Klimaschutz mit Regenwürmern und Energieeffizienz durch Bäume auf dem Acker
Er ist seit 1988 Bioland-Bauer mit Leib und Seele: Josef Braun. Sein Credo: „So wenig wie möglich in die Natur eingreifen und viel bei ihr abschauen“. Gemeinsam mit seiner Frau Irene und den vier Töchtern bewirtschaftet er einen 45 ha großen Bioland-Hof südlich von Freising. Brauns bauen Getreide an, vermehren Saatgut, melken 24 Milchkühe, betreiben eine Käserei und halten Bienen. Josef Braun ist nicht nur passionierter Bioland-Bauer, sondern auch ein Visionär mit dem Mut ungewöhnliche Ideen umzusetzen.
Der Hof ist ein Musterbeispiel dafür, wie der Biolandbau dem Klimawandel entgegen wirken kann. Die Klimabilanz des Hofes ist schon seit Jahren vorbildlich, denn er wird weitestgehend energieautark bewirtschaftet. Strom und Wärme für Schlepper, Käserei oder Heutrocknungsanlage gewinnt Josef Braun mit seiner Holzvergasungsanlage. Im Sommer schaltet er eine Solaranlage an.
Aber damit hört der Klimaschutz noch lange nicht auf. Der geht bei einer besonderen Bewirtschaftung seiner Böden weiter, mit dem Ziel Humus aufzubauen. Regenwürmer sind es, die dabei helfen. Dank der „regen“ Würmer und tief wurzelnden Ackerpflanzen wie Luzerne werden große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid im Boden gebunden und gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit gesteigert. „In konventionell bewirtschafteten Böden leben auf einem Quadratmeter meist nicht mehr als 16 Regenwürmer, in den Acker- und Wiesenböden auf meinem Hof sind bei wissenschaftlichen Untersuchungen 350 gezählt worden“, freut sich der Bioland-Bauer. Der Humusgehalt seiner Böden liegt inzwischen weit höher als bei vergleichbaren konventionell bewirtschafteten Nachbarbetrieben. „Der Boden von Biohöfen wird in seiner Klimarelevanz unterschätzt. Er ist wichtige Kohlenstoff-Senke und reguliert den Wasserhaushalt“, ist sich Josef Braun sicher. Anders als verdichtete Ackerböden, von denen das Regenwasser oberirdisch abfließt, nehmen seine mit Regenwurmgängen durchzogene Böden bis zu 150 Liter Wasser pro Quadratmeter und Stunde auf – ein unterirdischer „Hochwasserschutz“ par excellence, der gleichzeitig die Grundwasservorräte erhält.
Der Bioland-Bauer ist sich der ethischen Dimension und der gesellschaftlichen Verantwortung des Wirtschaftens in und mit der Natur bewusst. So beantwortet er die Frage „Teller oder Tank?“ mit einem neuen Anbausystem auf seinen Feldern. „Aufgrund der riesigen Herausforderung bei der Sicherung des Rechts auf Nahrung für alle Menschen auf dieser Erde, aber auch im Klima- und Artenschutz, ist die Zeit reif für eine konsequente Neuausrichtung der Landnutzung. Die künstliche Trennung von Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau müssen wir überwinden“, ist Josef Braun überzeugt. Er führte deshalb im Frühjahr 2008 eine weitere Innovation auf seinem Betrieb ein – die „Agroforstwirtschaft“ oder „Acker-Wald-Nutzung“. Alle 18 Meter hat er schnell wachsende Pappeln auf den Acker gepflanzt. Vorteile dieses Anbausystems sind, dass die Bäume den Boden tief durchwurzeln, sich Nährstoffe aus dem Unterboden holen, mit ihren Blättern Nahrung für das Bodenleben liefern und das Kleinklima verbessern. „Ich nutze die Sonnenenergie optimal aus und erhöhe die Gesamtleistung meiner Felder. Der Getreideertrag bleibt 100 % und durch den Holzaufwuchs gewinne ich zusätzlich Energie, die ich alle fünf bis sieben Jahre ernten kann.“ Bei der Verbrennung der Pappeln in der Holzgasanlage entsteht Asche mit einem Holzkohleanteil von 85 %. Die will er vermengt mit Kompost wieder auf seine Felder ausbringen. Dadurch soll Kohlenstoff in den Boden zurück geführt, der Humusgehalt gesteigert und die Fruchtbarkeit weiter verbessert werden.
Eine innovative und konsequente Umsetzung des Kreislaufgedankens oder Öko-Spinnerei? Das wird sich zeigen. Josef Braun ist die Verknüpfung landwirtschaftlicher Praxis mit wissenschaftlichen Erkenntnissen sehr wichtig. Die Kooperation mit Wissenschaftlern, der enge Austausch mit der Bioland-Beratung und mit seinen Bioland-Kolleginnen und -kollegen ist ihm dabei ein besonderes Anliegen. Mit seinen Vorträgen im deutschsprachigen Raum unterstützt er engagierte Bäuerinnen und Bauern und sorgt bereits seit Jahren für wichtige Anstöße bei der Weiterentwicklung des organisch-biologischen Landbaus in Europa.
Betriebsspiegel
Lage: Freising, Oberbayern
Fläche: 45 ha Acker und Dauergrünland
Tierhaltung: 24 Milchkühe, Laufstall mit ganzjährigem Zugang zur Weide, Fütterung mit Gras, Heu und wenig Getreideschrot im Winter, Zucht auf Lebensleistung. Bienen, Direktvermarktung von Getreide, Fleisch und Wurstwaren, Käse, Milch, Honig
Demonstrationsbetrieb für Ökologischen Landbau
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Tiefwurzelnde Luzerne bindet das Treibhausgas Kohledioxid im Boden
Pappelreihen auf dem Feld fangen Sonnenenergie ein



