Für ihren Nestbau brauchen Wildbienen die richtigen Materialien. (Foto: Imago)
27.03.2018
Tipps zum Start in die Bienensaison

Wie der Garten zum Bienenwohnzimmer wird

In unseren Gärten wird es immer stiller. Immer weniger Wildbienen sind unterwegs. Doch wie können wir es den fleißigen Tieren gemütlicher machen und sie wieder in unsere Gärten locken? Hier ein paar Tipps zum Saisonstart. Von Marta Fröhlich

Ohne Bienen geht nichts! Mit ihrem eifrigen Einsatz bestäuben sie 70 Prozent der 124 wichtigsten Nutzpflanzen der Welt, in Europa sogar 84 Prozent. Doch Biene und Co. haben es schwer. In den vergangenen 27 Jahren stellten Wissenschaftler einen Insektenrückgang von 76 Prozent fest. Dabei kann nicht nur die Landwirtschaft, sondern jeder einen kleinen Beitrag leisten, es der Biene gemütlich zu machen. Und so geht’s:

Bienenfreundliche Pflanzen: Eine Wildblumenwiese im heimischen Garten sieht nicht nur viel hübscher aus als ein glattgeschorener englischer Rasen, sie lockt auch Hunderte Insekten an. Um einen monotonen Rasen in eine kunterbunte Wiese zu verwandeln, braucht es zwar etwas Geduld. Der Rasenmäher sollte öfter im Schuppen bleiben, ein- bis zweimal imJahr genügt völlig. Pflanzen sollten Zeit haben, zu blühen und zu samen. Nachhelfen kann man mit einer Handvoll Wildpflanzensamen oder Biosaatgut für Blumenwiesen.

Neben der Wiese bieten die richtigen Stauden und Gehölze viel Raum zum Nektar- und Pollensammeln. Geeignet sind Blühpflanzen, die heimisch und standortangepasst sind. Außerdem sollten Hobbygärtner das Blühangebot verlängern, indem sie früh-, mittel- und spätblühende Pflanzen unterbringen. Aber Achtung: Gefüllt blühende Blumensorten bieten weder Nektar noch Blütenstaub.

Und auch das Kräuterbeet wird von Wildbienen gern besucht – vorausgesetzt, man lässt die Kräuter blühen. Perfekt eignen sich dafür zum Beispiel Thymian, Lavendel, Pfefferminze, Oregano und Dill. Außerdem gilt: Mut zur Unordnung! Wilde Ecken und Ecken mit Wildpflanzen, eine Hecke mit Schlehen, Berberitze oder ein Stück natürlicher Verbuschung kommen nicht nur bei Fluginsekten gut an. Sie bieten auch Nützlingen wie Igeln und Vögeln Rückzugsorte.

Der richtige Nistplatz: Wer Wildbienen was Gutes tun will, stellt Brut- und Nistplätze bereit. Sie sollten nicht, wie oft im Handel angeboten, aus Kunststoff sein. Auch die beliebten Beobachtungsröhrchen sind nicht geeignet, da sich durch Wasserdampf Pilze ansammeln können. Besser sind gut abgelagerte und trockene Holzblöcke. Dort können sauber Löcher hineingebohrt werden – mit reichlich Abstand und im rechten Winkel zur Längsrichtung der Holzfaser. So lassen sich Risse vermeiden. Das nehmen Hohlraum bewohnende Wildbienenarten gern an. Aber auch abgestorbene Königskerzenstängel oder dürre Brombeerranken werden gern bezogen.

Zum Schutz vor Fressfeinden empfiehlt der NABU Kunststoffnetze mit einer Maschenweite von drei mal drei Zentimetern, die im Abstand von 20 Zentimetern vor den Nistkasten gespannt werden. Der beste Platz für ein Wildbieneneigenheim ist sonnig, wind- und regengeschützt. Außerdem sollte es über mehrere Jahre an einem Ort verbleiben – auch im Winter. Ergänzt wird die Siedlung durch Gefäße oder Gartenteiche, die genug Wasser für die Insekten bereit halten.

Der Balkon – wertvolle Oase auf kleinstem Raum: Auch wer keinen Garten hat, kann es den Fluginsekten in der Nachbarschaft gemütlich machen. Hier sollten Bienenfreunde zu halb- oder nichtgefüllten Blütenpflanzen greifen und ebenfalls ihr Blütenangebot über die gesamte Saison von März bis Oktober planen. Eine Liste mit geeigneten Pflanzen finden Sie beim Netzwerk Blühende Landschaft.

Bienenschutz auch im Alltag: Auch der Verbraucher nimmt mit seinen Kaufentscheidungen Einfluss auf die ökologische Entwicklung. So verzehrt jeder Deutsche pro Jahr fast ein Kilo Honig. 80 Prozent davon stammen aus Importen. Honige aus dem Supermarkt bestehen häufig aus Mischungen aus Nicht-EU-Ländern, in denen häufig gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, die Bienen mit Antibiotika behandelt oder synthetische Pestizide eingesetzt werden. Außerdem können so auch Bienenkrankheiten nach Deutschland eingeschleppt werden.

Deshalb greifen Verbraucher am besten zu regionalem Biohonig. Aber auch bei der Wahl der übrigen Lebensmittel lohnt sich ein Blick auf die Erzeuger. Besonders in der Ökolandwirtschaft legen die Bauern Wert darauf, ihre Höfe und Äcker so zu gestalten, dass die Artenvielfalt unterstützt wird. Der Verzicht auf bienenschädliche Neonikotinoide und synthetische Pestizide tut sein Übriges, damit die Biene weiterhin für uns sorgen kann.

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