Bioland Betrieb Waldhof
Karl Speidel
Beim Ludwigshof 3
72531 Hohenstein-Ödenwaldstetten
Tel: 07387-380
Betriebsspiegel:
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Was macht die Kuh im Wald?
Auf der Schwäbischen Alb grasen Rinder im Wald
Die Schwäbische Alb liegt nahe bei Stuttgart und ist doch eine andere Welt. Hier ist es stellenweise menschenleerer als in der Weite Kanadas und immer einen Kittel kälter als in der schwäbischen Hauptstadt. Häufig fegt ein rauer Wind über Kalksteinberg und Tal. Dafür gibt es noch viel unverfälschte Natur. Ein Urgestein von hier ist der Bioland-Bauer Karl Speidel. Bereits 1965 hat er den elterlichen Hof übernommen, vergrößert, aus dem Dorf ausgesiedelt und anschließend verschiedene Betriebszweige ausprobiert. Zum Beispiel eine perfekt durchorganisierte Sauenhaltung. Doch das gefiel dem Naturfreund auf Dauer nicht. Außerdem wurden an der örtlichen Quelle Rückstände von Pestiziden und Düngemitteln gefunden. So bewirtschaftet Karl Speidel nach vielen Diskussionen mit seinen Kollegen, seinen Söhnen und seinen Auszubildenden seinen Betrieb seit 1986 nach den Bioland-Richtlinien.
Die Lust auf etwas Neues brachten den Landwirtschaftsmeister vor ein paar Jahren gemeinsam mit einem Förster auf die Idee, das Projekt Hutewald zu wagen. Um Futter zu sparen, trieben die Bauern der Schwäbischen Alb ihre Kühe früher tagsüber zum Fressen in den Wald. Die hungrigen Rinder fraßen Waldgras und Kräuter und ließen kaum Bäume hochkommen. Nur pieksige Gewächse wie der kratzbürstige Wacholder oder die stachlige Schlehe blieben stehen. So entstand eine schöne herbe, artenreiche Landschaft, Wacholderheide genannt. Doch vor 60 Jahren gaben die Viehbesitzer diese Nutzung auf. Aus den offenen Landschaften entwickelten sich Kiefernwälder mit dichtem Unterholz.
Der 68-jährige Speidel wünschte sich jedoch den Enzian und die hübsche Silberdistel, die er aus seiner Kindheit kannte, zurück. 2005 pachtete er von der Gemeinde 7 Hektar Wald und schloss mit dem Land Baden-Württemberg einen Landschaftspflegevertrag ab. Pro Hektar bekommt er jährlich einen Zuschuss von 480 Euro. Ziel ist es, die verbuschte, zugewachsene Fläche wieder zu einer lichten Waldlandschaft zu machen. Die Waldarbeiter nahmen etwa die Hälfte der Bäume mit Maschinen heraus. Der Rest war Aufgabe von Karl Speidel und seinen tierischem Team. Von Bioland-Kollegen besorgte er sich robuste Rinder: die Hinterwälder. „Das ist die leichteste Fleckviehrasse, die es gibt. Die schonen den Boden und kommen auch mit kargem Futter aus“, so Speidel. Von Mai bis Oktober dürfen seine acht Kühe mit ihren Kälbern in den Wald. Dort ernähren sie sich von Gras, Laub und jungen Zweigen. Im Sommer ausschließlich, im Frühjahr und Herbst bekommen sie hofeigene Silage dazu. Das scheint ihnen zu reichen. „Bisher ist noch keine Kuh ausgebrochen, um auf einer fetteren Nachbarsweide zu fressen“, freut sich Speidel. Überhaupt werden seine Haustiere im Wald immer mehr zu Rehen. Sie sind scheu, äsen gerne im Schutz der Dämmerung und bleiben schön dicht beieinander. Wenn eine Kuh kalbt, versteckt sie sich unter Bäumen. Nach der Geburt frisst sie die Nachgeburt und leckt den Platz sauber, damit keine Feinde angelockt werden. Das Kalb muss wie ein Rehkitz die ersten Tage seines Lebens still in seinem Versteck bleiben. „Ein Kalb habe ich einen halben Tag lang gesucht, bevor ich es markieren konnte“, erinnert sich Speidel. Naturschutzkühe sind eben keine Streicheltiere. Trotzdem fällt es Karl Speidel schwer, seine Tiere wegzugeben. Mit zwölf bis 14 Monaten holt ein Metzger aus der Nähe den männlichen Nachwuchs ab. Das Fleisch lässt sich vor allem in am eigenen Verkaufsstand in der Stuttgarter Bauernmarkthalle gut vermarkten. Erste Erfolge sind auch in Sachen Naturschutz sichtbar. Schon nach zwei Jahren hat sich die Fläche verändert: „Es wachsen wieder Küchenschelle, Silberdistel und Hauhechel. Und die Heckenkirschen haben stark zugenommen“, beobachtet Hans-Georg Vresky von der Reutlinger Naturschutzbehörde. Währenddessen träumt Bioland-Bauer Speidel schon vom nächsten Projekt. „Vielleicht schaffen wir uns noch mehr alte Haustierrasseen an und werden zum Arche-Hof.“




