13.02.2009

Ermittlungen der Kontrollbehörde im Betrugsfall Franzsander beendet

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) und die Öko-Kontrollstellen ABCERT und Lacon haben inzwischen ihre Ermittlungen im Biobetrugsfall Franzsander abgeschlossen.

Wie berichtet hat Bioland dem Geflügelhof Franzsander und der Vertriebsfirma RoBert’s im Januar 2009 fristlos gekündigt und Strafanzeige erstattet.

Das LANUV hat inzwischen alle Firmen und Betriebseinheiten der Franzsander Unternehmensgruppe auf den Status „konventionell“ zurückgestuft. Ferner wurde gegen das Ehepaar Franzsander eine zweijährige Sperre ausgesprochen. Nun führt die Staatsanwaltschaft Paderborn die Ermittlungen weiter und bereitet die Anklageschrift gemäß Ökolandbaugesetz vor.

Durch Crosschecks des LANUV auf Basis von Kontrollen im Rahmen der Futtermittelüberwachung und der Ökokontrolle ergaben sich im November 2008 Hinweise auf konventionelle Futtermittellieferungen an den Geflügelhof Franzsander. Daraufhin wurde dort am 2. Dezember 2008 eine unangemeldete Kontrolle durchgeführt und dem Betrieb vorsorglich die Biovermarktung untersagt. Bei der Kontrolle und weiteren Recherchen wurde schließlich ein nicht zulässiger Einsatz konventioneller Futtermittel in der Putenhaltung nachgewiesen. Insgesamt belief sich der Zukauf im Jahr 2008 auf rd. 960 Tonnen konventionelle und rd. 3.000 Tonnen Öko-Futtermittel. Am 22.12.2008 wurde daraufhin der gesamte Tierbestand – Elterntierherde, Junggeflügel, Legehennen und Mastgeflügel - des Geflügelhofes auf den Status „konventionell“ zurückgestuft. Ferner wurde dem Unternehmer auferlegt, sofort alle Kunden darüber zu informieren, dass der Kontrollvermerk von denjenigen Geflügel-Produkten zu entfernen ist, die vor dem 2.12.2008 in den Handel gelangt sind. Nicht von der Sperrung betroffen war zunächst die Fa. RoBert’s, die ab dem 3.12.2008 den Vertrieb mit Zukaufware von anderen Biobetrieben aufrecht erhielt. Da Franzsander der Verfügung des LANUV vom 22.12.2008, unverzüglich alle Kunden über die Rückstufung der Geflügelprodukte zu informieren, nicht korrekt nachgekommen war, hat das LANUV am 22.01.2009 auch die Fa. RoBert’s gesperrt. Ferner wurde verfügt, dass von allen RoBert’s-Produkten der Kontrollvermerk zu entfernen ist.

Die Kontrollen wurden im neuen Jahr bei den übrigen Firmen der Unternehmensgruppe fortgesetzt. Hierbei wurden weitere konventionelle Futtermitteleinkäufe ermittelt, die bis ins Jahr 2005 zurückreichen und sich in der Summe auf zusätzlich rd. 2.000 Tonnen belaufen. Des weiteren wurde ermittelt, dass die Vertriebsfirma Bertros Feinkost seit dem Jahr 2004 rd. 1.000 Tonnen konventionelles Geflügel- und Lammfleisch gehandelt hat. Den Verbleib dieser Ware hat Franzsander bisher nicht nachgewiesen. Deshalb hat die Kontrollbehörde diese Fa. ebenfalls gesperrt und die Entfernung der Kontrollvermerke
von den betreffenden Produkten verfügt. Es bleibt nun den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen vorbehalten, inwieweit konventionelles Futter in eine bis Dezember 2008 nicht gemeldete konventionelle Produktion geflossen oder Öko-Futter beigemischt wurde und ob es zu Umetikettierungen konventioneller Ware kam und wenn ja, in welchem Umfang.

Bioland hat sowohl dem landwirtschaftlichen Betrieb Franzsander als auch der Firma RoBert’s alle Verträge, die mit Bioland bestanden, gekündigt. Gegen beide Firmen hat der Verband im Januar 2009 Strafanzeige erstattet. Die Firma Bertros hat zu keinem Zeitpunkt über einen Bioland-Vertrag verfügt. Eine Zusammenarbeit mit eventuellen Nachfolgefirmen gibt es seitens Bioland nicht.

Mainz, den 13.02.2009

Bioland e.V.

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