Maximilian Krieger wird die Brauerei Riedenburger in der 5. Generation übernehmen (Foto: Magdalena Fröhlich)
02.07.2015
Erste bayerische Bio-Brauerei

Reinheitsgebot? Aber bitte ohne Pestizide!

"Des Bier kannst ja nimmer saufa" - so hätten einige Riedenburger reagiert, als Michael Krieger seine Brauerei als erster Bayer auf Bio umgestellt hatte. Auch rund 25 Jahre später verkauft er immer noch weniger Bier als vorher. Er steht trotzdem gut da: vor allem mit Bieren aus Dinkel, Einkorn und Emmer. Von Magdalena Fröhlich

Bier verdünnen? I wo denn. Das macht man weder als Bayer noch als Engländer. Denn da gibt Maximilian Krieger von der niederbayerischen Bio-Brauerei Riedenburger den Engländern recht: Dünn-Bier schmeckt nicht. Die Geschichte geht so: Die Engländer hatten in Indien kein Bier. Das war für sie ein Problem. Man hätte natürlich auch einfach welches auf dem Schiff mitnehmen können - nur wäre es nach ein paar Monaten auf See schnell schlecht geworden. In Indien angekommen, wäre man also wieder ohne dagestanden. Also brauten die Engländer länger haltbares Bier. Das geht einfach: Man braucht von allem etwas mehr: mehr Hopfen, der es mit seinen Gerbstoffen schön bitter und damit auch haltbarer macht, mehr Malz, damit mehr Stärke in Alkohol umgewandelt werden kann. Alkohol konserviert ja schließlich ebenfalls. Heraus kam also ein ziemlich kräftiges Bier. Das hätte man einfach verdünnen können. Weil es aber auch so geschmeckt hat, haben die Seeleute auf zusätzliches Wasser verzichtet.

Maximilian Krieger hat es genauso gemacht: Statt wie üblich rund drei Hopfensorten zu verwenden, hat er acht verschiedene genommen. Weil's so gut ankam, hat er gleich noch ein paar weitere Sorten davon gebraut. Sein Bier, das ist ein Indian Pale Ale. Jawohl, ein englisches Bier mitten aus Bayern.

Bier-Abfüllanlage
20.000 Hektoliter Bier werden hier jährlich abgefüllt (Foto: Magdalena Fröhlich)
 

Solche Biere hat der 35-jährige Braumeister in den USA kennengelernt. Anders als manch einer erwartet, gibt es dort zahlreiche kleine Brauereien. "Mit zum Teil total ausgefallenen Bieren - so etwas ist man hierzulande kaum gewohnt", so Krieger. Das liegt zum einen daran, dass man hier nach dem deutschen Reinheitsgebot braut. Dieses lässt nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser zu. Sonst nichts. Aber andere Länder, andere Sitten, andere Biere. "Eigentlich ist das Reinheitsgebot nur ein Marketing-Gag. Es soll dem Verbraucher sagen, dass das Bier besonders gut ist. Aber über den Geschmack sagt es noch lange nichts aus", so Maximilian Krieger.

In Belgien und USA viel mehr Zutaten im Bier

In den USA, aber gerade auch im Bierland Belgien, sei es durchaus üblich mit mehreren Zutaten zu brauen. "Wenn einer 'Safran-Bier' bei uns hört, dann würde der sagen: Das ist doch kei' Bier nimmer." Ist es aber. Auch wenn es keine EU-rechtliche Definition für Bier gibt, gilt gemeinhin: Ob man ein Getränk 'Bier' nennen darf oder nicht, kommt nämlich darauf an, ob das Getränk vor allem auf einer Getreidebasis gebraut und zweitens, ob man eine Zutat erst nach dem Brauen dazumischt oder es gleich mit in den Braukessel gibt. Wird etwas mitgebraut, dann gilt es auch als Bier. Die Belgier geben in den Brausud zum Beispiel gerne Gewürze, aber auch Orangenschalen und Früchte hinein.

Krieger muss sich aber ans Reinheitsgebot halten. Außer Hopfen, Malz, Hefe und Wasser darf ins Bier nichts rein. Trotzdem braut das Brauhaus über 20 verschiedene Biere. Selbst ein Kloster in der Nähe, die Benediktiner-Abtei Plankstetten lässt ihr Bier in Riedenburg brauen.

Der Clou ist folgender: Statt nur auf Weizen fürs Weißbier oder Gerste für den anderen Gerstensaft zu setzen, verwenden die Kriegers auch alte Getreidesorten: Einkorn, Emmer, Dinkel und selbst Hirse. "Das Emmer-Bier ist heute unser Verkaufsschlager", sagt Geschäftsführer und Inhaber Michael Krieger. "Das haben schon die alten Ägypter getrunken. Da gab es den hochgezüchteten Weizen nämlich noch gar nicht.“ Insgesamt geht davon ein Drittel an Gastronomen und Getränkemärkte in Deutschland, ein Drittel direkt in den Bio-Biergarten der Brauerei. Das letzte Drittel wird ins Ausland exportiert. So kann man selbst das bayerische Indian Pale Ale der einstigen englischen Seefahrer auf der britischen Insel trinken.

Bier
Über 20 verschiedene Biere braut Familie Krieger (Foto: Magdalena Fröhlich)

Trotzdem verkauft die Brauerei auch über 25 Jahre nach der Umstellung auf Bio weniger Bier als zuvor. "Es war trotzdem richtig, auf Bio umzustellen", sagt Michael Krieger, der das Unternehmen bereits in der vierten Generation führt und als erste Brauerei in Bayern komplett auf Bio umgestellt hat. "Auch wenn die Leute am Anfang meinten: Öko-Bier - das kann man ja nimmer saufa." Wenn er das erzählt, muss er noch immer den Kopf schütteln. Denn auf Bio-Rohstoffe habe das Brauhaus schon vorher geachtet. Bevor nämlich das Zertifikat auf den Flaschen steht, muss die Brauerei zwei Jahre lang nur mit Zutaten aus Bio-Anbau wirtschaften. "Wir haben praktisch nur das Etikett geändert. Aber dann hat man uns noch einen anderen Stempel aufgedrückt: Nämlich, dass wir etwas 'spinnert' wären." Das sagt heute keiner mehr: Tochter Maria wurde 2013 sogar zur Bayerischen Bierkönigin gewählt.

Ökobrauer braucht Ökobauer

Was aber macht ein Bio-Brauer anders? "Er denkt vor allem an die Umwelt und will Bier, das schmeckt, ohne der Natur zu schaden", so Krieger. "Deshalb dachten wir auch, die Leute würden es gut heißen, dass wir nun öko-zertifiziert sind. Aber wenn man in Bayern, beim Bier was anders macht, dann ist das zunächst suspekt", sagt Krieger. Anders ist vor allem die Herkunft der Zutaten: Getreide und Hopfen kommen von Biobauern. Diese verwenden weder mineralischen Stickstoffdünger noch chemisch-synthetische Pestizide. Das ist gerade beim Hopfen besonders. "Hopfen ist sehr anspruchsvoll und zählt zu den Pflanzen, die am meisten gespritzt werden", sagt Maximilian Krieger.

Auch die Hefen und Enzyme dürfen nicht gentechnisch verändert sein. Stabilisatoren für den Schaum haben in einem Bio-Bier genauso wenig zu suchen wie man etwa Asbest zur Filtration oder Blausäure als Vorratsschutzmittel für Getreide verwenden darf. Auch das Wasser dürfen Biobrauer nicht mit Chlordioxid entkeimen. Die Liste ist noch länger. Wie das sein kann, wo es doch das Reinheitsgebot gibt? All das sind keine Zusatzstoffe, die als solche stets auf dem Etikett stehen müssen, sondern "nur" Hilfsstoffe, also Stoffe, die nicht im Endprodukt sein dürfen. Es sei denn, das ist, so das Gesetz, "technisch unvermeidbar".

Beim Bier gilt bei den Hilfsstoffen das Gleiche wie bei anderen Lebensmitteln auch: Sie müssen nicht extra deklariert werden - genauso wenig wie man angeben muss, mit welchen chemisch-synthetischen Pestiziden Hopfen und Getreide behandelt wurden.

Nach Tradition, Ursprünglichkeit und Natürlichkeit klingt das nicht gerade. "Des Zeug braucht man ja auch gar net, uns schmeckt des Bier ohne besser", sagt Maximilian Krieger. Wer ins Brauhaus - ökologisch gebaut und mit Photovoltaikanlage - geht, sieht an der Wand zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Mehr zum Thema

Auf bioland.de

Im Netz:

Website der Riedenburger Brauerei: www.riedenburger.de

Das darf rein ins Bier: Lehrmaterialien, herausgegeben vom Landwirtschaftsministerium und dem Agrarinformationsdienst: www.brunnenbraeu.de

Keine EU-rechtliche Definition für Bier: www.aid.de