vergangenes Jahr - ein Rekord, über den die Biobranche sich freut. Allerdings: Wenn es in dem Tempo weitergeht, dauert es noch mindestens 20 Jahre. Der Flächenanteil des Biolandbaus liegt derzeit bei gerade einmal geschätzten sieben Prozent.

Schmidt soll klare Kante zeigen

Die ZÖL war mit Spannung erwartet worden. Zwei Jahre lang hatte das Thünen-Institut im Auftrag des Ministeriums an dem Zukunftsplan getüftelt. Herausgekommen ist ein Papier, das niemanden in große Aufregung versetzt, das die Branche aber wohlwollend aufnimmt. "Auf dieser Strategie kann eine wirkungsvolle Politik für den Ökolandbau aufgebaut werden", sagt Felix Löwenstein, der Vorsitzende des Biodachverbandes BÖLW.

In Brüssel wird seit Jahren über ein neues EU-Biorecht gestritten. Um wachsen zu können, braucht die Biobranche Rechtssicherheit. Ein Gezerre ums EU-Biorecht, das für alle Biobauern in der EU gilt, ist da eher hinderlich. Viele Punkte sind noch strittig wie zum Beispiel die Forderung der EU-Kommission nach einem eigenen Pestizidgrenzwert für Bioprodukte, die auf breite Ablehnung stößt. Der Minister macht klar: Gibt es bis Mitte 2017 keine Einigung, wird Deutschland aus den Verhandlungen aussteigen. "Wir vertrauen darauf, dass Sie in Brüssel klare Kante zeigen", so der Ökobeauftragte des Deutschen Bauerverbands, Heinrich Graf von Bassewitz.

Schmidt verspricht in der nächsten Legislaturperiode mehr Geld für Forschungsprojekte im Biobereich. Das Budget des Bundesprogramms Ökologischer Landbau soll 2018 von derzeit 20 auf 30 Millionen Euro steigen. Biobranche und deutscher Bauernverband fordern dagegen 60 Millionen Euro für das Bundesprogramm und für den Biobereich einen Anteil von 20 Prozent an der Forschungsförderung - derzeit sind es nur 1,5 Prozent.  

Mehr Bio in der Gastronomie

Auch werde man darauf schauen, dass weiterhin genug Fördermittel für umstellungswillige Landwirte zur Verfügung stünden, so Schmidt. "Das ist ein sehr wichtiges Signal an alle konventionellen Landwirte", kommentiert Löwenstein. Denn in einigen Bundesländern wie dem Saarland hatten die Gelder zuletzt nicht ausgereicht. Über die Höhe der Ökoprämien entscheiden allerdings die Bundesländer selbst.

Voranbringen will Schmidt Bio auch in der Gastronomie, in Kantinen und Schulen - mit  Beratungsangeboten für Küchenchefs. Der Bioanteil in der Außer-Haus-Verpflegung liegt nur bei wenigen Prozent. Dabei essen die Deutschen immer weniger daheim. Schmidt will nun mit gutem Beispiel vorangehen und 20 Prozent Bio in den eigenen Kantinen vorschreiben. Alles andere ist Ländersache.

Auch in der landwirtschaftlichen Ausbildung soll Bio nach dem Willen des Bundesministeriums Thema sein. Auch dabei ist der Bund auf die Kooperation der Bundesländer angewiesen. Vorschreiben kann er nichts, nur dafür werben.

Geld für Teilumstellung

Bei der Agarförderung zeigt sich Schmidt erwartungsgemäß zurückhaltend. Von einer weiteren Umschichtung der pauschalen Direktzahlungen in Agrarumweltprogramme und den Ausbau des Ökolandbaus - wie die Biobranche immer wieder fordert - ist keine Rede. Derzeit werden nur 4,5 Prozent der EU-Gelder umgeschichtet - möglich wären bis zu 15 Prozent. Man werde allerdings darüber nachdenken, wie sich die Umweltleistungen der Biobauern nach 2020 angemessen honorieren lassen, verspricht das Zukunftspapier. Das bisherige EU-Agrarförderungssystem läuft noch bis 2020, dann ist Zeit für eine Reform. Bislang berechnet sich die Ökoprämie nach den Mehrkosten, denn Biolandbau ist meist arbeitsintensiver als konventionelle Landwirtschaft, und nicht nach dem, was Biobauern für Artenvielfalt oder Trinkwasserschutz leisten.

Ein Plan des Ministers dürfte vielen Branchenvertretern nicht schmecken, einige konventionelle Landwirte aber freuen: Geld für die Umstellung soll es künftig auch geben, wenn ein Betrieb nur einen Teil auf Bio umstellt. Zu Bioland können solche Betriebe nicht gehen. Ganz oder gar nicht lautet dort die Devise.

2019 will man wieder über die Zukunftsstrategie reden und dann die Weichen stellen für einen Fahrplan 2023 bis 2030. Schmidt will die ZÖL nicht als starres Konzept verstanden wissen.  

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Auf bioland.de:

Im Netz:

Die ganze Zukunftsstrategie zum Nachlesen auf der Seite vom Bundeslandwirtschaftsministerium