Kontakt
Henrik Staar
Gut Hirschaue
An der Hirschaue 2
15848 Rietz-Neuendorf / OT Birkholz
Tel.: 0177/7992531
E-Mail: henrik.staar @ gut-hirschaue.de
www.gut-hirschaue.de
Alte Rassen, Benjeshecken, Biotope-Gut Hirschaue
Nach der Wiedervereinigung entschloss sich der Brandenburger Landwirt Hartmut Staar, einen eigenen Biobetrieb zu gründen. "Während meiner landwirtschaftlichen Tätigkeit zu DDR-Zeiten habe ich erfahren, was industriemäßige Tier- und Pflanzenproduktion bedeutet. Ich war überzeugt davon, dass auf unseren leichten Böden auch eine Bewirtschaftung ohne den Einsatz synthetisch erzeugter Pflanzenschutz- und Düngemittel möglich ist," so Staar. Erzeugt wird seit 1992 ein Nischenprodukt: Wild aus landwirtschaftlichen Gehegen.
Natürliche Unkrautregulierung mit Märkischen Sattelschweinen
In Ostbrandenburg, im Oder-Spree-Seengebiet zwischen dem Schlaubetal und dem „Märkischen Meer“ – dem Scharmützelsee, bewirtschaftet Hartmut Staar im Verbund mit den Landwirtschaftsbetrieben der Söhne Michael und Henrik 572 Hektar Ackerland. 185 Hektar davon sind Gehegefläche für etwa 850 Stück Damwild, 250 Stück Rotwild, 150 Mufflons (Wildschafe) und 300 "Märkische Sattelschweine" - einer hofeigenen Kreuzung aus Wildschwein und „Deutschem Sattelschwein“.
Der Speiseplan für die Tiere auf dem Gut Hirschaue ist abwechslungsreich, denn auf dem Ackerland wird eine sechsjährige Fruchtfolge mit wechselnden Futterkulturen zur Beweidung eingehalten. Im vierten Jahr dieser Fruchtfolge werden die Weideflächen von den Märkischen Sattelschweinen umgebrochen. Die Schweine sorgen für eine natürliche Unkrautregulierung auf den Flächen, bevor im darauffolgenden Jahr Mais zur Beweidung durch das Dam- und Rotwild angebaut wird.
Gehalten wird nur so viel Dam- und Rotwild, wie über das ganze Jahr von den Gehegeflächen ernährt werden kann. Daraus ergibt sich ein komplett geschlossener Nährstoffkreislauf bei niedrigem Tierbesatz. Die großzügige Gehegestruktur und -einrichtung unterstützt das Ausleben artspezifischer Verhaltensweisen.
Kleinbiotope und „Berkners Schlesische Wintergerste“
Zum Schutz der Tiere, die sich ganzjährig im Freien aufhalten, wurden bisher elf Kilometer Hecken mit 14.500 Bäumen und Sträuchern gepflanzt. Auf einer nahezu zusammenhängenden Ackerfläche der wenig strukturierten Beeskower Platte, der südlichen Begrenzung des Berliner Urstromtals, entstand so eine parkähnliche Landschaft.
Neue Lebensräume für Kleinlebewesen, Vögel und Säugetiere bieten angelegte Kleinbiotope wie Feldsteinlesehaufen und sogenannte Benjeshecken. Benjes- oder auch Totholzhecken werden aus aufgeschichtetem Buschwerk und Ästen in der offenen Landschaft errichtet. Die Gehölze können durch Windanflug und durch Samen aus dem Kot rastender Vögel und anderer Tiere keimen und so für eine natürliche Begrünung sorgen.
Die ökologische Wirtschaftsweise, die Biotoppflege von Gräben und Hecken, neue Nistmöglichkeiten für Vögel, der Einsatz naturschonender Landtechnik und der späte erste Mähgang auf dem Großteil der Weideflächen im Gehege erhöhen die Biodiversität.
Henrik Staar erklärt: „Umwelt- und Naturschutzleistungen sind für uns fester Bestandteil in der Produktion und Teil aller Betriebsabläufe – nicht nur auf Gut Hirschaue, sondern auch auf den Kooperationsbetrieben und darüber hinaus. Biologische Vielfalt beginnt bei der alten Schweinerasse `Deutsches Sattelschwein`, das wir für unsere Zucht verwenden. Wir betreiben Erhaltungszucht einer alten Getreidesorte – der `Berkners Schlesischen Wintergerste` und haben die Pflanzung alter Apfelsorten in der Gemeinde mit initiiert. Mit der Verwendung alter Rassen und Sorten wollen wir zum Erhalt der Arten und der Artenvielfalt beitragen.“
Artenvielfalt erleben
Am 31. Mai 2008, dem Tag der Artenvielfalt, wird gemeinsam mit Naturpark und Naturwacht „Dahme-Heideseen“, dem NABU und BUND genau überprüft, in wie weit die gesetzten Ziele erreicht wurden. Viele Fachleute und naturkundlich interessierte Laien werden an diesem Tag die Hecken und Gräben entlangwandern und kartieren, welche Lebewesen sich hier inzwischen angesiedelt haben.
Das gesamte Wildgehege des Gutes Hirschaue ist von einem ausgeschilderten Wanderweg, entlang an Gräben, Teichen und abwechslungsreichen Gehölzen, umgeben. Die an mehreren Stellen erhöht angelegten Aussichtspunkte ermöglichen ungestörte Tierbeobachtungen. Schautafeln entlang des Weges informieren über Pflanzen und Tiere der Biotope, die Lebensweise der Wildtiere und die ökologische Wirtschaftsweise auf Gut Hirschaue.
Arbeitgeber in strukturschwacher Region
1997 wurde auf Gut Hirschaue die eigene Fleischerei mit angeschlossenem Hofladen in Betrieb genommen. Die Tiere, die im Gehege geschossen werden, können hier direkt, ohne zusätzliche Transportwege, weiter verarbeitet werden. Seit 2001 gibt es eine hofeigene Wildgaststätte.
Das Unternehmen im strukturschwachen Osten Brandenburgs beschäftigt heute 15 Mitarbeiter in den Bereichen Landwirtschaft, Verarbeitung und Dienstleistung.
Das Gut Hirschaue ist Preisträger des Förderpreises Ökologischer Landbau 2008. Der Preis wurde dem Betrieb für die praxisgerechten Leistungen zur Weiterentwicklung der EG-Öko-Verordnung im Bereich der Wildtierhaltung verliehen.
Engagement zur Erhaltung natürlicher Ressourcen
Henrik Staar zur Bioland-Mitgliedschaft von Gut Hirschaue: „Als es an die Vermarktung unserer Produkte ging, haben wir den Entschluss gefasst, dies mit einem starken Verband zu tun, der bereits einen sehr guten Ruf in der Öffentlichkeit genießt. Neben der Marke „Bioland“ steht der Verband auch für Nachhaltigkeit und Engagement zur Erhaltung natürlicher Ressourcen. Durch seine Struktur mit Beratung, Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern und die Kontrollen fördert Bioland auch aktiv dieses Engagement.
Auf Grundlage unserer Erfahrungen und unserer persönlichen Überzeugung konnten wir auch die Verbandsrichtlinien der landwirtschaftlichen Wildhaltung aktiv mitgestalten.“


