Schwalben stehen auf der Roten Liste (Foto: imago/Blickwinkel)
17.05.2017
Vögel der Agrarlandschaft

Piep-Show in Feld und Flur

"Chiu-witt!" Oder: "Crex-crex!" Nie gehört? Kein Wunder. Immer mehr Vögel, wie der Kiebitz und der Wachtelkönig, verschwinden aus unserer Landschaft. Sie leben auf Feldern und Wiesen. Pestizide, zu viel Dünger und häufiges Mähen zerstören ihren Lebensraum. Wir stellen ein paar von ihnen vor: Von Magdalena Fröhlich

Die Feldlerche hat man Mitte der achtziger Jahre noch doppelt so oft gesehen wie heute - oder zumindest gehört. Und auch der Wiesenpieper piept kaum noch. Die Rote Liste der Brutvögel zeigt: Vor allem Vögel der Agrarlandschaft gelten als gefährdet: Dreiviertel aller Offenlandarten stehen auf ihr. Dazu zählen auch so bekannte Vögel wie die Feldlerche oder die Rauchschwalbe.

Im Folgenden finden Sie Vögel, die auf Feldern, Wiesen und Bauernhöfen leben. Einige von ihnen stehen auf der Roten Liste. Auf dieser unterscheidet man je nach Gefährdung verschiedene Kategorien:

  • 0 = diese Art ist bereits ausgestorben

  • 1 = vom Aussterben bedroht

  • 2 = stark gefährdet

  • 3 = gefährdet

  • R = extrem selten

  • V = Vorwarnliste (Hier gibt es zwar Rückgänge, aber keine akute Gefährdung)

Rebhuhn: Der bekannte Feldvogel ist einer der am stärksten gefährdeten Vögel der Agrarlandschaft, da er zu einem noch immer gejagt wird, aber auch weil das Nahrungsangebot für den Vogel abnimmt (Foto: imago/blickwinkel)
Rebhuhn: Der bekannte Feldvogel ist einer der am stärksten gefährdeten (Kategorie 2) Vögel der Agrarlandschaft, da er noch immer gejagt wird, aber auch weil das Nahrungsangebot für den Vogel abnimmt. (Foto: imago/blickwinkel)

Kiebitz: Der Vogel mit der lustigen Frisur lebt vor allem in Feuchtwiesen und gilt ebenso als stark gefährdet (Kategorie 2). Während des Flugs macht er "chiu-witt" (Foto: imago/blickwinkel)

Wiesenweihe: Nur noch rund 500 Brutpaare gibt es in Deutschland von dem Greifvogel, der vor allem in Getreidefeldern brütet. Da die Küken meist erst nach der Ernte das Nest verlassen, werden sie oft von den Erntemaschinen getötet (Foto: imago/blickwinkel)
Wiesenweihe: Nur noch rund 500 Brutpaare gibt es in Deutschland von dem Greifvogel, der vor allem in Getreidefeldern brütet. Die Küken werden oft von Erntemaschinen getötet. Auch die Wiesenweihe steht auf der Roten Liste in der Kategorie 2 (Foto: imago/blickwinkel)

Wachtelkönig: Seine lateinisch Bezeichnung lautet
Wachtelkönig: Seine lateinische Bezeichnung lautet "crex crex" und so klingt auch sein Ruf. Daher wird er auch "Wiesenknarrer" und "Wiesenralle" genannt. Er braucht hohes Gras zum Verstecken. Auch er steht auf der Roten Liste in der Kategorie 2 (Foto: imago/blickwinkel)

Wachtel: Sie ist der kleinste Hühnervogel in Deutschland und lebt vor allem in Getreidefeldern und Brachen. Wachteln werden ihrer kleinen Eier wegen auch als Haustiere gehalten. In freier Wildbahn gelten sie als selten, aber noch nicht als gefährdet (Foto: imago/blickwinkel)
Wachtel: Sie ist der kleinste Hühnervogel in Deutschland und lebt vor allem in Getreidefeldern und Brachen. Wachteln werden ihrer kleinen Eier wegen auch als Haustiere gehalten. In freier Wildbahn gelten sie als selten, aber noch nicht als gefährdet. Sie stehen auf der Vorwarnliste (Foto: imago/blickwinkel)

Wiedehopf: Ganz klar - er hat wie in dem Kinderlied den schönsten Schopf. Ein weiteres Merkmal ist sein langer, gebogener Schnabel (Foto: imago/nature picture library)
Wiedehopf: Ganz klar - er hat wie in dem Kinderlied den schönsten Schopf. Ein weiteres Merkmal ist sein langer, gebogener Schnabel. Der Wiedehopf ist gefährdet und steht auf der Roten Liste in Kategorie 3 (Foto: imago/nature picture library)

Goldammer: Diese Vögel mögen Hecken, Büsche und Brachen. Man findet sie daher oft am Feldrand. Ihr Gesang soll sich wie
Goldammer: Diese Vögel mögen Hecken, Büsche und Brachen. Man findet sie daher oft am Feldrand. Ihr Gesang soll sich wie "Wie, wie hab ich dich lieb" anhören. Die Goldammer ist wenig menschenscheu, daher findet man sie auch öfter in Dörfern. Sie steht auf der Vorwarnliste (Foto: imago/blickwinkel)

Bluthänfling: Er steht als gefährdete Art auf der Roten Liste. Die rötliche Färbung ist beim Männchen vor allem während der Brutzeit ausgeprägt, beim Weibchen fehlt sie ganz (Foto: imago/McPhoto)
Bluthänfling: Er steht als gefährdete Art (Kategorie 3) auf der Roten Liste. Die rötliche Färbung ist beim Männchen vor allem während der Brutzeit ausgeprägt, beim Weibchen fehlt sie ganz (Foto: imago/McPhoto)

Braunkehlchen: Dies ist ein typischer Wiesenbewohner, der allerdings nur noch selten vorkommt (Kategorie 2). Der Grund: Weil der Vogel rund einen Monat lang brütet, fällt er oft dem Mähwerk zum Opfer (Foto: imago/McPhoto)

Schafstelze: Dieser Vogel hält sich oft auf Viehweiden auf, da die Tiere Insekten aufscheuchen. So kommt der Vogel leichter an sein Futter (Foto: imago/Nature in Stock)
Schafstelze: Dieser Vogel hält sich oft auf Viehweiden auf, da die Tiere Insekten aufscheuchen. So kommt der Vogel leichter an sein Futter (Foto: imago/Nature in Stock)

Fasan: Hier kämpfen gerade zwei Fasanenhähne. Man erkennt sie besonders gut an dem grünen Kopf mit der roten Augenpartie und den langen Schwanzfedern. Fasane leben in Feldfluren und brauchen Hecken und Gehölze zur Deckung (Foto: imago/blickwinkel)

Feldlerche: Auch sie steht als gefährdeter Vogel auf der Roten Liste in Kategorie 3. Die Feldlerche war einst ein typischer Feldbewohner. Um sie zu schützen, bearbeiten Bauern einen Teil des Feldes nicht, so dass sie dort brüten kann (Foto: imago/blickwinkel)

Großtrappe: Diese Vögel brauchen große, offene Grünflächen. Davon gibt es jedoch immer weniger. Die Großtrappe, mit rund 16 Kilo einer der schwersten flugfähigen Vögel weltweit, ist vom Aussterben bedroht (Kategorie 1) (Foto: imago/blickwinkel)

Mehlschwalbe: Auch sie ist gefährdet (Kategorie 3), da sie immer weniger Nahrung und Nistmöglichkeiten hat. Sie ist kleiner als die Rauchschwalbe (Foto: imago/blickwinkel)

Rauchschwalbe: Der einst typische Bauernhofbewohner gilt mittlerweile als gefährdete Art und ist ebenso in Kategorie 3 gelistet. Die Rauchschwalbe hat einen gegabelten Schwanz und ein rötliches Gesicht. Sie nistet meist an Kuhställen, wo es schön warm ist, und baut ihr Nest unter anderem aus Lehm (Foto: imago/Volkmann)

Neuntöter: Er verdankt seinen Namen der Art, wie er Nahrung aufbewahrt - er spießt etwa Insekten an Dornen oder kleinen Ästen auf. Außerdem hat er einen Schnabel wie ein Greifvogel mit dem sogenannten "Falkenzahn". Der Neuntöter ist ein typischer Heckenbrüter (Foto: imago/McPhoto)

Wiesenpiper: Der Gesang ist tatsächlich nur ein ein einfach
Wiesenpieper: Der Gesang ist tatsächlich nur ein einfaches "ihht-iht", und wie der Name schon sagt, mag er Wiesen, also Dauergrünland. Er ist in Kategorie 2 gelistet, also stark gefährdet (Foto: imago/blickwinkel)

Was kann der Landwirt tun?

  • Bodenbearbeitung wie Walzen sollte möglichst früh im März passieren, wenn die Tiere noch nicht brüten.

  • Der erste Mähzeitpunkt sollte dagegen möglichst spät, statt Anfang Mai besser Anfang Juni, gewählt werden. Sonst fallen die Jungvögel von Bodenbrütern wie der Feldlerche dem Mähwerk zum Opfer.

  • Schwalbennester sollte man nicht entfernen - denn auch Schwalben stehen mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel.

  • Grünland sollte man von innen nach außen mähen, ebenso sollte man auch von der Feldmitte hin zum Feldrand ernten, um Tieren die Möglichkeit zur Flucht zu geben.

  • Senken im Feld oder Feuchtstellen unbearbeitet lassen.

  • Strukturelemente wie Büsche, Bäume und Hecken oder Blühstreifen anlegen.

Die Bioland-Naturschutzberatung finden Sie hier: www.bioland.de

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Auf bioland.de:

Im Netz:

Rote Liste der Brutvögel

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Ob das zutrifft - darüber kann man sich streiten: 47 Merksätze zu Vogelstimmen

Auch dieses Merkblatt liefert vor allem lautmalerische Sprüche zu Vogelstimmen

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