Wer Bio liebt, muss nicht unbedingt in der Erde buddeln. Man kann sein GEld zum Beispiel auch in bei Höfen anlegen (Foto: imago/westend61)
13.06.2017
Patenschaften, Geldanlagen und Co.

Beete und Knete

Kann man, muss man aber nicht: Im Kuhstall stehen oder in der Erde buddeln. Wer in den Ökolandbau einsteigen möchte, muss nicht gleich selbst mit anpacken. Ein paar Beispiele - von Aktienkauf bis Ziegenhüten. Von Magdalena Fröhlich

So viel der Bauer ernten kann: Solidarische Landwirtschaft

Sie teilen sich die Ernte, die Arbeit - und die Entscheidungen. Bei einer solidarischen Landwirtschaft erwirbt man einen Anteil an einem Hof, meist für ein Jahr. Alle Teilnehmer erhalten dafür Produkte vom Hof - wenn die Ernte es hergibt, viel, wenn das Wetter nicht so mitspielt, entsprechend weniger. So erhält der Bauer einen fairen Preis, und seine Kunden wissen mehr als den Ort der Herkunft. Die Teilnehmer einer Solawi, wie das Modell abgekürzt wird, entscheiden meist auch darüber mit, ob und wie in den Hof neu investiert werden soll: Etwa, ob sie ihren Beitrag erhöhen wollen und der Landwirt dafür eine neue Kühlkammer bauen oder mehr Gemüse anbauen soll. Sie haben also Mitspracherechte, was auf dem Hof passiert. Und meist soll man auch ein paar Stunden im Jahr mit anpacken.

Einen Artikel mit einem Beispiel für eine solidarische Landwirtschaft finden Sie hier:
Ein Hof für 180 Hobby-Bauern:
Was auf dem Bio-Hof von Markus Schmutz passiert, entscheiden über 100 Leute mit. Über die Entscheidung Brokkoli oder Blumenkohl wird abgestimmt. Das ist zwar aufwändig, dafür ist der Bauer nicht länger von Marktpreisen abhängig. 

Ernten auf dem Mietacker (Foto: Magdalena Fröhlich)
Ernten auf dem Mietacker (Foto: Magdalena Fröhlich)

Mit-Ackern am Miet-Acker

Bislang nur Gemüse gegessen, aber noch nie gegossen? Kein Problem. Wie alles von der Aussaat bis zur Ernte funktioniert, kann man auf seinem eigenen Miet-Acker - einer Parzelle auf einem Feld - lernen. Hier haben die Mieter ein kleines Stück Acker auf einem Bio-Hof und können sich selber um das Gemüse kümmern. Schief gehen kann fast nichts, die Mieter bekommen genau erklärt, wie alles funktioniert und was die Pflanzen brauchen:

Hier geht es zu einem Artikel über die Ackerhelden:
Ist das Gemüse oder kann das weg?
Die Gartensaison ist praktisch gelaufen? Von wegen! Selbst im November kann man noch ernten. Und jetzt noch dafür säen. Wie das geht, erklären die Ackerhelden. Mehr

 


Investition vor der Haustür: Die Regionalwert AGs

Was macht mein Geld eigentlich auf der Bank? Will man wirklich sehen, was mit dem Geld passiert, kann man sich an einer Bürgeraktiengesellschaft beteiligen. Eine solche ist die Regionalwert AG, die es in Freiburg, Nordrhein-Westfalen und in Hamburg gibt. Mit dem Geld der Aktionäre können zum Beispiel junge Bauern einen Hof gründen, Land kaufen, oder ein Lebensmittelverarbeiter kann investieren - das Geld bleibt auf jeden Fall in der Region und kommt dem Ökolandbau zugute. Der Gewinn besteht eher aus dem Erhalt einer schönen Kulturlandschaft und der Förderung des Biolandbaus als aus einer monetären Gewinnausschüttung. Infos:

Einen Artikel zur Bürgeraktiengesellschaft Regionalwert AG gibt es hier:
"Wir investieren in die Region"
Christian Hiß wurde vom Bio-Bauern zum Aktienhändler. In der Regionalwert AG verkauft er Wertpapiere zum Erhalt regionaler Bio-Höfe. Obwohl es noch keine Dividende gibt, investieren die Aktionäre im Schnitt 4500 Euro. Hiß erklärt, warum. Mehr

Anlage: Lass das Geld auf einem Hof ackern

Sechs bis acht Prozent Zinsen - das bietet keine Bank. Aber ein Bio-Hof, zum Beispiel der Westhof, der Deutschlands größtes Gewächshaus, erneuerbare Energien und einiges andere von den Einlagen finanzieren möchte. Mit 5.000 Euro ist man dabei, die Laufzeit geht mindestens bis 2021, danach kann man jährlich kündigen. Wie der Westhof machen es auch andere Bio-Betriebe - der Kunde wird so auch zum Teilhaber. Das schafft Bindung, Vertrauen und die Möglichkeit für neue Investitionen.

Anleihen mit einem Zeichnungswert für 500 Euro und einer Verzinsung von drei Prozent p.a. erhält man beim Biolandhof Bluschke in Schleswig-Holstein. Dem Wert entsprechend erhält man am Jahresanfang Gutscheine, welche auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen in Fleisch- und Wurstwaren eingelöst werden können.

Einlage: Boden kaufen für mehr Bio

Mit einer Einlage ab 1.000 Euro kann man bei der Bio-Boden-Genossenschaft Mitglied werden. Die Genossenschaft kauft Böden und verpachtet sie ausschließlich an Biolandwirte. Das sichert den Erhalt wertvollen, fruchtbaren Lands. Man kann die Anteile kündigen oder weiterverkaufen, weiter vererben oder verschenken. Einen finanziellen Ertrag aus der Geldeinlage gab es bisher nicht.

Food-Coops: Gemeinsam einkaufen

In Food-Coop schließen sich Konsumenten zusammen, um ihre Einkäufe direkt bei Bauern und kleinen Verarbeitungsbetrieben zu beziehen. Der Bauer kann so besser planen und Ware bündeln.

Einen Artikel dazu gibt es hier:

 

Der Anti-Supermarkt: Bio, lokal und gemeinschaftlich soll es sein: Immer mehr Menschen möchten selbst über ihre Lebensmittelversorgung entscheiden - und fragen sich: Geht es auch ohne Supermarkt? Ein Besuch bei der Food-Coop Karlsruhe. Mehr

 

Geschlachtet wird erst, wenn alles verkauft ist

"Fünf Steaks vom Rind und drei Schweineschnitzel, das war’s." Diese Bestellung geht beim sogenannten "Crowdbutching" nicht auf. Hier hat man zwar keine direkte Patenschaft zum Tier, weiß aber dennoch, wo das Tier gelebt hat, wie es aussieht, mit wem es sich die Weide teilt - und dass alle Fleischstücke vom Tier verwertet werden. Denn das Tier wird erst dann geschlachtet, wenn alle Fleischteile bestellt und verkauft sind. Bei den Plattformen kaufnekuh.de  und kaufeinschwein.de kann man entweder ein Mini- oder Maxipaket mit verschiedenen Fleischteilen bestellen. Die einzelnen Teilstücke sind immer fest vorgegeben, nur Rouladen oder Steak - das geht nicht. Geschnetzeltes, Hack und Gulasch sind auch dabei. Das Fleisch stammt zum Beispiel von einem Angus-Rind des Bioland-Bauern Hans Hübner aus Mariaberg in Baden-Württemberg. Auch Schweine der Rassen "Deutsches Landschwein", "Pietrain" oder eine "Duroc"-Kreuzung leben auf seinem Hof. Vorteil für den Kunden: Man weiß, wo’s herkommt und zahlt oft einen günstigeren Kilopreis. Vorteil für den Landwirt: Er kann alle Fleischteile vermarkten.

Auf der Alm - da gibt es guten Käse

Ziegen oder Kühe hüten auf der Alm? Dafür muss man kein Landwirtschaftsstudium hinter sich haben. Auf der Alm werden oft Leute gesucht, die bereit sind, einen Sommer lang in den Bergen zu arbeiten. Wer käsen möchte, braucht dafür aber einen Sennerkurs, wo man das Handwerk lernt.


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