25.09.2017
Bio-Mohn

Aus Liebe zum Kuchen und zur Region

"Mohn - das kannste nicht einfach mal so anbauen", sagt Josef Schmidt vom Biolandhof Grenzmühle. "Da brauchst eine Genehmigung von der Bundesopiumstelle." Zum Glück hat er die. Und eine Vision noch dazu: Mohn soll endlich wieder regional angebaut werden. Von Magdalena Fröhlich

Biolandbauer Josef Schmidt will, dass Mohn wieder regional angebaut wird (Foto: Magdalena Fröhlich)
Biolandbauer Josef Schmidt will, dass Mohn wieder regional angebaut wird (Foto: Magdalena Fröhlich)
Sie finden die Pflanze auf dem Bild so schön und wollen sie auch im Garten haben? Vergessen Sie's! Es sei denn, sie wollen in den Knast. Oder zumindest eine saftige Strafe zahlen. Denn Schlafmohn fällt unter das Betäubungsmittelschutzgesetz. Biolandbauer Josef Schmidt hat gleich zwei ganze Felder voller Mohn angebaut. Damit ist er kein Dorf-Dealer im bayerischen Norden, sondern ein echter Pionier. Josef Schmidt war der erste Landwirt, der Mohn in Bio-Qualität angebaut hat. "Aus extremster Begeisterung für den Mohnkuchen meiner Frau", antwortet Schmidt, wenn man ihn fragt, warum er Mohnanbauer geworden ist. Von heute auf morgen ging das aber nicht.

"Wenn man Mohn nicht einfach anbauen kann, dann ist es natürlich auch schwierig, an Saatgut zu kommen", erklärt Schmidt. Deshalb musste er sich erst einmal bei der Bundesopiumstelle melden. Diese Behörde ist für Regelungen zuständig, die das Betäubungsmittelschutzgesetz anbelangen. "Da muss man erst einmal ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Dann muss man nachweisen, dass man Landwirt ist und auch was von seiner Sache versteht. Außerdem muss man angeben, wo man den Mohn anbaut, wie viel davon und was man dann damit vorhat", erklärt der Biolandbauer. "Und natürlich eine Genehmigungsgebühr bezahlen."

In den Kapseln ist der Mohnsamen (Foto: Magdalena Fröhlich)
In den Kapseln ist der Mohnsamen (Foto: Magdalena Fröhlich)

Dabei kann man aus der Pflanze selbst bei entsprechender krimineller Energie gar kein Rauschgift herstellen. Dafür ist der Morphingehalt zu gering. In Deutschland sind ohnehin nur zwei von den insgesamt 40 in anderen europäischen Ländern erlaubten Sorten des Schlafmohns zugelassen: Mieszko und Zeno Morphex.

Aber warum das Ganze? "Darauf gibt es wohl keine wirkliche Antwort. In Österreich zum Beispiel ist das kein Problem. Und aus den anderen Sorten, die in Europa offiziell angebaut werden, kann man auch keine Drogen machen", sagt Schmidt. Denn ihm geht es nicht um den Rausch, sondern um Regionalität. "In alten landwirtschaftlichen Büchern, habe ich gelesen, dass 1910 Mohn in Bayern auf einer Fläche von 1.500 Hektar angebaut wurde. Er war ein wichtiges Nahrungsmittel, da er viele ungesättigte Fettsäuren enthält und man damals aus Raps noch kein Öl pressen konnte, aus Mohn dagegen schon", erklärt er. "Mohn ist also eine historische Kulturpflanze. Von älteren Menschen aus dem Dorf habe ich dann noch erfahren, dass auch hier bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Mohn angebaut wurde", erzählt Schmidt weiter. "Na, und dann dachte ich mir: Was hier schon mal funktioniert hat, wird doch wohl auch heute klappen."

Und er hat Recht behalten: Seit rund fünf Jahren baut Schmidt Bio-Mohn an - und war damit der Erste in Bayern. "Sonst kommt Mohn ja meistens aus der Türkei, aber regionalen Mohn hat man hier vergeblich gesucht", sagt Schmidt. Dabei sei Mohn nicht nur im Kuchen, sondern auch auf dem Acker gut: Die Pflanze ist ein Pfahlwurzler, hat also Wurzeln, die gut einen Meter tief in den Boden reichen. "So kommt die Pflanze an Nährstoffe, an die andere, mit kürzeren Wurzeln gar nicht rankommen. Wenn es mal trocken ist, dann macht das dem Mohn nichts", erklärt der Landwirt. Außerdem seien die langen Wurzeln wie eine Art Belüftung für den Boden. "Der wird dadurch schön locker", so Schmidt. Und das Mohnstroh, also der Stängel, sei ein super Dünger. Eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten sei der Mohn außerdem - auch wenn er nur rund zehn Tage lang blüht.

Warum also baut außer Josef Schmidt kaum einer Mohn an? "Die Leute haben die Kulturpflanze einfach vergessen. Man hat immer seine typischen Fruchtfolgen im Kopf, da kommt man meistens gar nicht auf die Idee, es mal mit einer Rarität zu versuchen", so Schmidt, der mittlerweile schon weitere Bauern in seinem Umfeld für die Pflanze begeistern konnte. Insgesamt wächst Bioland-Mohn schon auf 20 Hektar, zehn davon in der Ökomodellregion Steinwald bei Josef Schmidt und anderen Landwirten aus der Region, der Rest auf den Feldern anderer Bioland-Bauern in Nordbayern.

"Das rentiert sich auch voll. Für ein Kilo Mohn bekommt man mindestens vier Euro. Für ein Kilo Weizen noch nicht mal einen." Auch wenn die Ernte des Weizens höher ausfällt, sei das ein guter Preis, gerade auf Böden, die weniger ergiebig sind - so wie in Schmidts bayerischer Heimat, dem Steinwald.

Den Mohnsamen kann man zum Backen, aber auch als Öl verwenden (Foto: Magdalena Fröhlich)

Gut für den Boden, gut für die Natur, gut fürs Konto - wo also ist der Haken? "Es gibt keinen. Ich ernte auch mit meinem ganz normalen Mähdrescher und säe mit der gleichen Maschine für Feinsämereien, die ich auch für mein Gemüse verwende", sagt Schmidt. "Und die Nachfrage nach regionalen Waren ist da." Einen Teil der Ernte lässt er zu Öl pressen, das sich gut für Salat eignet, ein anderer Teil geht als Backmohn über den Ladentisch. Nur den Mohnkuchen von seiner Frau, den verkauft er nicht. Davon gibt er nichts ab.  

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