Mehr Bio-Kühe heißt mehr fröhliche Kühe draußen (Foto: Bioland)
13.02.2017
Zukunft Biolandbau

2016 war ein gutes Jahr

Bio ist gefragt wie nie: Mehr als 2000 Landwirte haben im vergangenen Jahr in Deutschland umgestellt. Fast jeder Dritte von ihnen will nach Bioland-Richtlinien wirtschaften. Aber auch die Nachfrage bei Verbrauchern steigt. Von Julia Romlewski

Der Dachverband der deutschen Biobranche BÖLW hatte bei der Vorstellung der Biozahlen eine Woche vor der Biofach viel Gutes zu berichten. "2016 entschieden sich jeden Tag etwa fünf Landwirte dafür, auf Bio umzustellen", heißt es im BÖLW-Report. Konkret bedeutet das: Es gibt jetzt 2119 Biobauern mehr in Deutschland  - ein Plus von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Somit setzt sich der positive Trend von 2015 fort. Der heimische Biolandbau gewinnt damit 96.000 Hektar dazu. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa der Fläche von Rügen oder einem Drittel vom Saarland.

Insgesamt 1,18 Millionen Hektar werden nun ökologisch bewirtschaftet. Nicht schlecht, aber noch weit entfernt vom 20-Prozent-Ziel der Bundesregierung. Denn der Flächenanteil des Biolandbaus in Deutschland liegt erst bei 7,1 Prozent. Da fehlen noch zwei Millionen Hektar. Geht es in dem Tempo weiter, dauert es noch mindestens 20 Jahre bis zum Etappenziel.

Verbraucher geben zehn Prozent mehr für Bio aus

Die meisten der neuen Biobauern haben sich erst einmal für EU-Bio entschieden. Sie halten sich also nur an die EU-Ökoverordnung und nicht an die zum Teil strengeren Vorschriften der Bioanbauverbände. Fast 30 Prozent der Neulinge - 626 Betriebe - wollen ihre Lebensmittel aber mit dem Bioland-Logo vermarkten - ein Rekord. Unter den Anbauverbänden hat Bioland damit den größten Zulauf und kommt nun auf 6861 Mitglieder, ein Anstieg der Mitgliederzahl um zehn Prozent in nur einem Jahr. Die übrigen Anbauverbände wie Naturland und Demeter kommen zusammen auf 354 neue Betriebe. Mehr als die Hälfte der nun fast 27.000 deutschen Biobauern gehört einem Anbauverband an.

Dass so viele Landwirte umgestellt haben, lag sicherlich auch an den schlechten Preisen auf dem konventionellen Markt. Vor allem für Milch, aber auch für Rind- und Schweinefleisch. "Viele Betriebe empfinden eine wirtschaftliche Perspektivlosigkeit", so Bioland-Präsident Jan Plagge. Denn neben der Zahl der Betriebe, die umstellen, gibt es noch eine andere Zahl, und die ist besorgniserregend: Jeden Tag verlor Deutschland im vergangenen Jahr etwa 13 landwirtschaftliche Betriebe. Meistens Milchbauern, die wegen der niedrigen Milchpreise nicht mehr über die Runden kamen.

Aber auch unter den Milchbauern setzten einige darauf, mit Bio auf dem Markt besser bestehen zu können. So gingen zum Beispiel 219 Milchbauern zu Bioland. Damit gibt es jetzt 1790 Bioland-Milchviehhalter und 81.000 Bioland-Milchkühe - 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 14.200 Kühe bedeutet das, dass sie nun erstmals ein Recht auf mehr Platz im Stall und Auslauf ins Freie haben. Und die gute Nachricht für Verbraucher: Es gibt künftig mehr regionale Bio-Milch.

Dass sie auf ihren Produkten sitzenbleiben könnten, müssen Biobauern nicht befürchten - im Gegenteil. "Jahrelang waren wir in Deutschland mit heimischen Bioprodukten unterversorgt und mussten importieren", erklärt Bioland-Präsident Plagge. Zum Teil ist das noch immer so. Denn die Nachfrage nach Bio wächst schneller als die Anbaufläche. So legte auch 2016 der Umsatz mit Biolebensmitteln weiter zu. Fast zehn Milliarden Euro gaben die Verbraucher für Bio aus - zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gefragt waren nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI Milch, Geflügel und Speiseöle. Aber auch der Absatz von Fleisch und Eiern steigt.

Das Hauptgeschäft mit Bio wird allerdings schon länger nicht mehr im klassischen Fachhandel gemacht. Nur eine Minderheit geht konsequent im Naturkostladen einkaufen, die anderen - meist sind es Gelegenheitskäufer - packen Bio da mit in den Wagen, wo sie eh zum Einkaufen unterwegs sind: in den konventionellen Supermärkten, Discountern oder Drogeriemärkten. Dort werden immer mehr Biolebensmittel gelistet und nach Angaben des Bundesverband Naturkost Naturwaren inzwischen zwei Drittel des Umsatzes gemacht. Auch immer mehr Biomarken, die man früher nur im Naturkostfachgeschäft finden konnte, tauchen inzwischen in den Regalen konventioneller Ketten auf. Zum Ärger des Biofachhandels. 

Dennoch konnten die rund 2500 Fachgeschäfte, die ausschließlich Bioprodukte anbieten, auch 2016 weiter wachsen. Allerdings mit 5,6 Prozent nur halb so stark wie im Vorjahr. Dafür kamen unterm Strich 26 neue Biomärkte hinzu. Der Trend geht dabei zu größeren Ladenflächen. Die meisten neuen Geschäfte gehören zu den großen Ketten Denn's und Alnatura. Erstmals in der Geschichte der Biobewegung seien die kleineren Bioläden in der Minderheit, so Horst Fiedler im Fachmagazin Biohandel (Ausgabe 2/2017). Märkte mit 400 Quadratmetern und mehr sind auch in der Biobranche inzwischen Standard. Dennoch können sich auch die meisten Hofläden halten. Denn viele Verbraucher kaufen gern beim Bauern in ihrer Region.   

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BÖLW-Report: So hat sich die Biobranche 2016 entwickelt (pdf)