Klaus Götze                             
Betriebsstätte Nr. 42   
04808 Wasewitz
Tel: (03425) 923425
www.wassergut-canitz.de
info @ wassergut-canitz.de

Betriebsspiegel:

Gesamtfläche:

ca. 818 Hektar (ha)

Grünland:

115 ha

Ackerland:

623 ha

Feldgehölze:

25 ha

Tierhaltung:

70 Mutterkühe (Limosin) mit Nachzucht

Boden:

lS/sL, sehr heterogen: Bodenzahlen von 30-70

Schwerpunkt:

Trinkwasserschutz

Besonderheiten:

220 ha der Gesamtfläche in der Wasserschutzzone II,
der Rest in Schutzzone III

Wassergut Canitz

Biolandbau ist Grundwasserschutz!

Nicht weit von Leipzig, im Urstromtal der Mulde, liegt das Einzugsgebiet der Wasserwerke Leipzig, von dem die Stadt und das Umland mit Trinkwasser versorgt wird. Die Kernzone des Wasserschutzgebietes bildet der Bioland-Betrieb Wassergut Canitz, bewirtschaftet von Diplom-Landwirt Klaus Götze mit seinem Team. Dazu gehört auch der zweite Betriebsleiter Lutz Reichert.

Landwirtschaftliche Nutzung von Trinkwassereinzugsgebieten führt in aller Regel früher oder später zu gravierenden Problemen: Zu hohe Nährstoffeinträge durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel verunreinigen das Wasser, so dass es mit speziellen Anlagen aufbereitet werden muss. Das ist extrem kostspielig, energieaufwändig und hat mit Nachhaltigkeit wenig zu tun. Es geht aber auch anders: Das Wassergut Canitz ist dafür ein Musterbeispiel. Schon 1992 wurde hier auf Biolandbau umgestellt. Seine Fläche erstreckt sich über 800 ha, in der sich die Vielseitigkeit der Landschaft wiederspiegelt: Von Niederterrassen mit fruchtbarem Auenland, zu höheren Bereichen mit blühenden Saumstrukturen, im Hintergrund das Panorama der Hohburger Berge. Ungewöhnlich sind die immer wieder aufragenden Kontrollbrunnen. Hier wird gemessen, ob die Wasserqualität in Ordnung ist. Durch einen schonenden Umgang mit der Landschaft, den Tieren und Pflanzen lässt sich schließlich auch das Schutzgut Wasser erhalten. Erhalt der Artenvielfalt gehört unbedingt dazu, schon allein um einen biologischen Pflanzenschutz zu gewährleisten. Auf 24 ha bieten Feldraine, Windschutzstreifen und Biotope natürliche Habitate für Vögel, Raubinsekten und allerlei andere Tiere. Jedes Jahr werden Bäume nachgepflanzt. Das anfallende Holz aus den Feldgehölzen und einem mitbewirtschafteten Waldstückchen wird gleich wieder zum ressourcenschonenden Heizen der Hofgebäude genutzt.

Wassergut Canitz beteiligt sich am Agrarumweltprogramm „Naturschutz und Erhalt der Kulturlandschaft (NAK).“ Dabei sollen genutzte, naturschutzbedeutsame Flächen als Lebensgrundlage für Tier- und Pflanzenarten erhalten und neu angelegt werden. Zu diesen Flächen zählt die Auenlandschaft der Mulde: Eine Mutterkuhherde sorgt für schonende Beweidung. Die Fläche wird oft gewechselt, um die Narbe nicht überzustrapazieren. Teilweise liegen hier auch Überschwemmungsgebiete und Abschnitte, deren Relief so unförmig ist, dass es sich maschinell nicht nutzen lässt. Das können die Kühe kompensieren. Die derzeit 70 Limousin-Kühe produzieren den nötigen organischen Dünger. Winters bewegen sie sich in Boxenlaufställen, es wird ausschließlich Stallmist erzeugt. „Spaltenböden und ökologischer Landbau schließt sich bei mir aus“, sagt Götze bestimmt. Auf den 8 ha Streuobstwiesen wird nicht geweidet. Sie gelten als prägende Elemente der sächsischen Kulturlandschaft und sollen einer Vielzahl von Klein- und Kleinsttieren Nist- und Schutzmöglichen bieten. Daher wird der Schnitt auf diesen Flächen so lange wie möglich herausgezögert. Das Konzept der naturverträglichen Bewirtschaftung hat sich ausgezahlt. Das erste Ziel des Wassergutes wurde erreicht: die Sauberhaltung des Grundwassers.

Sauberes Wasser ist keine Selbstverständlichkeit

Die Wasserwerte waren nicht immer gut. Ende der 70er Jahren erreichten sie beinahe den kritischen Grenzwert von 50 mg/l. Die Wasserwerke mussten handeln. Im Zuge des Wandels in der Agrarstruktur zur Zeit der Wende fiel die Entscheidung. Statt Wasseraufbereitungsanlagen zu installieren, sollte das Problem bei der Wurzel gepackt werden: Änderung der Landnutzung. Bis dahin wurde die Fläche nach den Gesetzen der DDR intensiv konventionell bewirtschaftet. Auch Herr Götze war früher ein „Konventioneller“. Diese Zeiten sind vorbei: „Ich würde nie wieder konventionelle Landwirtschaft betreiben.“ Der erfahrene Landwirt bezeichnet sich als „100%igen Biobauer“. Zum Wassergut Canitz kam er durch den Ruf des Betriebes, den er vorher umweltschonend und rentabel leitete. Für ihn war die Anfrage der Wasserwerke seine „Jahrhundertchance“.

Das Konzept zahlt sich aus

Einen Betrieb komplett neu aufzubauen und dabei ein völlig neues Konzept zu verfolgen, empfand er als reizvolle Herausforderung. Dabei stand stets der Grundwasserschutz an erster Stelle. Doch nicht ohne dabei den Betrieb auch ökonomisch lohnend zu führen. Trotz anfänglicher Widerstände ist Beides gelungen. „Als das hier installiert wurde, waren alle dagegen“, erinnert sich Herr Götze und weist auf die umliegenden Felder. Ökolandbau war unerprobtes Neuland. Inzwischen sind seine Mitarbeiter stolz, auf einem so erfolgreichen Betrieb zu arbeiten. Der Viehbesatz wurde drastisch verringert. Fruchtfolgeschwerpunkt ist Leguminosenanbau und Getreide. Gedüngt wird nur zu den Hackfrüchten um die Nährstoffeinträge niedrig zu halten. Kartoffeln und Zwiebeln werden im Ruhrgebiet vermarktet und zählen mengenmäßig und qualitativ zu den Besten. Der Nitratwert hält sich bei 20-30 mg/l. Für Herrn Götze ist Ökolandbau der entscheidende Schritt zum Grundwasserschutz: „Wir leben von und mit allen Lebenswesen“. Nachhaltig wirtschaften könne man nur mit der Natur. Der Erfolg des Betriebes hat sich herumgesprochen. Jedes Jahr kommen StudentInnen, Schulklassen oder Fachleute aus den Anbauverbänden vorbei um sich zu informieren und zu lernen.

Kontrollbrunnen